Track #5: Klasse, Schicht und Verteilung

Trackmoderation: Alban Knecht, Stefanie Hürtgen

Mit dem Aufkommen des Neoliberalismus ist auch der Klassenbegriff in den letzten 30 Jahren außer Mode gekommen. Während von der politischen Rechten das Bestehen von nach sozialen Gesichtspunkten bestimmten kollektiven Identitäten an sich bestritten wurde, hat auch die Tendenz zur tieferen Differenzierung sozialer Gruppen die Sinnhaftigkeit des Klassenbegriffs in Frage gestellt, während gleichzeitig der kaum weniger unbestimmte Begriff der “Mittelschicht” diskursive Erfolge feierte. Die wirtschaftliche, soziale und politische Krise Europas bringt aber in Debatten den Begriff der “ArbeiterInnenklasse” wieder ins Spiel, während sie gleichzeitig das Selbstverständnis der Mittelschicht erschüttert. In Großbritannien oder Frankreich, aber auch Österreich identifiziert eine ethnisierende Betrachtungsweise die “white working class” als neues WählerInnenreservoir der extremen Rechten. Demgegenüber treten auch Stimmen hervor, die in der Negierung und “Dämonisierung der ArbeiterInnenklasse” das Ergebnis aggressiver neoliberaler Politik sehen: Dem Machtverlust der ArbeiterInnenklasse folge die Bestreitung ihrer Existenz und die Verächtlichmachung der ihr zuzuzählenden Individuen. Dieser Sichtweise folgend ist das Unvermögen der Linken, die ArbeiterInnenklasse anzuerkennen, zu organisieren und politisch zu repräsentieren die tiefere Ursache für ihre anhaltende Schwäche und die Aushöhlung der Demokratie in Europa.

  • Unter welchen Bedingungen können und sollen Begriffe wie “Klasse” und “Schicht” verwendet werden und welche innere Differenzierung ist dabei erforderlich um aktuellen Gegebenheiten politisch Rechnung tragen zu können?
  • Inwieweit haben sich soziale und ökonomische Veränderungen der letzten 30 Jahre auf die Zusammensetzung und das Bewusstsein von Klassen und Schichten ausgewirkt und die Art und Weise, diese zu betrachten, beeinflusst?
  • Wie steht es um das Bewusstsein von Klassen- oder Schichtzugehörigkeit in den europäischen Ländern bzw. auf globaler Ebene?

Welche Ansatzpunkte für politische Aktivitäten gibt es, um kollektive soziale Interessen bewusst zu machen bzw. können solche Ansatzpunkte auch aus bestehenden sozialen Kämpfen abgeleitet werden?