Treiber Gerhard: Wie sieht ein gerechtes und solidarisches Steuersystem aus Sicht von ArbeitnehmerInnen aus?

25. Okt 2010

Abstract Momentum 10 Track 1 „Verteilung und Umverteilung”

„Wie sieht ein gerechtes und solidarisches Steuersystem aus Sicht von ArbeitnehmerInnen aus?

Steuer kommt von „steuern“
Normalerweise denkt man/frau als ArbeitnehmerIn beim Thema Steuern als erstes daran,
dass dies ein langweiliges und unangenehmes Thema sei. Wer sich schon Mal mit seiner
Einkommensteuererklärung herumgeschlagen hat, kennt zunächst nur eine Reaktion:
Steuern sind eine viel zu komplizierte Angelegenheit. Und die nächste Reaktion ist bei den
Meisten: Ich selbst muss zu viel Steuern zahlen. Beginnt man/frau sich jedoch mit dem
Thema soziale Gerechtigkeit und den Gestaltungsmöglichkeiten einer fairen Gesellschaft
zu beschäftigen, so führt kein Weg an dem Thema Steuerpolitik vorbei.

Denn in dem Wort „Steuer“ steckt das Verb „steuern“, das lenken und gestalten bedeutet.
Steuern sind nämlich ein politisches Gestaltungsmittel, um eine Gesellschaft zu lenken
und für den Staat die Voraussetzung schlechthin, um seine Aufgaben zu erfüllen. So
werden über die Steuereinnahmen etwa öffentliche Einrichtungen finanziert, die Güter und
Dienstleistungen gewährleisten, die von den privaten Unternehmen nicht oder nicht im
notwendigen Ausmaß abgedeckt werden (z.B. Landesverteidigung, Schulen, Polizei,
Gerichtswesen, öffentlicher Verkehr, Müllentsorgung usw.). Weiters können mittels
Steuern für die Allgemeinheit unerwünschte Verhaltensweisen im Rahmen einer freien
Marktwirtschaft gelenkt werden (z.B. sollen Ökosteuern dazu anleiten, den Verbrauch
fossiler Brennstoffe gering zu halten und vermehrt nachhaltige Energiequellen zu nutzen,
die Tabaksteuer soll Raucher über die hohen Kosten zum Überdenken ihres
gesundheitsschädlichen Verhaltens bringen).

Durch die Erhöhung oder Senkung von Steuern kann auch ein stabilisierender Einfluss auf
das Wirtschaftswachstum ausgeübt werden. Im Falle einer Wirtschaftskrise, wie sie z.B.
derzeit (noch immer) vorliegt, kann somit das Wachstum angekurbelt werden, indem durch
Steuersenkungen die Kaufkraft der KonsumentInnen erhöht wird, die in Folge der
Finanzkrise das letzte Bollwerk gegen den Abschwung darstellt.

Gerhard Treiber

Dokumente zum Download

Beitrag_Treiber (application/pdf)
AutorIn Momentum 2011-02-19 16:27:34