Track #2: Banken, Bücher und Bilanzen: Von der Finanzkrise zu europäischer Regulierung?

Trackleitung: Helene Schuberth (Ökonomin, Beigewum) und Vanessa Redak (Ökonomin in Wien; u.a. spezialisiert auf den Bankensektor).

Einkommen, Boni und Gewinne sind in keinem Bereich der Wirtschaft so hoch wie im Finanzsektor und stehen in keinem Verhältnis zu dessen Wertschöpfung und Produktivität. Im undurchsichtigen Zusammenspiel von Rating Agenturen, Banken und Hedge Fonds breiten sich Spekulation und Ungleichgewichte auf immer neue Bereiche aus. Obwohl diese Finanzialisierungsprozesse maßgeblich zur Entstehung der jüngsten Finanzkrise beigetragen haben, lassen substantielle regulatorische Eingriffe weiterhin auf sich warten. Mit ein Grund dafür ist, dass Finanzierungs- und Bilanzierungsregeln die gesamte Wirtschaft – und nicht nur die Finanzindustrie – betreffen und längst nicht mehr allein auf nationaler Ebene festgelegt werden. Auf europäischer Ebene kommt aber die Ungleichheit der Machtverhältnisse in Form von Lobbying der Finanzindustrie noch stärker zur Geltung. Ziel dieses Tracks ist es, das Dickicht aus Finanz- und Realwirtschaft zu erhellen und konkrete Ansatzpunkte für Regulierung auf nationaler wie europäischer Ebene zu finden.

•    Welche bestehenden Regeln im Finanzbereich tragen am stärksten zu Instabilität, Blasen und Spekulation auf den Finanzmärkten bei? Welche Praktiken Franzmarktpraktiken sind für Ungleichgewichte im Bereich Einkommen, Boni und Gewinne verantwortlich? Welche Rolle spielen Rating-Agenturen, Banken und andere Finanzmarktakteure in diesem Zusammenhang?
•    Wo kann eine effektive Regulierung der Finanzmärkte ansetzen? Welche Regulierung lässt sich sinnvoll auf nationaler Ebene, welche nur auf europäischer Ebene durchführen? Gibt es Alternativen zu staatlichen Regulierungseingriffen und falls ja, welche sind das?
•    Welche Folgen hat der Bedeutungsgewinn des Finanzsektors für die restliche Wirtschaft? Wie wirken sich Bilanzierungs- und Buchhaltungsregeln in diesem Zusammenhang aus? Wo lassen sich Tendenzen der Finanzialisierung beobachten und welche positiven und negativen Folgen sind mit ihnen verbunden?
•    Wie ist es um die betriebswirtschaftlichen Praktiken im Banksektor bestellt? Welche Rolle spiele KonsulentInnentätigkeiten, Provisionen, Bilanzierungspraktiken und Geldwäsche? Welchen Handlungsspielraum haben Wirtschaftsprüfung und Kontrollagenturen und soll und kann dieser Spielraum erweitert werden?