Pre-Conferences

Erstmals wurden heuer – im Rahmen von „Momentum11: Gleichheit“ – auch Pre-Conference Workshops angeboten. In vier Basis-Workshops erhielten Momentum TeilnehmerInnen die Möglichkeit, sich schon im Vorfeld des Kongresses mit bestimmten inhaltlichen Themen vertraut zu machen und auseinanderzusetzen. Das Angebot umfasste Pre-Conference Workshops zu Wirtschaftstheorien, Hegemonie, Intersektionalität und Arbeit, geleitet wurden sie von ExpertInnen aus den jeweiligen Bereichen.

* Pre-Conference Workshop #I: Wirtschaftstheorien und Wirtschaftspolitik
(Leitung: Markus Marterbauer, Wirtschaftsforscher)

Seit Krisenausbruch gehören Worte wie Regulierung, Schulden und Finanzmärkte auf einmal zu jeder gepflegten Unterhaltung. Dabei prallen bei Diskussionen rund um EU-Rettungsschirm, Inflation oder Finanztransaktionssteuer grundverschiedene wirtschaftspolitische Konzeptionen und Ziele aufeinander, die nur selten sichtbar und verständlich gemacht werden. Kein Wunder, dass es für Menschen, die nicht selbst Wirtschaft studiert haben, oft schwer ist, einzelne Vorschläge politisch einzuordnen und sich eine fundierte Meinung zu bilden. Hier setzt unser Workshop an: Welche theoretischen Ansätze gibt es für linke Wirtschaftspolitik, wie unterscheiden sich einzelne Strategien und welche wirtschaftspolitischen Ableitungen ergeben sich daraus? Ein Überblick über linke Wirtschaftstheorien und Konzeptionen soll den Einstieg in die Debatte zu konkreten Modellen und einzelnen Vorschlägen leichter machen.

* Pre-Conference Workshop #II: Was ist Hegemonie?
(Leitung: Stefanie Wöhl, Politikwissenschafterin)

Wie können Gruppen oder Klassen sich gegenüber anderen durchsetzen und sogar über diese herrschen? Laut Antonio Gramsci liegt der Schlüssel dazu in gesellschaftlicher Hegemonie. Das heißt, dass die Interessen einer Gruppe als allgemeine gesellschaftliche Interessen wahrgenommen werden. Diese Hegemonie kann nicht ‚von oben’ diktiert werden. Sie entsteht in der Zivilgesellschaft, wenn viele AkteurInnen wie Medien, Intellektuelle, Bildungseinrichtungen oder Verbände darum ringen, ihre Deutungen von bestehenden Verhältnissen durchzusetzen. In den letzten Jahren etwa galten neoliberale Argumentationsmuster als hegemonial. Im Workshop wird der Hegemonieansatz erklärt und seine Bedeutung für die politische Praxis analysiert. Im Anschluss gehen wir der Frage nach, ob der neoliberale Kapitalismus in Zeiten ökonomischer, politischer und ökologischer Krisen noch als hegemonial bezeichnet werden kann.

* Pre-Conference Workshop #III: Die Vielschichtigkeit von Diskriminierung – „Intersektionalität“
(Leitung: Birgit Sauer, Politikwissenschafterin)

Sexismus, Rassismus, Islamophobie, Homosexuellenfeindlichkeit: Diskriminierung hat viele Gesichter. Oft werden Menschen nicht nur aufgrund eines, sondern aufgrund mehrerer Merkmale Opfer von Diskriminierung. Diese Überschneidungen beschreibt der Begriff „Intersektionalität“. Im Workshop wollen wir uns zuerst anschauen was Diskriminierung eigentlich genau bedeutet und anhand welcher Merkmale Menschen systematisch herabgesetzt werden. Welche Muster wirken hier, welche Folgen hat das für Betroffene und wie können sie durchbrochen werden? Wir wollen auch einen Einblick in die Forschungsergebnisse zur Intersektionalität werfen und das Spannungsverhältnis zum „Diversity Management“ diskutieren, das soziale Vielfalt konstruktiv nutzen möchte.

*Pre-Conference #IV Workshop: Neue Arbeit – Neue Kultur
(Leitung: Frithjof Bergmann, Philosoph und Begründer der new work Bewegung)

Was macht selbstbestimmte Arbeit aus? Was sind Alternativen zum derzeitigen Arbeitssystem? Wie lässt sich Arbeit neu organisieren und neu denken? Seit 25 Jahren engagiert sich der Philosophieprofessor Frithjof Bergmann aktiv an Projekten zur „new work“ auf der ganzen Welt und setzt sich dabei für eine neue Form des Arbeitens und Wirtschaftens ein. In seinem Konzept der „Neuen Arbeit“ sollen Menschen selbstbestimmt das tun und arbeiten, was sie wirklich wollen und damit einen Beitrag zum Gemeinwohl leisten. Diese „bottom up“ Ökonomie würde die Qualität der Arbeit steigern und eine neue Kultur hervorrufen, in der Menschen nicht ausschließlich funktionieren müssen, sondern sich frei entfalten können. Bei Momentum11 stellte Frithjof Bergmann das Konzept „Neue Arbeit. Neue Kultur“ im Rahmen eines Pre-Conference Workshops zur Diskussion.