Tamesberger Dennis, Wahlmüller Johannes: Der Klimawandel: Eine Frage der Gerechtigkeit.

28. Sep 2008

Abstract Momentum 08 Track 3 „Globale und ökologische Gerechtigkeit”

„Der Klimawandel: Eine Frage der Gerechtigkeit.
Das Erwachen Chinas als Bedrohung für das globale Klima.

Problemstellung
Seit Urzeiten lebt der Mensch mit der Natur, passte sich an sie an und passte schließlich auch die Natur an ihn an. Dieses Zusammenspiel war immer auch verbunden mit Unsicherheiten und Bedrohungen für die menschliche Existenz und Lebensstandard.

Im Lauf der Geschichte nahm die menschliche Einflussnahme in natürliche Ökosysteme zu, der Mensch nahm natürliche Bedingungen nicht mehr nur hin, er gestaltete und beeinflusste sie in zunehmendem Maße.

Die ökologische Problematik selbst ist kein neues Phänomen, sie begleitet die Menschheit entlang ihrer gesamten Geschichte, jedoch änderte sich das Ausmaß seit der industriellen Revolution dramatisch. Durch die entscheidende Fortschrittsquelle der letzten 300 Jahre, der fossilen Energieträger, wurden Schadstoffe in enormen Ausmaß freigesetzt (vgl. Schmid, 2007, S. 2). Zum ersten Mal schuf der Mensch chemische Zusammensetzungen, die in der Natur bisher nicht vorkamen. Er löste damit unvorhersehbare Reaktionen in den Ökosystemen hervor und schuf damit auch völlig neue ökologische Probleme. Neu war aber auch, dass diese ökologischen Probleme nationalstaatliche Grenzen überwanden. Industrielle Emissionen wurden über den Globus getragen und verursachten sauren Regen in entfernten Gebieten, industrielle Abwässer verseuchten das Wasser unterer Flussanlieger. Mit diesen ökologischen Problemen kämpfen wir heute noch.

Gegen Ende des vorigen Jahrhunderts häufen sich aber Studien über weitere, weit unvorhersehbarere Auswirkungen, die mit der Industrialisierung verbunden sind. Spätestens seit dem IPCC-Bericht 2007 setzte sich die Erkenntnis durch, dass der Klimawandel eine markante menschliche Handschrift trägt (vgl. IPCC, 2007, S. 703) Der Zusammenhang zwischen dem Ausstoß von Treibhausgasen und einer Erwärmung der Atmosphäre ist wissenschaftlich unumstritten. Die Fronten

sind damit geklärt: Verantwortlich für den bisher beobachteten Klimawandel ist der hoch industrialisierte Norden. Während Europa seine Rolle als Vorreiter im Kampf gegen den globalen Klimawandel übt, zeigt man sich jenseits des Atlantiks skeptischer – und verantwortungsloser. Erst Hurrikan Katrina, der mit ungekannter Wucht die Südküste der USA und die 500.000 Einwohnermetropole New Orleans verwüstete, rückte den Klimawandel auch dort in den Mittelpunkt des gesellschaftlichen Interesses.

Umweltbewusste Gruppen formieren sich und finden immer erfolgreicher Gehör bei verantwortlichen PolitikerInnen. Während Gegenstrategien ausgearbeitet werden, zeigen sich aber schon neue, dunkle Wolken an der globalen Wetterfront. Eine Riese ist in Ostasien erwacht. China ist dabei seine kommunistische Planwirtschaft mit einem gehörigen Schuss Kapitalismus auf Touren zu bringen. Fehlende Umweltstandards und der massive Einsatz von Kohle verursachen schwere regionale Umweltschäden. Folgen hat diese ressourcenintensive Entwicklung aber auch auf das globale Klima. Während der Wohlstand in China steigt,
macht man sich anderswo Sorgen um die blanke Existenz. Kleine Inselstaaten sind vom steigenden Meeresspiegel bedroht. Schon ein Anstieg um einen halben Meter, der vom IPCC noch für dieses Jahrhundert als wahrscheinlich gilt, könnte existenzbedrohlich für viele Menschen auf kleinen Inseln wirken.

Auf die Wechselwirkung zwischen ökologischer und sozialer Problematik wies der Club of Rome bereits im Jahre 1972 mit dem Bericht über die Grenzen des Wachstums hin. Der Wachstumsfetisch der Industrienationen führt zu hohem Ressourcenverbrauch der zunehmend zum Problem wird. Entstanden ist darüber hinaus eine große Disparität zwischen Industrieländern und Entwicklungsländern. Obwohl nur etwa 20 % der Bevölkerung der Erde in Industrienationen lebt, verbrauchen sie 80 % der Ressourcen. Die derzeit herrschende Wirtschaftsweise trägt zum Klimawandel bei. Diese globale Ungleichheit ist auch verantwortlich für Hungersnöte, große Wanderungsbewegungen und für die Verbreitung von
Seuchen (vgl. Laszlo, 1998. S. 22f.). Einige Staatsoberhäupter haben bereits bilaterale Abkommen mit Staaten geschlossen, die ihren BürgerInnen als Zufluchtsort dienen können. Weltweit zeigen sich die Folgen des Klimawandels. Dürren häufen sich, Wirbelstürme gewinnen an Heftigkeit, Regenmengen variieren, Starkregen tritt häufiger auf.

Während sich der Wohlstand in den Zentren der wirtschaftlichen Entwicklung ballt, wirkt sich der dadurch verursachte Treibhauseffekt global aus. Besonders betroffen sind vulnerable Bevölkerungsschichten in vulnerablen Gebieten.

Der industrialisierte Norden und die bevölkerungsreichen Staaten Ostasiens, die deren ökonomische Muster kopieren, werden zum globalen ökologischen und humanen Problem. Das Recht auf Entwicklung ist ein Menschenrecht. China, Indien und die asiatischen Tigerstaaten tun nur, was der Westen vorgemacht hat. Es steht dem Westen deshalb nicht zu
mit erhobenem Zeigefinger ökologische Disziplin einzufordern. Dennoch gerät das Recht auf Entwicklung in Konflikt mit den Menschenrechten derer, die durch den Klimawandel betroffen sind, von den wirtschaftlichen Entwicklungen aber nicht profitieren.

Entstanden ist eine „Verantwortungslücke“, die auf nationalstaatlicher Ebene nicht geschlossen werden kann. Gefragt sind internationale Lösungen, die einerseits den Klimawandel wirksam bekämpfen, andererseits jene unterstützen, die schuldlos erhöhten Risiken ausgesetzt sind.

Aufgabenstellung
Genau in diesem Spannungsfeld positioniert sich unsere Aufgabenstellung für diese Arbeit. Zu zeigen ist, dass eine Entwicklung nach westlichem Vorbild, d.h. eine nachholende Industrialisierung nicht für alle Nationen der Welt möglich ist. Durch das erreichte globale Niveau der Industrialisierung manifestieren sich ökologischen Grenzen für Entwicklung. Das westlichte Lebensmodell ist nicht globalisierbar.

Um diese These zu stützen werden wir Prognosen über die Entwicklung von China und die damit verbunden globalen, ökologischen Konsequenzen, anführen. China, mit einem BIP-Wachstum von 11,4 Prozent (2007) und mit einer Bevölkerung von 1,31 Milliarden Menschen, erscheint als besonders geeignet für diese Zielsetzung. Es ist derzeit das
größte Transformationsland, mit der am schnellsten voranschreiten Industrialisierung. Im Zentrum unserer Arbeit steht jedoch nicht die Analyse der ökologischen und sozialen Probleme in China, sondern die globalen Auswirkungen dieser Entwicklung, da diese noch wenig Aufmerksamkeit im wissenschaftlichen Diskurs bekommen haben.

Zentrale These ist somit, dass diese Entwicklung nach westlichem Vorbild, die globale Ungerechtigkeit über Effekte auf den Klimawandel vorantreiben wird.

Nach dieser Analyse werden wir internationale Modelle gegenüberstellen und auf ihre Fähigkeit der globalen ökologischen und sozialen Ungerechtigkeit entgegenzuwirken, prüfen Ansatzpunkte für die Diskussion bilden die Konzepte der Nachhaltigkeit und der ökologische Fußabdruck.

Von der hier angeführten Problem- und Aufgabenstellung lassen sich folgenden Forschungsfragen ableiten:

1) Welche Bedeutung hat China für den globalen Klimawandel?

1.1.) Welche zukünftigen Entwicklungen werden für China prognostiziert?
1.2.) Welche Gefahren für internationale Bemühungen den Klimawandel einzudämmen ergeben sich durch die ökonomische
Entwicklung Chinas?

2) Welche Implikationen ergeben sich für das „Entwicklungsmodell China“ im Hinblick auf globale Gerechtigkeit?

2.1.) Wie stark ist China für die Folgen des Klimawandels verantwortlich zu machen?
2.2.) Welche Bedeutung haben ausländische Firmen in China für die Umweltverschmutzung?

3) Welche globalen Folgen zieht der Klimawandel nach sich?

3.1) Wer trägt die Folgen des Klimawandels?
3.2) Wer ist verantwortlich und wer trägt die Verantwortung?

4) Welche politischen Instrumente erscheinen sinnvoll um globale Gerechtigkeit und ökonomische Entwicklung in Einklang zu bringen?

5) Welches internationale Modell erscheint am geeignetesten Rahmenbedingungen zu schaffen, die eine dauerhafte Entwicklung in Richtung globale Gerechtigkeit ermöglicht?

5.1) Wie kann eine nachhaltige Entwicklungsstrategie aussehen?
5.2.) Gibt es Beispiele erfolgreicher nachhaltiger Entwicklung?

Dennis Tamesberger, Johannes Wahlmüller

Dokumente zum Download

Beitrag_Tamesberger_Wahlmüller (application/pdf)
AutorIn Momentum 2011-02-19 14:06:41