Call for Papers: „Kritik und Krise“, St. Gallen

7. Nov 2013

Call for Papers: „Kritik und Krise“

Symposium der Schweizerischen Philosophischen Gesellschaft

5.-7. Juni 2014

Ort: Universität St. Gallen, Schweiz

Veranstalter: Philosophische Gesellschaft Ostschweiz und Lehrstuhl für Philosophie der Universität St. Gallen (Prof. Dr. Dieter Thomä)

Homepage: http://www.sagw.ch/de/philosophie/Symposium.html


Abstract

Das Wort „Krise“ ist in den letzten Jahren vielfach verwendet und auf die verschiedensten Bereiche bezogen worden: So ist im Politischen von Krisen der Repräsentation, des Nationalstaates, ja der Demokratie insgesamt die Rede; im Bereich des Sozialen werden Krisen des Bildungssystems oder der Familie konstatiert; und auch mit Blick auf die Umwelt oder die Kunst lautet der Befund immer wieder auf „Krise“ – ein Begriff schliesslich, der mittlerweile gerade im Feld der Wirtschaft einen Normalzustand zu benennen scheint. Freilich lässt sich auch jenseits aktueller Alarmsignale sagen, dass die moderne Gesellschaft prinzipiell durch permanenten Wandel bestimmt ist; einen Wandel, der nicht selten krisenhafte Züge trägt. Entsprechend gehören zur Krisen-Diagnose in der Moderne immer auch Gegendiskurse der Stabilisierung und Kontinuität. Dabei kommt die Krise kaum ohne Kritik aus: Nicht erst seit Reinhart Kosellecks Kritik und Krise (1954/1959) ist der Zusammenhang zwischen dem Phänomen der Krise als Zeit der Entscheidung, als Wegscheide, und der Kritik als Kunst der Unterscheidung zutage getreten. Etymologisch betrachtet, ist jede krísis ein Punkt, an dem die Dinge eine entscheidende Wendung nehmen – sei diese nun befreienden oder zerstörerischen Charakters. Wissenschaftstheoretisch kommt diese Beziehung insbesondere in den zahlreichen „turns“ zum Ausdruck, die die Philosophie seit Beginn des vergangenen Jahrhunderts in Atem halten; so war auch das letzte Symposion der Schweizerischen Philosophischen Gesellschaft der „anthropologischen Wende“ gewidmet. Wie paradigmatisch bei Kant zu sehen, beziehen sich die Krisen bzw. Revolutionen der „Denkungsart“ immer auch auf eine Kritik von Vorgaben, die im epistemologischen Rahmen vorgebracht wird.
Im nächsten Symposion sollen nun die Theorien der Krise selbst zum Thema werden. Zum einen geht es dabei um ein Verständnis der Begriffe „Krise“ und „Kritik” selbst sowie auch jener Konzepte, die mit ihnen mehr oder weniger eng verwandt sind: Reform und Revolution, Tradition und Restauration, Dekadenz und Katastrophe; gefragt sind zudem Kriterien der Distinktion, Klarifikation und Dezision. Zum anderen werden systematische Überlegungen bzw. philosophische Fallstudien zu einzelnen (politischen, ökonomischen, sozialen, ökologischen, wissenschaftlichen oder ästhetischen) Krisen in den Blick genommen. Zum dritten steht die Bedeutung der Wende, des „turn“ oder der Krise innerhalb der Philosophie selbst zur Debatte. Auf der Folie gegenwärtiger Phänomene und Entwicklungen geht es schliesslich auch um eine (Neu-)Bestimmung des Verhältnisses zwischen Krise und Kritik.

Teilnahme: Wir möchten Sie herzlich einladen, einen 20-minütigen Vortrag mit anschließender Diskussion am Symposium zu halten. Bitte senden Sie hierzu ein Abstract Ihres möglichen Beitrags von maximal 600 Wörtern sowie Ihre persönlichen Informationen (mitsamt institutioneller Affiliation) bis zum 15. Januar 2014 an folgende E-Mail Adresse: michael.festl@unisg.ch. Es werden Vorträge in englischer, deutscher, französischer oder italienischer Sprache angenommen.

Organisation: Dr. Michael Festl, Dr. Florian Grosser, Prof. Dr. Dieter Thomä, Prof. em. Dr. Armin Wildermuth

Kontakt: michael.festl@unisg.ch

Homepage: http://www.sagw.ch/de/philosophie/Symposium.html

Kommentieren