Schlager Christa: Soziale Ungleichheit und Armut aus Geschlechterperspektive

28. Sep 2008

Abstract Momentum 08 Track 9 „Armutsbekämpfung: Von Mindestsicherung bis Grundeinkommen”

„Soziale Ungleichheit und Armut aus Geschlechterperspektive”

Die Tatsache, dass die weibliche Armutsgefährdungsquote inklusive soziale Transfers im EU-Durchschnitt und in Österreich beständig über der männlichen liegt, wirft eine Vielzahl von Fragen auf. Diese betreffen die Primärverteilung, aber auch die Umverteilungsfunktion des Staates. Es zeigt sich, dass das Geschlecht in allen Statistiken ein relevantes Merkmal für Unterschiede und damit für soziale Ungleichheit ist. Der Beitrag widmet sich der sozioökonomischen Benachteiligung von Frauen in gebotener Kürze und versucht deren Determinanten und die empirischen Evidenzen anzugeben.

1. Theoretische Überlegungen: Die blinden Flecken der Wirtschafts- und Sozialpolitik
Der Markt, der Staat und die Haushalte/Familien gelten als die Institutionen des Wirtschaftsgeschehens. In allen drei Sektoren sind Frauen tätig, ohne dass sie explizit sichtbar gemacht werden. Diese „Blindheit“ gegenüber den ungleichen Lebensbedingungen und den sozialen Rollen von Männern und Frauen hat weit reichende Folgen.

Markt: Die Wirtschaftspolitik des Staates bezieht sich vorwiegend auf den Marktbereich bzw. auf das Eingreifen bei Marktversagen. Wirtschaftspolitik ist vom Verständnis geprägt, sie wirke neutral auf Frauen und Männer. Dabei wird von der Politik außer Acht gelassen, dass der Markt eine Regulierungsform ist, in der auch männliche Machtstrukturen herrschen. Auch der Markt spiegelt gesellschaftliche Strukturen wider. Frauen haben in der Gesellschaft in vielen Situationen andere Rollen und Ausgangspositionen wie Männer. Die Realitäten von Frauen und Männern sind in vielen Lebensbereichen sehr verschieden. Insbesonders kann dies an Hand des Umgangs mit unbezahlt geleisteter Arbeit gesehen werden.

Staat: Der österreichische Sozialstaat wird im europäischen Vergleich als „konservativ“ bezeichnet. Die Einführung der Kranken- und Unfallversicherung (1888/1889) war der Grundstein für die Tradition einer an bezahlte Arbeit bzw. Erwerbstätigkeit gebundenen Sozialversicherung in Österreich. Endgültig eingeführt wurde in Österreich die traditionelle Bismarcksche einkommensbezogene und nach Erwerbsgruppen differenzierte Sozialversicherung mit der Schaffung des Allgemeinen Sozialversicherungsgesetzes (ASVG) 1955 (vgl. Talós/Fink, S.4). Das Sozialsystem ist auf die Wahrung des Lebensstandards ausgerichtet. Soziale Dienste werden weniger von der öffentlichen Hand als von Wohlfahrtsverbänden und Familien (und in ihnen den Frauen) geleistet. Die Sozialpolitik ist in einem konservativen Wohlfahrtsstaatsmodell zweigeteilt, indem Männer vor allem als Erwerbstätige und Ehemänner, Frauen aber als Ehefrauen und Mütter in Erscheinung treten (vgl. Mairhuber 2000, S.24).

Damit hat die Sozialpolitik einen Gender-Bias. Es kommt zu einem doppelten strukturellen Ausschluss, sowie zu einem doppelten spezifischen Einschluss, wie Mairhuber (2001, S.138ff) herausarbeitet.

Haushalte/Familie: Die meisten empirischen Studien zu Armutsgefährdung und Armut verwenden das verfügbare Haushaltseinkommen als zentrale Messgröße. Es wird in diesen Studien angenommen, dass innerhalb des Haushalts das verfügbare Einkommen gleich oder gemäß den Bedürfnissen der Haushaltsmitglieder verteilt wird. Diese Annahmen werden schon lange, insbesondere von feministischer Seite, in Frage gestellt.

2.Empirische Evidenzen
2.1. Soziale Ungleichheit: Verteilung von Arbeit, Zeit, Einkommen, Vermögen und Sozialtransfers
Darstellung der:

•    Unterschiede bei bezahlter und unbezahlter Arbeit

•    Unterschiede bei Einkommen und Vermögen

•    Unterschiede beim Bezug von Sozialleistungen

2.2 Armutsgefährdung und manifeste Armut

•    Darstellung der aktuellen EU-SILC Zahlen zu Frauenarmut und Armutsgefährdung.

3. Schlussfolgerungen
Das zentrale Problem im Bereich der sozialen Ungleichheit und Armut aus Geschlechterperspektive bleibt, dass das Wirtschafts- und Sozialsystem weiterhin blinde Flecken, was die Lebenslagen und Bedürfnisse von Frauen betreffen, hat. Dieses Wegschauen bewirkt, dass große Teile von Frauen keine Existenz sichernden Markteinkommen haben und auch das Sozialsystem durch spezifische Ein- und Ausschlüsse keine durchgängige, eigenständige und Existenz sichernde Absicherung vorsieht. Deswegen gibt es weiterhin eine erhöhte Armutsgefährdung von Frauen, die besonders bei prekärer Beschäftigung, bei Alleinerzieherinnen und im Alter zu Tragen kommen. Das Sichtbarmachen und die Anerkennung von Versorgungsarbeit durch die Gesellschaft ist eine notwendige Voraussetzung dafür, dass Frauen, auf Grund ihrer sozialen Rollen und Aufgaben, die sie übernommen haben, nicht sozialer Ungleichheit und erhöhtem Armutsrisiko ausgesetzt bleiben. Weibliche Lebensverläufe sollten genauso als „normal“ angesehen sein und damit im Zentrum der Überlegungen der wirtschafts- und sozialpolitischen Maßnahmen sein.

Christa Schlager

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AutorIn Momentum 2011-05-12 13:08:18