Inhaltsüberblick: Momentum Quarterly, Vol. 2(3), 2013

13. Okt 2013

Momentum Quarterly ist eine vierteljährlich erscheinende, referierte Zeitschrift, die sich Fragen des sozialen Fortschritts auf interdisziplinärer Basis widmet. Untenstehend finden Sie die aktuelle Ausgabe von Momentum Quarterly. Alle hier vorgestellten Artikel werden Open-Access, d.h. frei zugänglich im Internet, veröffentlicht. Weitere Informationen zu diesem Projekt finden Sie unter www.momentum-quarterly.org. Wir freuen uns stets über neu eingereichte Beiträge und Kommentare zu bestehenden Beiträgen. Sie erreichen uns unter editors@momentum-quarterly.org.

Intergenerational transmission of socioeconomic conditions in Austria in the context of European welfare regimes

Matthias Schnetzer and Wilfried Altzinger

This paper uses data from the European Union Statistics on Income and Living Conditions (EU-SILC) 2005 to analyze intergenerational income mobility in Austria compared to other European Union members. Applying various methodological approaches, the data reveal substantial differences in intergenerational income persistence across European welfare regimes. The results show that income class rigidities are much less evident in Nordic countries compared to other European countries including Austria.

Keywords: intergenerational income distribution, intergenerational mobility

 

Ethical Consumption vs. Reducing Consumption: To what extent does Fair Trade merely act to deflect the attention away from the real problem of overconsumption?

Susanna Ulinski

This essay explores the alleged trade-off between reducing overconsumption and promoting ethical consumption, especially in the form of Fair Trade. While Fair Trade is primarily concerned with promoting greater equity in international trade, it does not address problems of ecological exhaustion through overconsumption. Furthermore, Fair Trade could promote increased consumption by inducing false consciousness among consumers. In this context, I propose an integrative approach of trying to address these two problems simultaneously by changing the social patterns of consumption, instead of interpreting them as diametrically opposed. Awareness is the first step in inducing a behavioural change. On an individual level, Fair Trade is fairly successful at creating sensational feedback processes, which increase the awareness for the social and environmental implications of individual consumer behaviour. Moreover, on an aggregate level, Fair Trade changes social patterns of consumption to promote ethical consideration in the context of consumer decision-making. Although Fair Trade is not primarily concerned with the level of consumption, it can help bring forth a change in consumption patterns in order to reduce overconsumption.

Keywords: overconsumption, ethical consumption, Fair Trade, consumer behaviour

 

Bildungsbiografie und sozialer Raum: Ein prekärer Zusammenhang?

Harry Friebel

Bildungsbiografien stehen heute in einem Spannungsfeld zwischen formaler Wahlfreiheit und sozialer Ungleichheit. Der formalen Offenheit des Bildungssystems steht dabei die prozessuale Reproduktion gesellschaftlicher Hierarchien gegenüber. Diese Arbeit nimmt dieses Spannungsfeld zum Ausgangspunkt um den Zusammenhang zwischen Bildungsbiografie und sozialem Raum genauer zu analysieren. In diesem Kontext bezeichnet der „soziale Raum“ nicht nur sozial vermittelte Wirklichkeits- und Erlebnisbilder, sondern betont auch die Abhängigkeit dieser Bilder vom jeweiligen lokalen Hintergrund. Der eigene Lebensraum prägt also die Vorstellung gesellschaftlicher Wirklichkeit – und damit auch die eigenen Bildungsverständnisse und –aspirationen – und hat so einen nachhaltigen Einfluss auf die beobachteten Bildungsbiografien. Eine empirische Analyse zeigt, dass die Positionierung eines Individuums im sozialen Raum als zentraler Transmissionsriemen für die Reproduktion ökonomischer Benachteiligungen im Bildungssystem darstellt. Die vorliegende Auseinandersetzung diskutiert diesen Zusammenhang sowohl aus theoretisch-konzeptioneller Sicht, als auch mittels einer empirischen Untersuchung der Bildungssituation in deutschen Großstädten.

Schlagwörter: Bildungsbiografie, soziale Ungleichheit, sozialer Raum, Lebenswelt, soziale Mobilität

 

Demokratie & Wahlrechtsausschluss: Kritische Anmerkungen zu § 13 Nr. 2 des deutschen Bundeswahlgesetzes

Sabine Jentsch

Unter bestimmten Bedingungen verweigert der deutsche Gesetzgeber Bürgerinnen und Bürgern das Wahlrecht. Betroffen sind vor allem Menschen, für die eine sogenannte rechtliche „Vollbetreuung“ eingerichtet ist. Die Autorin verteidigt die These, dass der Legitimitätsanspruch, den der Gesetzgeber mit dem Wahlrechtsausschluss verbindet, unbegründet ist. Auf diese Weise verletzt er nicht nur die politischen Mitwirkungsrechte der ausgeschlossenen Minderheit. Vielmehr steht das demokratische Selbstverständnis der Gemeinschaft insgesamt auf dem Spiel. Denn in seinem Rechtfertigungsversuch muss sich der Gesetzgeber auf ein moralisch wie rechtlich problematisches Demokratiekonzept stützen und das politische Grundrecht nach dem Muster eines „natürlichen“ oder „leistungsbezogenen“ Privilegs auslegen. Damit ist jedoch die für moderne Demokratien konstitutive Verschränkung von Menschen- und Bürgerrecht außer Kraft gesetzt.

Schlagwörter: Demokratie, allgemeines Wahlrecht, Menschenrechte, UN-Behindertenrechtskonvention, Benhabib, politische Legitimität, individualisierter und pauschaler Wahlrechtsausschluss

 

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