Inhaltsüberblick: Momentum Quarterly, Vol. 2(2), 2013

2. Jul 2013

Momentum Quarterly ist eine vierteljährlich erscheinende, referierte Zeitschrift, die sich Fragen des sozialen Fortschritts auf interdisziplinärer Basis widmet. Untenstehend finden Sie die aktuelle Ausgabe von Momentum Quarterly. Alle hier vorgestellten Artikel werden Open-Access, d.h. frei zugänglich im Internet, veröffentlicht. Weitere Informationen zu diesem Projekt finden Sie unter www.momentum-quarterly.org. Die Redaktion freut sich stets über neu eingereichte Beiträge und Kommentare zu bestehenden Beiträgen unter editors@momentum-quarterly.org.

Herausgeberinnen:
Laura Dobusch
MPI für Sozialrecht und Sozialpolitik München
Katharina Kreissl
Wirtschaftsuniversität Wien
Jasmin Siri
Ludwig-Maximilian Universität München

Special Issue: “Parteien – Zur Analyse einer Organisationsform der Demokratie”

 

Von Krisenerzählungen über Parteien zur Beobachtung von Praktiken der Exklusion. Eine programmatische Einführung.

Laura Dobusch, Katharina Kreissl und Jasmin Siri

Die Rede von einer sich verschärfenden „Krise der Parteien“ gilt in öffentlichen wie wissenschaftlichen Diskursen als Common Sense. Ein Blick in die Geschichte zeigt jedoch, dass Krisenerzählungen keineswegs eine neuartige Erscheinung sind, sondern Parteien seit deren Entstehung begleiten. Dies ist dem Umstand geschuldet, dass Parteien stets an demokratischen Idealvorstellungen gemessen werden, an denen sie aufgrund ihrer Formierung als Organisationen zwangsläufig scheitern müssen. Umso notwendiger erscheint es, Parteien aus organisationstheoretischer Perspektive in den Blick zu nehmen und sie nach ihren eigenlogischen Verfahren, Programmen und Mitgliederrollen zu befragen. Vor diesem Hintergrund skizzieren wir aktuelle Praktiken der Inklusion in und Exklusion von deutschen Parteien und welche Personen(-gruppen) hierbei eine besondere Privilegierung oder Marginalisierung erfahren. Über ideologische Trennlinien hinweg fragen wir danach, wie Parteien zu „inklusiven Organisationen“ werden können. Im Anschluss findet sich die Beschreibung der einzelnen Beiträge des Special Issue, die sich alle an der Empirie „ihre Finger schmutzig machen“ und Parteien abseits von Krisendiagnosen erforschen.

Schlagwörter: Parteien, Organisation, Krise, Exklusion, Inklusion, Demokratie, Quotenregelung

 

Landtagswahlkämpfe abseits des Professionalisierungsdiskurses

Marcel Lewandowsky

Folgt man dem Mainstream der Politikwissenschaft, so werden Wahlkämpfe immer professionalisierter. Während Wahlkampfphasen, so die Befunde, adaptieren Parteien bestimmte Formen einer zentralisierten Organisation, handeln nach den Ergebnissen von Umfragen und nutzen Marketinginstrumente. Doch selbst wenn dies für die nationale Ebene zutrifft, könnten die Dinge auf subnationaler Ebene anders aussehen, wenn man die Eigenständigkeit der Parteiorganisationen in den Blick nimmt. Basierend auf einer qualitativen Studie auf der Grundlage von Experteninterviews, zielt der vorliegende Beitrag auf die Analyse organisationaler Praxen und Formen in Landtagswahlkämpfen in drei deutschen Ländern ab.

Schlagwörter: Wahlkampf, Parteien, Strategie

 

Habitus ist Macht – politische Partizipation in Parteien

Anna-Katharina Meßmer und Yasmina Banaszczuk

Der demografische und strukturelle Wandel der Gesellschaft macht auch vor Parteien nicht halt: Offener und diverser müssen ihre Strukturen werden, um den zunehmenden Mitgliederrückgang auszugleichen. Dieser Beitrag untersucht, inwieweit neue Formen der Partizipation und Maßnahmen zur Diversitätsförderung im Kontext sozialer Ungleichheiten wirken können. Dabei soll in der Analyse berücksichtigt werden, wie Parteistrukturen für bislang exkludierte Mitglieder geöffnet werden können. Als Beispiel dient dabei die Sozialdemokratische Partei Deutschlands (SPD), welche sich selbst 2011 per Parteireform einen Wandel hin zur „modernsten Partei Europas“ verordnete. Analysiert wird u. a., welche Inklusions- und Exklusionsbedingungen sich möglicherweise fortschreiben und somit marginalisierte Gruppen weiterhin vom Eintritt und Aufstieg in der SPD abhalten. Als theoretischer Rahmen dienen dabei Geschlechter- und Ungleichheitstheorien.

Schlagwörter: Parteien, Inklusion, Ungleichheit, Geschlecht, Diversität

 

Drei Funktionen politischer Parteien in repräsentativen Demokratien

Fabio Wolkenstein

Das Verhältnis von Parteien und Demokratie gilt gemeinhin als angespannt und problematisch. Dieser Beitrag rekonstruiert unter Rückgriff auf normative Demokratietheorien drei zentrale Funktionen politischer Parteien in repräsentativen Demokratien westlicher Prägung, eine aggregative, motivationale und deliberative Funktion. Die Befunde der empirischen Parteienforschung weisen auf eine Schwächung dieser drei Funktionen hin, die durch den organisationalen Wandel der Parteien in den letzten drei Jahrzehnten bedingt ist.

Schlagwörter: Parteien, Demokratie, Demokratietheorie, Partizipation, Kartellparteien