Track #4: Geschichte(n) zwischen Herrschaft und Subversion

Trackleitung: Oliver Kühschelm, Wiener Historiker (Institut für Sozial- und Wirtschaftsgeschichte der Uni Wien) und Brigitte Kepplinger (Historikerin an der JKU Linz).

Was möglich ist und was vermeintlich nicht wird maßgeblich bestimmt von dem was war. Oder vielleicht auch: von dem was unserer Meinung nach war. Wer im Stande ist, die Gegenwart glaubhaft aus Vergangenem herzuleiten bestimmt maßgeblich mit wie Probleme in Zukunft verhandelt werden. So werden zum Beispiel die Deutung der gegenwärtigen Systemkrise und ihre historische Verortung entscheidende Auswirkungen auf künftige politische Auseinandersetzungen haben. Zugleich gehört die Wendung von der Geschichte, aus der zu lernen sei zum Standardrepertoire politischer Sonntagsreden. Und tatsächlich: gäbe es nicht vieles zu lernen gerade für diejenigen, die nach mehr Gleichheit streben?

Zu fragen wäre also im Allgemeinen wie im Konkreten nach der Funktionsweise historischer Deutungshoheiten: Welchen individuellen wie kollektiven Bedürfnissen genügt Geschichte? Welchen Ansprüchen kann Geschichtsschreibung gerecht werden – und welchen nicht? Wie wird historiografische Hegemonie verhandelt und hergestellt, welche politische und institutionelle Rahmenbedingungen sind dafür von Bedeutung? Wie funktionieren nun derartige historische Deutungshoheiten, wie kommen sie zustande und welchen Einfluss nehmen sie auf den aktuellen politischen Diskurs? Wie ist es um die politische Verortung historischer Persönlichkeiten und Geschehnisse bestellt und wer besetzt das damit verbundene hegemoniale Potential? Auf welche Weise werden geschichtliche Fakten künftigen Generationen vermittelt und inwiefern prägt dies die Zukunft unserer Gesellschaft? Wo könnte eine kritische, den Werten von Aufklärung und Emanzipation verpflichtete Wissenschaft ansetzen?