Tracks

Momentum13: Fortschritt

Das Generalthema des heurigen Momentum-Kongresses ist Fortschritt. Im Zentrum des Austausches stehen die zehn Tracks. Erstmals wird heuer ein Track (#10) in Englisch abgehalten.

Track #1: Was ist Fortschritt?

Fortschritt als abstrakte Zieldimension ist sowohl der Politik als auch nahezu allen Wissenschaften inhärent. Während im politischen Kontext Fortschritt durch ideologisch-normative Zuschreibungen konkretisiert wird, sind in der Wissenschaft disziplinäre Konzeptionen von Fortschritt dominant. Die Frage wie Fortschritt innerhalb verschiedener Denkgemeinschaften konzipiert wird und welche Vorstellungen von technologischem, ökonomischen oder sozialen Wandel damit einhergehen ist dabei zentral für die weitere Entwicklung von Wissenschaft und Gesellschaft. Ziel dieses Tracks ist es daher unterschiedliche Verständnisse von Fortschritt in Politik, Philosophie und Wissenschaft vergleichend gegenüberzustellen und ihre wechselseitige Kompatibilität ebenso wie ihre jeweiligen Vor- und Nachteile auf interdisziplinärer Basis zu debattieren.

Track #2: Fortschritt und Feminismus

Konsequente Gleichstellung in sämtlichen Bereichen zu erreichen ist nicht nur das historische Ziel der Frauenbewegung im Allgemeinen, sondern steht auch im Fokus der alltäglichen Arbeit vieler verschiedener Fraueneinrichtungen und -zusammenschlüssen. Daher birgt die Erfahrung feministischer Bewegung und Agitation auch Inspiration und Legitimation zur Bekämpfung von alternativen Varianten von Diskriminierung – etwa aufgrund sexueller Orientierung oder aus sozialen, kulturellen, politischen oder ökonomischen Gründen. Die Frage wie feministisches Denken allgemein in die Vielfalt an Strategien gesellschaftlichen Widerstands eingebettet werden kann ohne das Grundmotiv einer Gleichstellung der Geschlechter zu verwässern steht dabei ebenso zur Diskussion wie das Verhältnis zwischen aktueller feministischer Theorie und der „widerständigen“ Tradition feministischer Praxis?

Track #3: Kunst, Geschichte und Politik

Das Schreiben von Geschichte und die Produktion von Kunst unterscheiden sich teils grundlegend in Prinzipien und Methoden, stehen aber zugleich in vielfältiger Beziehung zueinander. Beide tragen zur Etablierung hegemonialer Narrative bei – denken wir nur an Festschreiben von historischen Ereignissen oder PotentatInnen im öffentlichen Raum. Gleichzeitig entstehen aus Allianzen von Kunstschaffenden und Geschichtsschreibenden aber auch vielfältige Interventionsmöglichkeiten. Ihnen widmet sich dieser Track. Wie entsteht Deutungsmacht in geschichtspolitischen Auseinandersetzungen? Welche Rolle können Wissenschaft und Kunst dabei einnehmen? Diese und andere Fragen wollen wir anhand realisierter und geplanter Projekte diskutieren.

Track #4: Technologie und Regulierung

Fortschritt zu regulieren ist ein paradoxes Unterfangen. Recht und Regulierung von Heute stehen den Technologien von Morgen häufig im Weg. Gleichzeitig ist diese Sperrigkeit rechtlicher Rahmenbedingungen aber auch ein Schutz vor allzu forschem Voranschreiten und erlaubt sozio-technologischen Wandel politisch zu gestalten. Alternativ dazu formieren sich private Regulierungsinitiativen verschiedener Branchen mit dem Ziel ihr organisationales und innovationsrelevantes Umfeld selbstorganisiert zu regeln. Jenseits dieses Aspekts verschiedener Regulationsverfahren und ihrer relativen Performance, stellt sich aber auch die Frage, ob und wie rechtliche Rahmenbedingungen auch vorausschauend oder gar richtungsweisend sein können um zukünftige gesellschaftliche Herausforderungen bestmöglich zu antizipieren?

Track #5: Ökologie und Gesellschaft

Ausgehend von der Einsicht, dass die ökologische Krise kein bloßes „Umweltproblem“, sondern eine tiefgreifende Krise der gesellschaftlichen Naturverhältnisse darstellt, widmet sich Track 5 dem Zusammenhang zwischen Ökologie und Gesellschaft. Es soll diskutiert werden, wie aktuelle Transformationen in den gesellschaftlichen Naturverhältnissen mit Verschiebungen im Nord-Süd-Verhältnis sowie in den Klassen- und Geschlechterverhältnissen einhergehen. Konkret geht es um neue Formen der Inwertsetzung von Natur (z.B. land grabbing), um die ökologischen Implikationen der aktuellen geopolitischen und -ökonomischen Verschiebungen (Klima- und Energieproblematik) sowie um Konflikte um eine Demokratisierung der gesellschaftlichen Naturverhältnisse (z.B. Konflikte um Ernährungssouveränität).

Track #6: Zukunft der Arbeit

Unter Bedingungen der aktuellen Krise verschärfen sich Phänomene der Flexibilisierung und Prekarisierung –  gute Ausbildung ist längst keine Garantie für gute Jobs, stabile Beschäftigung und Arbeitszeitmodelle mit Lebensqualität alles andere als selbstverständlich. Europaweite Rekordwerte bei Jugendarbeitslosigkeit, aber auch die Exkludierung von Menschen mit besonderen Bedürfnissen aus dem Arbeitsprozess werfen Fragen nach der Gestaltung der Arbeitswelt und ihren Perspektiven auf. Sie erfordern ebenso eine Analyse der Veränderung von Arbeitsverhältnissen in der Ära des Postfordismus, als auch eine kritische Bestandsaufnahme gegenwärtiger Entwicklungen und Konzepte zur Überwindung von entwürdigender Arbeit und Ausgrenzung.

Track #7: Ziele des Wohlfahrtsstaats

Wohlfahrtsstaat war nach 1945 politisches Symbol sozialen Fortschritts, er war die praktische Seite der Vision einer freien, demokratischen und gerechten Gesellschaft. Gesellschaftlicher Ausgleich, kollektive Absicherung gegenüber individuellen Risiken und soziale Inklusion durch den Abbau tradierter Hierarchien gelten dabei als seine zentralen Determinanten. Nach über drei Jahrzehnten neoliberaler Hegemonie wird der Wohlfahrtsstaat in eine Legitimationskrise gedrängt: Budgetverknappungen setzen ihn unter Druck, gleichzeitig sind neue gesellschaftliche Herausforderungen wohlfahrtsstaatlich zu beantworten. Wie das politische und soziale Potenzial des Wohlfahrtsstaates in der Zukunft wieder voll ausgeschöpft werden kann, ist Thema dieses Tracks: Dazu soll der Frage nach neuen Themenfeldern des Wohlfahrtsstaates, seinen grundsätzlichen Zieldimensionen, neuen Instrumenten sozialstaatlicher Politik und der Veränderung seiner Strukturen nachgegangen werden.

Track #8: Fortschrittliche Wirtschaftspolitik

Der Anspruch wirtschaftliche Entwicklung aktiv politisch zu gestalten bedeutet den Versuch in einem dynamischen Umfeld langfristig stabile und sinnvolle Regeln und Maßnahmen zu setzen. Die wirtschaftspolitische Praxis hat sich über die Jahrzehnte zwar schrittweise verändert, folgt dabei aber weitgehend tradierten Heuristiken und Routinen: Gezielte Strukturpolitik und sinnvolle Fiskalpolitik ergänzen einander und tragen so dazu bei, Wachstum und Beschäftigung zu fördern. Offen bleibt dabei zumeist die Frage nach der Qualität der wirtschaftlichen Entwicklung: Halten die wirtschaftspolitischen Maßnahmen einem fortschrittlichen Gerechtigkeitsanspruch stand? Dienen sie einer nachhaltigen Gestaltung des Wirtschaftssystems und führen sie zur Herstellung funktionaler Güter und Dienstleistungen?

Track #9: Soziale Bewegungen als Motoren des Fortschritts

Gesellschaftlicher Fortschritt braucht Orte des Diskurses, also Orte an denen Visionen entwickelt und Wege zur Zielerreichung diskutiert und umgesetzt werden können. Viele progressive Bewegungen wollen aus ihrem Selbstverständnis heraus genau diese Aufgaben wahrnehmen, wenn auch mit unterschiedlichen geographischen und thematischen Orientierungen. Dabei entstehen neue Zugänge zu gesellschaftlichen Problemen und sowie neue Antworten und Lösungen zur Neuordnung dieser Bereiche. Die Rolle und die Aufgaben von sozialen Bewegungen, ihre internen Funktionsweisen und die Wege, auf denen sie Veränderungen in der Gesellschaft durchsetzen und so sozialen Fortschritt vorantreiben, sind jene Fragen, die hier diskutiert werden sollen.

Track #10: Europa – Ein Fortschritt / Europe – A Progress?

Dieser Track wird in englischer Sprache abgehalten. Abstract, Paper und Vortrag auf Englisch!

Die Idee eines geeinten Europas ist, will man politisch ernst genommen werden, kaum mehr bezweifelbar. Zugleich wächst in sämtlichen EU-Mitgliedsstaaten die gefühlte Distanz zu „Brüssel“. Ein Widerspruch? Was ist übrig geblieben von der europäischen Verheißung? Wer hat von den bisherigen Einigungsprozessen profitiert – und auf wessen Kosten? Wie lassen sich die zunehmend autoritären Tendenzen auf institutioneller Ebene erklären, die immer mehr Macht in immer weniger Händen konzentrieren? Welche Rolle spielen in europäischen Entscheidungsprozessen allgemein nationale (Regierungs-)Interessen? Und: wie sieht es mit Gegenentwürfen und ihrer Durchsetzbarkeit aus?

In serious political discourse the idea of a united Europe can be taken for granted. At the same time the distance felt to „Brussels“ is growing. A contradiction? What has remained of the promise of Europe? Who has benefited from the integration processes – and on whose costs and in whose interest? How can we explain the increasing authoritarian tendencies leading to the concentration of economical power in the hands of a few big multinational corporations? What role do the national interests play in the European decision-making process – and what could be alternatives, including their practical feasibility and enforceability?