Inhaltsüberblick: Momentum Quarterly, Vol. 2 (4), 2013

2. Jan 2014

Momentum Quarterly ist eine vierteljährlich erscheinende, referierte Zeitschrift, die sich Fragen des sozialen Fortschritts auf interdisziplinärer Basis widmet. Untenstehend finden Sie die aktuelle Ausgabe von Momentum Quarterly. Alle hier vorgestellten Artikel werden Open-Access, d.h. frei zugänglich im Internet, veröffentlicht. Weitere Informationen zu diesem Projekt finden Sie unter www.momentum-quarterly.org. Wir freuen uns stets über neu eingereichte Beiträge und Kommentare zu bestehenden Beiträgen. Sie erreichen uns unter editors@momentum-quarterly.org.

NEET-Jugendliche und politische Partizipation. Der Beitrag der sozialräumlichen Jugendarbeit zur Steigerung der politischen Partizipation.

Baldur Sailer und Dennis Tamesberger

Jugendliche sind eine der am stärksten von der Finanz- und Wirtschaftskrise betroffen Gruppen. Die Anzahl an Jugendlichen, die am europäischen Arbeitsmarkt nicht integriert sind, nimmt ein Ausmaß an, das den Boden der Demokratien zerrüttet. In diesem Zusammenhang rückt der Indikator NEET (Not in Emploment, Education or Training) ins Rampenlicht. Der Indikator beschreibt Jugendliche, die weder im Beschäftigungs- noch im Ausbildungssystem integriert sind. Die Desintegrationserfahrungen führen unter anderem zu einer geringeren politischen Partizipation der Jugendlichen. Der vorliegende Beitrag argumentiert dafür, dass durch die Einrichtungen der offenen Kinder- und Jugendarbeit erstens desintegrationsgefährdete Jugendliche erreicht, zweitens ihren schwierigen biografischen Lagen entsprechend unterstützt und drittens das (politische) Partizipationsverhalten intensiviert werden kann. Dabei wird von sozialräumlicher Jugendarbeit gesprochen und deren theoretische Grundlagen vorgestellt.

Schlagworte: NEET-Jugendliche, Desintegration, sozialräumliche Jugendarbeit, Partizipation, Jugendarbeitslosigkeit

 

ArchitektInnen zwischen Paternalismus und Kundenorientierung: Berufsethik, Finanzkriterien und die NutzerInnen in zeitgenössischen kapitalistischen Ökonomien

Silke Ötsch

Der Beitrag thematisiert die Auswirkungen von Finanzdruck auf das Berufsethos am Fallbeispiel der ArchitektInnen. Aufbauend auf vergleichenden qualitativen Fallstudien in vier verschiedenen kapitalistischen Ökonomien (Österreich, Großbritannien, Frankreich, USA) wird dargestellt, dass neben dem traditionellen „paternalistischen“ Berufsethos der ArchitektInnen ein stärker „kundenorientiertes“ bzw. unternehmerisches Ethos anzutreffen ist. Gängige Interpretation der KundInnenorientierung als Demokratisierung von Architektur werden kritisch hinterfragt. Demokratisierung kann nicht allein innerhalb der Profession umgesetzt werden, sondern nur im Hinblick auf den wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Rahmen.

Keywords: Berufsgruppe der ArchitektInnen, Berufsethik, Finanzkriterien, kapitalistische Ökonomie

 

„Den Leuten ist es wichtig, dass etwas funktioniert und nicht, dass sie beteiligt werden“: Raumwissenschaftliche Befunde zur BürgerInnenbeteiligung

Tatjana Fischer und Verena Peer

Beteiligung dient nicht nur der Herausbildung mündiger BürgerInnen, sondern vor dem Hintergrund knapper werdender kommunaler Finanzspielräume auch der gemeinsamen Suche nach kostendämpfenden Alternativen im Bereich der Daseinsvorsorge. Vor allem in strukturschwachen ländlichen Räumen klaffen tatsächliche kommunale Handlungsspielräume einerseits und die Erwartungshaltungen in Hinblick auf die Entwicklung adäquater Lösungen zur Sicherung bzw. Hebung von Lebensqualität andererseits immer weiter auseinander. Am Beispiel jüngerer empirischer Befunde aus raumwissenschaftlicher Sicht wird der Frage nachgegangen, welchen Stellenwert BürgerInnenbeteiligung in der Entwicklung kleiner Landgemeinden zukommt. Der Schwerpunkt liegt auf: a) dem Aufzeigen von Diskrepanzen zwischen Erforderlichkeit, Art, Umfang und Qualität der Beteiligung unterschiedlicher Anspruchsgruppen und b) der Diskussion der Fragestellung inwiefern Beteiligung zur Hebung der kollektiven Lebensqualität beitragen kann. Aus den unterschiedlichen Forschungsarbeiten geht hervor, dass es der untersuchten Bevölkerung in ländlichen Regionen wichtig ist, dass „etwas in der Gemeinde funktioniert“ und dass sie befragt wird.

Schlagwörter: Raumwissenschaft, BürgerInnenbeteiligung, Lebensqualität, Anspruchsgruppen

 

„Unternehmen Österreich?“ Wirkungsorientierung am Grat zwischen Technokratie und Demokratie

Christof Brandtner, Markus Kinschner und Tobias Polzer

Öffentliche Verwaltungen werden zunehmend über Ergebnisse und Wirkungen anstatt traditionell durch Finanz- und Personalmittel gesteuert. Dieser globale Trend spiegelt sich auch in der österreichischen Haus- haltsrechtsreform 2013 wider. Transformiert die Ausrichtung anhand der Wirkungen öffentlichen Handelns die Demokratie zum „Unternehmen Österreich“? Die Kritik an betriebswirtschaftlich inspirierten Reformen des öffentlichen Sektors skizziert eine drohende Degeneration der Demokratie hin zu einem postdemokratischen Polit-Spektakel mit technokratischen Herrschaftsverhältnissen. Vor diesem Hintergrund ordnet dieser Beitrag die erfolgten Verwaltungsreformen und ihre spezifische Ausgestaltung in Österreich ein und stellt das Konzept der Wirkungsorientierung vor. Anschließend wird der Begriff „demokratiepolitische Qualität“ mittels eines Analyserasters in sechs Teilbereiche operationalisiert, anhand derer die demokratiepolitischen Implikationen der Wirkungsorientierung kritisch diskutiert werden. Der Beitrag attestiert der Wirkungsorientierung einen teilweisen Bruch mit der Weberianischen Bürokratie und bespricht die mit Rechtsstaat, Entkoppelung und inst- rumenteller Rationalisierung verbundenen demokratiepolitischen Auswirkungen.

Schlagwörter: Österreich, Haushaltsrechtsreform, Wirkungsorientierung, demokratiepolitische Qualität, Technokratie

 

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