Inhaltsüberblick: Momentum Quarterly, Vol. 3 (3), 2014

10. Okt 2014

Momentum Quarterly ist eine vierteljährlich erscheinende, referierte Zeitschrift, die sich Fragen des sozialen Fortschritts auf interdisziplinärer Basis widmet. Untenstehend finden Sie die aktuelle Ausgabe von Momentum Quarterly. Alle hier vorgestellten Artikel werden Open-Access, d.h. frei zugänglich im Internet, veröffentlicht. Weitere Informationen zu diesem Projekt finden Sie unter momentum-quarterly.org. Wir freuen uns stets über neu eingereichte Beiträge und Kommentare zu bestehenden Beiträgen. Sie erreichen uns unter editors@momentum-quarterly.org.

Das strukturelle Defizit: Methodische Probleme und politische Implikationen

Philipp Heimberger

Der strukturelle Budgetsaldo ist eine zentrale Kontrollgröße im EU-Fiskalregelwerk. Vor dem Hintergrund der rechtlichen Bindung der Fiskalpolitik über diese für Konjunktur- und Einmaleffekte korrigierte Budgetgröße sind jedoch erhebliche Prognoseabweichungen und Ex-post-Ergebniskorrekturen bei der Berechnung des strukturellen Budgetsaldos zu problematisieren. Dieses Papier beleuchtet diese Revisionen im Hinblick auf die zugrunde liegenden methodischen Probleme und diskutiert die politischen Implikationen. Das zentrale methodische Problem besteht in der Schätzung des Output-Potenzials. Die Europäische Kommission unterschätzte in den letzten Jahren die negativen Outputlücken, was eine Überschätzung der strukturellen Defizite zur Folge hat. Eine strikte rechtliche Bindung des Gesamtstaates an strukturelle Budgetregelgrenzen, die Vorgaben bis auf die zweite Nachkommastelle beinhalten, erscheint angesichts der hohen Revisionsanfälligkeit des strukturellen Budgetsaldos somit als problematisch.

Schlagworte: Strukturelles Defizit; EU-Fiskalregelwerk; Fiskalpolitik

 

The Microeconomics of Sudden Stop Episodes – An Application to the Euro Area

Dominik Bernhofer

This study examines the foreign claims of BIS-reporting transnational banks on the euro area economies since the bankruptcy of Lehman Brothers and tries to understand the decline in foreign claims by employing a simple model of multiple equilibria. The underlying reasoning suggests that it was rational for banks to push the euro area periphery to the brink of bankruptcy and that bold economic policy measures effectively stabilized the associated adverse economic consequences. In the model presented here, solidarity among the euro area countries emerges as the most important precondition for integrated financial markets, as it prevents coordination failures among transnational banks and thereby guarantees financial stability.

Keywords: euro area crisis; transnational banks; coordination failure; financial integration

 

Echt und modern? Diskurse über Männlichkeit

Florian Kahofer

Der vorliegende Artikel befasst sich mit Repräsentationen von Männlichkeit im österreichischen Lifestyle-Magazin für Männer Wiener. Durch eine korpusbasierte Diskursanalyse wird ein umfassendes Korpus aller Ausgaben des Wieners von Anfang 2002 bis Ende 2012 untersucht. Auf theoretischer Ebene wird dabei eine Verbindung von Kritischer Männlichkeitsforschung (KMF) und Feministisch Kritischer Diskursanalyse (FCDA) unternommen. Es werden aktuelle Veröffentlichungen zu Kritischer Diskursanalyse und Männlichkeit vorgestellt und diskutiert. Durch den Einsatz einer Konkordanzsoftware werden Konkordanzen des Nomens MANN analysiert. Diese werden allerdings insofern eingeschränkt betrachtet, als nur Nominationen in der Form der häufigsten Adjektiv-Konstruktionen untersucht werden. Die Ergebnisse zeigen, dass neben den Diskursen über Krise und Neue Männlichkeit Themen wie Alter, Körper oder Beziehung auftauchen. Männlichkeit wird als ambivalent und vielfältig dargestellt. Deutungskämpfe um Männlichkeit lassen sich ausmachen.

Schlagworte: Kritische Männlichkeitsforschung; Korpuslinguistik; Diskursanalyse; Lifestyle-Magazin

 

Die Ablehnung der Kernenergie in Österreich: Ein Anti-Atom-Konsens als Errungenschaft einer sozialen Bewegung?

Florian Bayer

Der Beitrag stellt die Frage nach dem Verhältnis der Ablehnung der Kernenergie in Österreich und der österreichischen Anti-AKW-Bewegung. Die strikte Ablehnung von Nukleartechnologie wird meist als „charakteristisch für Österreich“ beschrieben, als „tief in der Bevölkerung verankert“ begriffen und mit Bezug auf die Geschichte der Kernenergie in Österreich, insbesondere dem Kampf um die Inbetriebnahme des AKW Zwentendorf, begründet. Nach einer neuerlichen Betrachtung der Geschichte der Anti-AKW-Bewegung und der Volksabstimmung über die Inbetriebnahme des AKW Zwentendorf werden diese dem weiteren Verlauf der Debatte um den Umgang mit der Kernenergie im österreichischen Nationalrat gegenübergestellt. Dabei wird deutlich gemacht, dass die Kernenergiekontroverse in Österreich keineswegs im November 1978, sondern erst in Folge der Reaktorkatastrophe von Tschernobyl endete. Durch die detaillierte Betrachtung der weiteren Diskussion um die Atomkraft wird sichtbar, dass die gegenwärtige Ablehnung dieser Technologie als Teil der nationalen Identität in erheblichem Ausmaß durch den Parteien- und Verbändestaat geprägt wurde und weniger durch die Anti-AKW- Bewegung oder die österreichische Bevölkerung.

Schlagworte: Atomenergie; Österreich; Zwentendorf; Anti-Atom-Konsens; nationale Identität

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