Scholz Jakob, Wollner Marie: Free Knowledge – Public Knowledge? Gedanken zum Mainstreaming der Free-Knowledge-Idee

28. Sep 2008

Abstract Momentum 08 Track 5 „Freies Wissen vs. Digital Divide”

„Free Knowledge – Public Knowledge? Gedanken zum Mainstreaming der Free-Knowledge-Idee

Die Open-Source-Bewegung hat, ursprünglich aus einem akademischen, technischen Umfeld stammend und auf Software begrenzt, schon vor einiger Zeit den Weg in die Mitte der Gesellschaft begonnen. Freie Software wird von einer Vielzahl von Privatpersonen und Unternehmen genutzt, das Wikipedia-Projekt hat die Idee freien Wissens für eine breite Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Das heißt, für die breite Öffentlichkeit der westlichen Wohlstandsgesellschaften, und selbst diese sieht sowohl freie Software als auch freies Wissen eher „free as in beer“ als „free as in speech“, um eine bekannte Redewendung zur Verdeutlichung der Charakteristika freier Software aufzugreifen.

Und selbst, wenn eine breite Masse an den Ergebnissen, die diese Bewegungen hervorbringen, partizipieren würde, statt nur zu konsumieren, bliebe immer noch die Frage offen: Welche Relevanz hat die schöne neue Vielfalt und Freiheit des Wissens für Menschen, die weder die Zeit noch die finanziellen Ressourcen haben, sich an diesen Prozessen zu beteiligen?

Der Beitrag soll sich daher einerseits mit der Frage befassen, wie die Philosophie, die hinter Projekten wie der GPL oder Creative Commons steht, einer breiteren Öffentlichkeit ins Bewusstsein gerufen werden kann und wie der politische Aspekt – freies Wissen als Motor gesellschaftlicher Entwicklung und als Möglichkeit, sozialen Ungleichheiten entgegenzuwirken – Menschen zur Partizipation an diesen Projekten bewegen kann. Gleichzeitig soll die Free-Knowledge-Bewegung als konkretes Beispiel für einen emanzipatorischen Bildungsbegriff als Gegenkonzept zum Begreifen von Wissen als Ware auf dem globalen Markt diskutiert werden.

Daran anknüpfend ist die zweite Fragestellung, wie diejenigen Gesellschaftsschichten, die auf Grund diverser Barrieren (finanziell, technisch, sozial) von der aktiven Teilnahme an den genannten Bewegungen ausgeschlossen sind, trotzdem von den Vorteilen freien Wissens profitieren können. Als bereits existierendes Beispiel kann die Initiative „One Laptop per Child“ (OLPC) dienen, die die Entwicklung eines kostengünstigen, mit Open-Source- Software ausgestatteten Laptops für Bildungseinrichtungen in Entwicklungs- und Schwellenländern zum Ziel hat. Anhand dieses und anderer Beispiele sollen anschließend die Möglichkeiten für weitere mögliche Projekte und Initiativen diskutiert werden.

Der Konnex dieser beiden Fragestellungen mit dem Kongressthema, Gerechtigkeit, stellt sich wie folgt dar: Dass die freie Verfügbarkeit von Wissen soziale Benachteiligungen ausgleicht, ist recht naheliegend – Wissen, dass bis vor kurzen fast ausschließlich akademischen Kreisen zugänglich war, steht nun theoretisch einer wesentlich breiteren Bevölkerungsgruppe zur Verfügung. Damit es nicht nur bei der theoretischen Verfügbarkeit bleibt, sondern dieses Wissen auch tatsächlich von möglichst vielen Menschen genutzt wird, bedarf es einer aktiven Bekanntmachung der Ideen rund um den Begriff „Freies Wissen“. Außerdem sind die bereits existierenden Projekte wie Wikipedia ein konkreter Beweis dafür, dass gerechte Verteilung funktionieren kann – auch wenn diese Beispiele nur immaterielle Güter (Wissen, Software) betreffen, so sind sie doch ein erster Schritt (in diesem Zusammenhang ist die Plattform www.keimform.de sicherlich eine Betrachtung wert).

In die gleiche Kerbe schlägt der zweite Ansatz, nur, dass hier versucht wird, eine noch breitere Bevölkerungsschicht einzubinden bzw. von den Vorteilen freien Wissens profitieren zu lassen.

Jakob Scholz, Marie Wollner

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Beitrag_Scholz_Wollner (application/pdf)
AutorIn Momentum 2011-05-11 13:40:38