Inhaltsüberblick: Momentum Quarterly, Vol. 3 (2), 2014

2. Jul 2014

Momentum Quarterly ist eine vierteljährlich erscheinende, referierte Zeitschrift, die sich Fragen des sozialen Fortschritts auf interdisziplinärer Basis widmet. Untenstehend finden Sie die aktuelle Ausgabe von Momentum Quarterly. Alle hier vorgestellten Artikel werden Open-Access, d.h. frei zugänglich im Internet, veröffentlicht. Weitere Informationen zu diesem Projekt finden Sie unter www.momentum-quarterly.org. Wir freuen uns stets über neu eingereichte Beiträge und Kommentare zu bestehenden Beiträgen. Sie erreichen uns unter editors@momentum-quarterly.org.

Action Plans, Declarations and Other Agenda Setting Documents in International Development Interventions: An Indicator to Assure Professionalism

David Lempert

This article offers an easy-to-use indicator to measure whether “action plans”, international declarations, “master plans”, “country plans”, “country strategies”, “legal frameworks”, and other documents commonly generated in international “aid” interventions meet professional and development standards for truly self-activating, feasible plans in compliance with international law and objectives. Use of this indicator suggests that most of the plans and international declarations that are said to be supported by “developing” countries are created by donors as a means of promoting their own agendas, public relations, and fundraising strategies, with plans that are little indication of “action” or “commitment” or, alternatively, that are designed to be effective but are not in compliance with international law and objectives and are more likely to be an abuse of processes and a corruption of professionalism on both sides. The indicator can be used as an accountability tool to spot and counter these abuses. The piece uses the U.N. Declaration Against Corruption and Bribery in International Commercial Transactions as a case study.

Keywords: Planning; Development; Aid; Globalization; management; United Nations declarations; implementation; strategy; international law

 

Kooperative Normsetzung im Internet. Partizipationsbedingungen aus handlungstheoretischer Perspektive

Ulf Tranow

Das Internet bietet die Möglichkeit, eine große Anzahl von Personen an Entscheidungen über verbindliche Normen zu beteiligen. Verfahren der ‚internetvermittelten kooperativen Normsetzung‘ (IKN) bieten das Potential, in Organisationen oder in der Politik zu demokratischeren, ‚besseren‘ und legitimeren Entscheidungen zu kommen. Praxisanwendungen von Online-Beteiligungsverfahren zeigen allerdings, dass eine hinreichende Partizipationsbereitschaft nicht fraglos vorausgesetzt werden kann. In dem Beitrag wird das Partizipationsproblem aus handlungstheoretischer Perspektive untersucht. Die Ausgangsthese ist, dass eine IKN der Kollektivgutproblematik unterliegt. Eine erfolgreiche IKN verlangt, dass Personen zur Partizipation bereit sind, obwohl ihr Verhalten insignifikant ist. Mit Rückgriff auf die Theorie sozialer Rationalität (Lindenberg 2001) und unter Einbezug empirischer Studien werden mit einer expressiven, demonstrativen und normorientierten Partizipation drei Motivtypen identifiziert, die für eine Überwindung des Kollektivgutproblems relevant sein können. Diese drei Motive unterliegen jeweils bestimmten konstitutiven Bedingungen und Restriktionen, die ebenfalls diskutiert werden.

Schlagworte: Online-Partizipation; Normsetzung; Kollektivgutproblem; Handlungstheorie

 

Alternativen in der Landwirtschaft – Ideologie oder Utopie?

Birgit Peukert

In dem Artikel wird anhand der Agrargeschichte zwischen 1870 und 1970 in Deutschland der Frage nachgegangen, inwiefern das Leitbild des bäuerlichen Familienbetriebes Ideologie gewesen ist. Ausgangspunkt ist hierbei die Beobachtung, dass trotz des agrarpolitischen Zieles, die bäuerliche Familienlandwirtschaft zu erhalten, sich der Strukturwandel ungebremst fortsetzte. Im ersten Abschnitt werden unter Rückgriff auf Karl Mannheim und C. Wright Mills drei Aspekte des Ideologischen herausgearbeitet: der Aspekt der Pauschalisierung, als Nivellierung der Unterschiede unter den „Bauern“, der Aspekt der Generalisierung, als Bevorzugung eines Betriebstyps – nämlich des Familienbetriebes – als typisch für die Landwirtschaft, und der Aspekt des symbolhaften Realitätsbezuges, als normative Aufladung von Tatsachenbehauptungen. Die skizzenhafte Betrachtung deutscher Agrargeschichte und -politik zeigt, dass durch die Verbindung von klein- und großbäuerlichen Interessen die mit der Familienlandwirtschaft verbundenen Agrarideologien ebenso als Utopien erscheinen können.

Schlagwörter: Familienlandwirtschaft; Agrar-Modernisierung; Ideologie; Agrarpolitik

 

Künstlerische Irritationen in Unternehmen: Einsatzmöglichkeiten, Wirkungsvielfältigkeiten und Anregungspotenziale

Susanne Fenkart

Der Artikel befasst sich im Sinne des Fortschrittsgedankens mit den Einsatz- und Wirkungsmöglichkeiten künstlerischer Irritationen in Unternehmen. Denn die Kunst ermöglicht es, bestehende Konstruktionen zu überprüfen und sich mit Alternativen auseinanderzusetzen, die dem System ansonsten selbst nicht zugänglich wären. Exemplarisch werden drei Fallgeschichten erzählt: Das erste Beispiel widmet sich dem Kunstkonzept der Unternehmensberatung Droege Group. Dabei wird die wirtschaftseigene Umgangsweise mit Kunst herausgearbeitet, gleichzeitig wird aber auch versucht, ausgelösten Irritationen im Unternehmen auf die Spur zu kommen. In der zweiten Fallgeschichte wird hingegen ein dezidiert künstlerischer Blickwinkel aufgezeigt: Hierbei wird das Projekt „8 x 5 x 363 + 1“ der Künstlerin Raphaëlle De Groot – es geht dabei um die Reflexion des Arbeitsalltages der Mitarbeiter_innen einer Tuchfabrik – vorgestellt und der künstlerische Beitrag zur Weiterentwicklung im Unternehmen thematisiert. Im dritten Fallbeispiel begegnet die künstlerische Irritation in Unternehmen dann als reines Kunstwerk: Die Arbeit „The Trainee“ der Künstlerin Pilvi Takala setzt sich mit den Rahmenbedingungen des Nachdenkens in Unternehmen sowie auch mit den Gepflogenheiten und Grenzen sozialer Gemeinschaften auseinander. Anhand dieser drei Beispiele wird also versucht, die Wirkungsvielfältigkeiten künstlerischer Irritationen aufzuzeigen und ein Nachdenken über mögliche Anregungspotenziale zu initiieren.

Schlagwörter: Systemtheorie; künstlerische Irritationen in Unternehmen; künstlerische Interventionen in Unternehmen; qualitative Sozialforschung; Fallstudien

Kommentieren