Specht Matthias: Zeitarbeit – eine ganz normale Arbeit?

25. Feb 2010

Abstract Momentum 10 Track 3 „Arbeitsrecht und Arbeitsverhältnisse”

„Zeitarbeit – eine ganz normale Arbeit?“
Ergebnisse aus einer Befragung von Zeitarbeitnehmer/-innen

1. Ausgangslage
Zeit ist Gegenstand intensiver politischer und wissenschaftlicher Diskussion. In der neueren wissenschaftlichen Literatur wird zunehmend die Funktion dieser Beschäftigungsform für die Unternehmen zum Thema gemacht. In den letzten Jahren ist ein Funktionswandel zu beobachten: Wurden ehemals Zeitarbeiter/-innen als kurzfristiger Personalersatz oder bei unerwartet großen Aufträgen angefordert, gehen mittlerweile viele Betriebe dazu über, eine ständige „zweite Belegschaft“ mit deutlich weniger Rechten und geringerem Kündigungsschutz zu installieren, um sich gegenüber Auftrags- und Ertragsschwankungen des „Marktes“ abzusichern. Es ist dabei nicht unbedingt korrekt, von einer „Randbelegschaft“ zu sprechen, da die Tätigkeiten von Zeitarbeitnehmer/-innen und Stammbelegschaft im Arbeitsalltag vielfach miteinander verschränkt sind(ebd.).

Die Zeitarbeitnehmer/-innen sind in ihrer Charakteristik eher eine „untypische“ atypische Beschäftigtengruppe. Es überwiegen Männer und Arbeiter. Zugespitzt könnte man formulieren, dass Zeitarbeit die Erscheinungsform von Prekarität unter Industriearbeitern ist. Aber diese Beschäftigungsform kommt zunehmend auch im Angestellten- und Verwaltungsbereich zum Einsatz.

Diese Beschäftigungsform ist auch deshalb von besonderem Interesse, weil sie eine starke Expansionsdynamik aufweist, die durch die Wirtschaftskrise scheinbar nur kurz gebrochen wurde. In Österreich waren 2009, im Jahr der Wirtschaftskrise, 1,8 Prozent der unselbstständigen Erwerbstätigen in Österreich in der Branche Arbeitskräfteüberlassung tätig, 2008 waren es noch 2,1 Prozent. Nach jüngsten Zahlen hat die Zahl der Leiharbeitnehmer/-innen bereits wieder annähernd den Stand von vor der Krise erreicht. Derzeit (Juni 2010) sind in Österreich etwa 79.000 Zeitarbeitnehmer/-innen beschäftigt, davon etwa 19.000 in Oberösterreich. Die Tabelle zeigt die Beschäftigungsentwicklung in dieser Branche in Oberösterreich für die vergangenen beiden Jahre.

Matthias Specht

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AutorIn Momentum 2011-02-23 21:24:49