Tracks

Momentum16: Macht

Das Generalthema Momentum-Kongress in diesem Jahr ist „Macht“. Im Zentrum des Austausches stehen die zehn Tracks. Ein Track (#10) wird in englischer Sprache abgehalten. Informationen zu den TrackmoderatorInnen finden sich hier.

Track #1: Grundlagen der Macht

Trackmoderation: Isolde Charim, Richard Weiskopf

Soziale Hierarchien und Abhängigkeitsverhältnisse in Gemeinschaft und Gesellschaft sind ebenso alt wie die Geschichte des Menschen. Vor diesem Hintergrund stellt sich die Frage nach der Entstehung und Stabilisierung solcher Macht- und Abhängigkeitsverhältnisse. Diese vielschichte Frage nach den Grundlagen der Macht verlangt die Betrachtung individueller (z.B. Macht durch Wissen), sozialer (z.B. Macht durch Beziehungen) und historischer Faktoren (z.B. Macht durch soziale Stellung) um zu ganzheitlichen Antworten zu gelangen. Vor diesem Hintergrund beabsichtigt dieser Track die Frage nach der Macht und ihren Grundlagen in neuer und vielfältiger Weise zu stellen und dabei die Grundlagen der Macht von Staaten, Organisationen, Unternehmen und Individuen in den Blick zu nehmen. Insbesondere soll dabei diskutiert werden welche Rolle ökonomische Abhängigkeitsverhältnisse, Fragen sozialer Regelsetzung, und -befolgung sowie Aspekte kultureller Hegemonie für die Herausbildung, Stabilisierung und Veränderung von Machtverhältnissen spielen.

Track #2: Macht, Geschlecht & Identität

Trackmoderation: Laura Dobusch, Carolin Küppers

Die Ordnungs- und Herrschaftsfunktion der Kategorie „Geschlecht“ war und ist ein zentraler Erkenntnisgegenstand des Feminismus. Im Zentrum feministischer Debatten stehen dabei gesellschaftliche Unterdrückungs- und Herrschaftsverhältnisse, die zwar auf historisch gewachsenen asymmetrischen Machtbeziehungen beruhen, aber zugleich auch einer steten Aktualisierung bedürfen und daher ständig neu verhandelt werden müssen. Dabei ist das Feld in dem Herrschaft, Macht und Geschlechterverhältnisse heute verortet und thematisiert werden facettenreicher geworden. Aus Sicht der „queer theory“ wird gerade der Frage der Konstruktion von Identität(en) eine wesentliche diskursive Sprengkraft zugeordnet: Wie ist es vor diesem Hintergrund um die Übersetzung dieser identitätspolitischen Einsicht in politische Praxis bestellt? Etwa dann wenn Antidiskriminierungs- und Gleichstellungsrichtlinien Ungleichheiten aufzubrechen versuchen und dabei die strikte Dichotomisierung der herrschenden Geschlechterkonzeption reproduzieren?

Track #3: Markt, Macht & Globalisierung

Trackmoderation: Dirk Ehnts, Elisabeth Springler

Markt und Macht sind zwei zentrale Begriffe der Politischen Ökonomie, die eine enge theoretische Verbindung aufweisen. Im Kern dieser Verbindung steht die Kontroverse, ob Markt und Wettbewerb eher zur Konzentration oder zur Diffusion von Macht beitragen und ob eine stärkere Rolle marktlichen Wettbewerbs in der Gesellschaft soziale Hierarchien verstärkt oder aufbricht. Diese Frage prägt dabei die Geschichte ökonomischer Theoriebildung: Macht wird hier entweder als zentrales ökonomisches Phänomen mit vielschichtigen Auswirkungen begriffen oder als punktueller Störfaktor gedeutet, der nur auf der Ebene der Preisbildung wirksam ist. Vor dem Hintergrund der Reorganisation ökonomischer Machtverhältnisse durch das Aufkommen der Globalisierung sowie dem Übergang zu einem globalen Finanzkapitalismus, die den Handlungsspielraum transnationaler Konzerne und FinanzmarktakteurInnen massiv erweitert hat, versucht dieser Track den Zusammenhang zwischen Markt und Macht aus neuen Perspektiven zu beleuchten.

Track #4: Macht sozialer Bewegung(en)

Trackmoderation: Karin Fischer, Markus Griesser

Grundlegende gesellschaftliche Veränderungen gehen regelmäßig mit sozialen Bewegungen – von ArbeiterInnen- und Gewerkschaftsbewegung über Frauen- und Ökologiebewegung bis hin zu Menschenrechts- und Netzbewegung – einher, die diese anstoßen, antreiben und ihre Entwicklung beeinflussen. Akteurstypen, Organsationsformen und Mobilisierungstrategien variieren dabei stark innerhalb von genauso wie zwischen sozialen Bewegungen. Wollen die einen die Welt verändern, ohne die Macht zu übernehmen, streben andere nach institutioneller Verankerung und Machtpositionen in bestehenden Strukturen. Im Zentrum dieses Tracks steht deshalb die Frage, wie soziale Bewegungen effektiv Gegenmacht organisieren können

Track #5: Klasse, Schicht und Verteilung

Trackmoderation: Alban Knecht, Stefanie Hürtgen

Die letzten 30 Jahre haben gleichermaßen den Niedergang des Klassenbegriffs und den diskursiven Siegeszug des Mittelschichtbegriffs mit sich gebracht. Dieser Track geht der Frage nach, welchen politischen und wissenschaftlichen Sinn Klassen- und Schichtbegriffe heute haben und welche Differenzierungsmerkmale sinnvoll erscheinen, um soziale Entwicklungen beschreiben bzw. politisch anknüpfen zu können. Wie steht es um das Bewusstsein von Klassen- oder Schichtzugehörigkeit in den europäischen Ländern bzw. auf globaler Ebene? Welche Ansatzpunkte für politische Aktivitäten gibt es, um kollektive soziale Interessen bewusst zu machen bzw. Was kann aus bestehenden sozialen Kämpfen abgeleitet werden?

Track #6: Gehorsam und Widerstand lernen

Trackmoderation: Erich Ribolits, Heidi Schrodt

Die Macht der einen braucht die Gefolgschaft der anderen. Gehorsam oder Widerstand entscheiden über den Machterhalt. Bildung ist dabei ein entscheidender Faktor für die Reflexion der herrschenden Verhältnisse. Wird doch gerade im Bereich der Wissensvermittlung bestimmt welche Ideen die öffentliche Meinung beeinflussen. Die Haltung der Menschen in einer Gesellschaft wird also von dem Wissen angeleitet, das sich gerade im Umlauf befindet. Der Track spannt den Bogen von grundsätzlichen Fragen zum Wesen des Wissens bis zur Anwendung und Verbreitung von Wissen als Moment der Ausübung und Erlangung von Macht. Die Diskussion der einflussreichen Ideen heutiger Zeit und ihres Entwicklungsweges stehen dabei ebenso im Mittelpunkt wie praktische Ideen zur Positionierung und Verbreitung von Wissen im gesellschaftlichen Diskurs. Besonders Augenmerk legen wir auf die Fragen der Bildung, Forschung und der Wissensvermittlung als Basis der Wissens(re)produktion.

Track #7: Hegemonie & Subversion

Trackmoderation: Bernd Hüttner, Johannes Kramer

Deutungshoheiten haben enormen Einfluss auf gesellschaftliches Geschehen. Was wissen wir über das Zustandekommen, den Charakter und die Änderbarkeit herrschender Diskursmacht? Wie begegnet sie uns und wodurch zeichnet sich ihre Vormachtstellung gegenüber nichthegemonialen Diskursen aus? Darüber hinaus soll der Frage nachgegangen werden, wie herrschende Paradigmen überwunden werden können und was erfolgreiche Gegendiskursprojekte in der Vergangenheit kennzeichnete, um daraus Ableitungen für künftige Vorhaben dieser Art zu treffen. Ziel ist es, diese Themenkomplexe auf so breiter Basis als möglich zu diskutieren, sowohl fachlich wie auch thematisch. Die vorgestellten Beispiele unterliegen weder zeitlichen noch geografischen Einschränkungen, sie können ebenso gut regional wie global sein und in der Gegenwart ebenso wie in der Antike angesiedelt sein.

Track #8: Politische Machtarchitekturen

Trackmoderation: Oliver Prausmüller, Johanna Niesyto

Die Veränderung politischer Machtarchitekturen in Europa weist in der kritischen Sicht verschiedener AutorInnen den Weg von einer “Ära des demokratischen Kapitalismus” in eine Ära der “Postdemokratie”. Dabei werden – bei gleichzeitiger Aufrechterhaltung formal-demokratischer Prozesse – wesentliche Entscheidungsprozesse über soziale In- und Exklusion den Besitzeliten überantwortet. Gleichzeitig treten auf EU- Ebene im Angesicht der Wirtschaftskrise Widersprüche zwischen formellen und tatsächlichen Entscheidungsstrukturen zu Tage. Wie sind politische Machtverhältnisse in EU und Nationalstaaten heute organisiert, welche Bedeutung hat soziale (Un-)Gleichheit dabei? Welche Rolle spielen Idee und Praxis der Gewaltenteilung und die Medien als “vierte Gewalt”? Und auf welchen Ebenen ist anzusetzen, um gegenzusteuern?

Track #9: Macht der Ökonomie, Ohnmacht der Ökologie?

Trackmoderation: Andreas Novy, Heidi Rest-Hinterseer

Ökologische Fragen sind immer auch ökonomische Fragen. Eine demokratische und effektive Adressierung ökologischer Probleme wie übermäßiger Ressourcenverbrauch, Spekulation mit Lebensmitteln oder dem Klimawandel scheitert in hohem Maße an der Macht großer, transnational tätiger Konzerne und deren Lobbyverbänden. Hinzu kommen grundlegende Probleme marktwirtschaftlicher Akkumulationslogiken, die je nach politischen Rahmenbedingungen ökologische Krisen auslösen und verschärfen können. Neben der Forderung nach ökologischer Regulierung von Märkten gibt es deshalb auch ein wachsendes Interesse an alternativen Formen nachhaltigen Wirtschaftens – beispielsweise rund um die Diskussion von Commons- bzw. Allmendekonzepten oder von Gemeinwohl- und Postwachstumsökonomie. Beides, Potentiale für eine Ökologisierung von Marktwirtschaft als auch Ideen für nachhaltiges Wirtschaften jenseits kapitalistisch-marktwirtschaftlicher Produkationsformen sind Thema in diesem Track.

Track #10: Globale Machtpolitiken

Trackmoderation: Sebastian Schublach, Barbara Hofmann

Während der Ost-West-Konflikt erneut an Dynamik gewinnt und sich auch in Fernost die Gegensätze zwischen China und anderen regionalen Akteuren verschärfen, wirkt die europäische Außenpolitik merkwürdig planlos. Täuscht dieser Eindruck aber einfach nur? Wie gestaltet sich die EU-Außenpolitik im Kontext ihrer Verbündeten, aber auch vor dem Hintergrund von nationalen Interessen der Mitgliedsstaaten? Welche Ziele verfolgt die EU und mithilfe welcher konkreten Strategien versucht sie diese zu erreichen? Welche Rolle kann und soll in diesem Szenario nationalstaatliche Außenpolitik spielen? Erwünscht sind sowohl Einreichungen, die sich mit aktuellen Herausforderungen auf internationaler Ebene analytisch befassen, als auch normative Ansätze, die sich der künftigen EU-Außenpolitik und der ihrer Mitglieder widmen.

Global Politics of Power

In the face of renewed dynamics of conflict across „East“ and „West“ as well as in several Asian regions European foreign policy looks awkwardly planless. Is this impression deceptive or is the EU foreign policy mainly shaped by its allies and member states and, hence, strategically ignorant? What kind of goals does the EU pursue and which coherent strategies would allow the EU to reach these goals? What role can and should national foreign policy play in this scenario? We welcome submissions that address current challenges on the international level in an an analytical way as well as normative works, which analyze future foreign policy of both the EU and its member states.