Momentum15

Momentum15 – ein Résumé

Jedes Jahr, wenn der Wind auffrischt und schon mit den ersten gelben und roten Blättern spielt, blüht Hallstatt noch einmal auf: Bereits zum achten Mal fand heuer der Momentum-Kongress statt. Das Generalthema hieß in diesem Jahr “Kritik”.

An den vier Kongresstagen in Hallstatt diskutierten etwa 240 TeilnehmerInnen in den verschiedenen Tracks über sozialen Fortschritt und die Frage, wie eine progressive und kritische Gesellschaft erreicht werden kann. Besonders freut uns als OrganisatorInnen, dass erneut viele junge Menschen an Momentum teilgenommen haben und so ihre ersten Kongresserfahrungen gesammelt haben.

Geistige Subversion

Barbara Blaha, Momentum15

Beim Kongressauftakt zeigt Barbara Blaha warum aus Angst vor oben nicht automatisch Hass gegen unten werden muss.

Das Generalthema des Kongresses berührt heuer den unmittelbaren Kern des Momentum-Projekts, welches immer den Anspruch hatte, ein „Forum für kritische Wissenschaft“ zu schaffen. Barbara Blaha fragt daher: Was ist eigentlich Kritik? Schließlich würde auch die Industriellenvereinigung „Starrheit“ am Arbeitsmarkt kritisieren, auch die europäischen Rechtsextremen verstehen sich selbst als Kritiker der Regierungen. Blaha gibt eine Antwort, was Kritik am Momentum bedeuten soll: Geistige Subversion. Diese Kritik soll herrschende Strukturen hinterfragen sowie Ideologien von Ungleichheit und gesellschaftliche Zusammenhänge aufzeigen, die Ungleichheit hervorbringen. Als Ziel kennt diese Form von Kritik nur eine Gesellschaft von Gleichwertigen.
Was kann Kritik überhaupt bewirken? Blaha erinnert daran, dass jede gesellschaftliche Ordnung nur vorderhand auf Gewalt beruht, in Wirklichkeit aber vor allem auf menschlicher Einbildungskraft: Eigentum gibt es nur, wenn die Mehrheit der Gesellschaft daran glaubt, Gemeinschaftsgüter zu privatisieren kann nur funktionieren, wenn die Mehrheit glaubt, es sei rechtschaffen. Der Frust und die Aggression, die aus offensichtlicher Ungleichbehandlung und Wut auf die politische Kaste entsehen, entladen sich gegen Minderheiten und Flüchtlinge, wenn Anknüpfungspunkte an rationales Begreifen fehlen, so Blaha: Aus Angst vor oben wird Hass gegen unten.
Um dem entgegenzuwirken, schlägt Blaha vor, die notwendige Kritik entlang folgender Richtlinien aufzubauen: Sie muss sich teilen und darf nicht auf akademische Zirkel beschränkt bleiben, sie muss an realen Problemen unserer Gesellschaft ansetzen, sie darf nicht zum Selbstzweck verkommen, sondern muss subversiv bleiben und sie muss jegliche Dogmatik vermeiden. Dann könne Kritik schließlich das geben, was für Fortschritt unabdingbar ist: Hoffnung.

Eröffnungsrede zu Momentum15 von Barbara Blaha