Stubler Claudia: Das Ende der vierten Macht im Staat?

25. Okt 2010

Abstract Momentum 10 Track 8 „Hegemonie in der Mediengesellschaft”

„Das Ende der vierten Macht im Staat?

I. Einleitung
Neben den klassischen drei Gewalten (Exekutive, Judikative und Legislative) im Sinne von „checks und balances“ gelten die Massenmedien als vierte Macht im Staat. Bereits Mitte des 19. Jahrhunderts existierten populäre und massenhaft verbreitete Medien wie etwa Fotografien, Stereoskopien und Panoramen. Vor allem durch die zunehmende Industrialisierung konnte sich das Pressewesen hin zu einer Massenpresse entwickeln, denn erst technische Neuerungen, durch die Übertragung und Sendung realisiert wurde, ermöglichten Massenkommunikation. Die wohl wichtigste Aufgabe der Massenmedien (neben Unterhaltung) stellt die Weitergabe von Informationen und damit eine öffentliche Meinungsbildung dar, wodurch Kritik und Kontrolle stattfinden können und somit das Funktionieren einer demokratischen Gesellschaft sichergestellt werden soll.

Heute gewinnen die neuen Medien wie das Internet und insbesondere Web 2.0 immer mehr an Bedeutung: In Österreich verfügen bereits über 80 Prozent der Bevölkerung über einen technischen Zugang zum Internet, mehr als die Hälfte nutzt dieses Medium regelmäßig. Die Anzahl der Internet-UserInnen steigt in Österreich stetig und auch hinsichtlich der Nutzerstruktur hat sich in den letzten zehn Jahren viel geändert: Die Anzahl an Frauen, die das Internet nutzen, hat sich verdoppelt; die Alterstruktur wurde ausgeglichener; und auch Menschen aus bildungsfernen Schichten nutzen das Internet vermehrt. Bei Jugendlichen nimmt das Internet sogar die erste Stelle hinsichtlich der subjektiven Wichtigkeit von Medien ein.

Weiters kann in Österreich eine starke Verflechtung zwischen Medien und Wirtschaft beobachtet werden, insbesondere im Bereich der Printmedien. Obwohl dies – historisch betrachtet– keinen neuen Trend darstellt, drängen sich dennoch Zweifel auf, ob hierbei überhaupt noch von einer Macht gesprochen werden kann, was vor allem durch abnehmende Unabhängigkeit der Medien mit zunehmender Ökonomisierung verbunden ist. Denn diese (wirtschaftliche) Konzentration untergräbt die Gütekriterien demokratischer Medien, nämlich Vielfalt und Objektivität.

Es stellt sich nun die Frage, wie sich diese Entwicklung auf politische Prozesse auswirkt und ob die klassischen Massenmedien (Printmedien, Fernsehen, Radio) an Macht verlieren.

Ist es überhaupt noch sinnvoll, trotz zunehmender Ökonomisierung der Medien sowie der enormen Bedeutung von Internet und Web 2.0, Massenmedien als vierte Macht im Staat zu bezeichnen? In meinem Beitrag möchte ich mich somit kritisch mit diesem Spannungsverhältnis auseinandersetzen und die Ursachen und Wirkungen beleuchten.

Claudia Stubler

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AutorIn Momentum 2011-03-08 21:45:41