Pre-Conferences

Im Rahmen des Kongresses Momentum16: Macht werden auch heuer wieder Pre-Conference Workshops angeboten. In vier Workshops erhalten Momentum TeilnehmerInnen die Möglichkeit, sich schon im Vorfeld des Kongresses mit bestimmten inhaltlichen Themen vertraut zu machen und auseinanderzusetzen.

Die Pre-Conference Workshops finden am Donnerstag, 13. Oktober 2016 ab 14:00 statt.

Workshop 1: Momentum Young Research

Leitung: Astrid Mager (ÖAW) und Elke Schüßler (Uni Linz)

Für viele TeilnehmerInnen ist der Momentum Kongress bzw. eine Veröffentlichung in der Zeitschrift Momentum Quarterly ein erster Einstieg in wissenschaftliches Arbeiten unter professionellen Bedingungen. Wie in anderen Feldern auch, gibt es in der Wissenschaft eine Vielzahl an ungeschriebenen Regeln und Konventionen, die zu kennen hilfreich ist – und zwar gerade auch dann, wenn man ihnen eher kritisch gegenüber steht. Der Pre-Conference-Workshop „Momentum Young Research“ soll den Einstieg in wissenschaftliches Arbeiten im Rahmen eines strukturierten Erfahrungsaustauschs mit etablierteren WissenschaftlerInnen unterstützen. Im Vordergrund steht die Diskussion von Fragen wie die Folgenden:

  • Wie funktioniert ein Begutachtungsprozess bei wissenschaftlichen Zeitschriften?
  • Worauf kommt es beim Verfassen von wissenschaftlichen Artikeln an?
  • Welche Publikationsstrategie ist zu Beginn einer wissenschaftlichen Laufbahn empfehlenswert?
  • Was sind die Vor- und Nachteile strukturierter Doktorandenprogramme bzw. einer Lehrstuhlpromotion?
  • Welche Bedeutung haben Forschungskonferenzen und worauf gilt es bei ihnen zu achten?
  • Welche Möglichkeiten für die Finanzierung von Forschungsvorhaben gibt es?

Zu Beginn des Workshops sollen weitere Fragen gesammelt und dann gemeinsam Schwerpunkte für den Erfahrungsaustausch festgelegt werden. Der Workshop richtet sich vor allem an TeilnehmerInnen, die am Anfang einer wissenschaftlichen Laufbahn stehen oder sich eine solche zumindest vorstellen können.

Astrid Mager ist Wissenschafts- und Technikforscherin. Ihre Arbeitsschwerpunkte liegen im Bereich Internet und Gesellschaft – dazu gehören z.B. Suchmaschinenpolitik, Algorithmen und Privacy-Aspekte, kritische Theorie, sowie digitale Methoden vor dem Hintergrund der Wissenschafts- und Technikforschung und der Technikfolgenabschätzung.

Elke Schüßler lehrte Organisationstheorie an der Freien Universität Berlin und ist seit Mai 2016 Professorin für Betriebswirtschaftslehre mit dem Schwerpunkt Organisation an der Johannes Kepler Universität Linz

Workshop 2: Plural-ökonomische Perspektiven

Leitung: Franziska Disslbacher, Florian Bohinc, Vero Heimerl (Gesellschaft für Plurale Ökonomik Wien)

Im Zentrum des Workshops stehen zwei aktuelle, komplementäre Thematiken: Erstens erlebt die Wirtschaftswissenschaft (Ökonomik) eine zunehmende Dogmatisierung, der wissenschaftliche Diskurs wird insbesondere vom neoklassischen Ansatz dominiert. Zweitens werden parallel dazu wissenschaftliche Methoden und Ergebnisse häufig dazu herangezogen, die Ideologisierung im Umgang mit aktuellen volkswirtschaftlichen Problematiken und wirtschaftspolitischen Herausforderungen zu rechtfertigen. Beispielsweise ist es wichtig anzuerkennen, dass die Sparpolitik, welche in vielen Ländern der Welt als Reaktion auf die jüngste Krise implementiert wurde, auf Annahmen und Ergebnissen einer einseitigen ökonomischen Analyse beruht.

Die herrschende Mainstream-Theorie verdrängt einen multi-perspektivischen Ansatz, mit massiven Auswirkungen auf unsere Gesellschaft. Die Ökonomik ist im Gegensatz zu ihren eigenen Behauptungen weder wertfrei noch unpolitisch und kann daher keine neutrale Basis für politische Entscheidungen sein. Es ist diese Präsenz von verschiedenen Wertesystemen und Weltanschauungen innerhalb der Ökonomie, die eine plurale Perspektive so wertvoll macht. Die alternativen Handlungsspielräume, welche eine plurale Ökonomik aufzeigen kann, sollten daher für jeden politischen Menschen von großer Bedeutung sein.

Nach einem kurzen inhaltlichen Input über Pluralismus in der Ökonomik werden wir interaktiv am Beispiel aktueller wirtschaftspolitischer Herausforderungen die Zugänge und Perspektiven verschiedener ökonomischer Denkschulen kontrastieren. Dazu werden wir die Inhalte verschiedener Zeitungsartikel und –interviews analysieren.

Es sind keine Vorkenntnisse notwendig.

Workshop 3: Netzpolitik als Gesellschaftspolitik

Leitung: Michel Reimon (MEP)

Netzpolitik als Gesellschaftspolitik, die digitale Revolution ist radikal politisch. Über Macht im Netz und Wege des Widerstands in der Informationsgesellschaft.
Als Gutenberg die Druckerpresse erfand, trug er zu einer der größten sozialen Kettenreaktionen der Menschheitsgeschichte bei. Heute beginnt die digitale Revolution tief in unser individuelles Verhalten einzugreifen und unsere Gesellschaft zu beeinflussen. Wissen, also verfügbare Information, wird uns in Zukunft erlauben, mehr Einfluss zu entfalten als Kapital. Die Zukunft der Informationsgesellschaft ist ein gesellschaftlicher und damit politischer Prozess, und wir müssen uns Gedanken darüber machen, wie wir ihn gestalten. Wenn Information tatsächlich der entscheidende Impulskanal der Zukunft wird, was bedeutet das für demokratische Systeme und wie können politische AktivistInnen diesen Kanal strategisch für sich nutzen?
Michel Reimon: ehemaliger Journalist, Autor, Abgeordneter zum Europäischen Parlament mit den Arbeitsschwerpunkten Globalisierungskritik, Konzern- und Lobbykontrolle, Netzpolitik, Umweltpolitik, Wissenschaftspolitik.

Workshop 4: Aufstieg der Rechten

Leitung: Bernhard Weidinger (DÖW), Kathrin Glösel (Uni Wien)

In Europa erfreuen sich rechte und rechtsextreme Parteien großer Zustimmung von Seiten der WählerInnen. Damit verschieben sich auch die Diskurse in den europäischen Gesellschaften und die Rechten nutzen diesen Aufschwung für die internationale Vernetzung ihrer nationalistischen Interessen. Wie kann Vormarsch von Rechten gestoppt werden? Wie kann mit dem Zulauf zu rechten und rechtsextremen Parteien und Organisationen umgegangen werden? Welche Strategien wenden diese Parteien und Organisationen an um ihr Ideologie zu verbreiten?

Bernhard Weidinger: Jahrgang 1982, Dr. phil., Rechtsextremismusforscher im Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstandes (DÖW), Mitglied der Forschungsgruppe Ideologien und Politiken der Ungleichheit (www.fipu.at).

Kathrin Glösel: Jg. 1989, hat Politikwissenschaft sowie Europäische Frauen- und Geschlechtergeschichte in Wien studiert und macht historisch-politische Bildungsarbeit im ›Mauthausen Komitee Österreich‹ sowie im Verein ›Gedenkdienst‹.