CfP: Feministische Kritik und Menschenrechte, Universität Erlangen-Nürnberg

8. Mai 2013

Call for Papers „Feministische Kritik und Menschenrechte“ im Rahmen der Jahrestagung des Arbeitskreises „Politik und Geschlecht“ in der DVPW, 14.-15. Februar 2014, Universität Erlangen-Nürnberg:

Menschenrechte haben auf transnationaler, regionaler, nationaler und lokaler Ebene in den letzten Jahrzehnten an großer Bedeutung gewonnen. Dies zeigt sich vor allem daran, dass völkerrechtliche Vereinbarungen und das internationale Menschenrechtsschutzsystem zunehmend ausdifferenziert und weiterentwickelt werden. Auch dienen Menschenrechte zunehmend als normativer Referenzrahmen und politisches Druckmittel für soziale Bewegungen und gesellschaftlich marginalisierte Gruppen. Dennoch sind die Geltung und Reichweite der Menschenrechte aufgrund von blinden Flecken, machtpolitisch motivierten Instrumentalisierungen oder auch unzureichenden Durchsetzungsmöglichkeiten Gegenstand intensiver Auseinandersetzungen.

Dabei setzt sich die Erkenntnis durch, dass universelle Norm- und Rechtsansprüche zur Achtung und zum Schutz der Menschenwürde zwar stets kritisch in den Blick genommen werden müssen, aber nicht grundlegend abgelehnt werden dürfen. An diesen Auseinandersetzungen sind feministische Theorien und Frauenrechtsbewegungen maßgeblich beteiligt. Die feministische Kritik gesellschaftlicher Macht- und Ungleichheitsverhältnisse sowie an deren spezifischen Auswirkungen auf Frauen haben stereotype und diskriminierende Auffassungen von Geschlecht, Geschlechterdifferenz und Geschlechterordnungen thematisiert.

Internationalen Frauenbewegungen ist es gelungen, strukturelle und gesellschaftlich tief verankerte Formen von geschlechtsbezogener Gewalt und Diskriminierung aufzudecken. Die innerfeministischen Debatten um mehrdimensionale und intersektionale Diskriminierung führten zu einem umfassenderen Verständnis von Marginalisierung, Ausgrenzung und Unterdrückung im globalen Kontext. Damit haben feministische Theorien und Bewegungen einen besonderen Einfluss auf den internationalen Menschenrechtsdiskurs genommen und bestimmte Themen überhaupt erst auf die Agenda internationaler Menschenrechtspolitik gebracht.

Zugleich sind Menschenrechte auch in innerfeministischen Debatten umstritten, was sich besonders in den Kontroversen um die Vereinbarkeit von Frauenrechten und kulturellen Minderheitenrechten, in der postkolonialen Kritik oder auch bei der Frage von Quotenregelungen und in der Gleichstellungspolitik zeigt. Dabei wird deutlich, dass die Menschenrechte sich nicht nur in einem fortwährenden Entwicklungsprozess befinden, sondern zugleich stets einer kritischen Überprüfung unterzogen werden.

Die Tagung will sich den feministischen Kontroversen und Ansätzen zu Menschenrechten widmen, um sowohl bestehende Konfliktfelder als auch Potentiale einer menschenrechtsorientierten feministischen Theorie und Praxis aufzuzeigen. Da sich die Menschenrechte in einem komplexen Spannungsverhältnis zwischen Theorie, Politik und Recht bewegen, wird die Tagung eine interdisziplinäre Perspektive einnehmen. Wir freuen uns über theoretische und praxisorientierte Beiträge aus allen Disziplinen (wie aus der Politikwissenschaft, Soziologie, Philosophie, Rechtswissenschaft, Pädagogik, Geschichte und aus angrenzenden Feldern, ebenso wie aus den Queer Studies, der postkolonialen Theorie und Intersektionalitätsforschung). Diese können sich in folgenden Themenfeldern bewegen:

  • Theorie der Menschenrechte
  • Universalität der Menschenrechte
  • Konzeptionen von Subjektivität
  • Postkoloniale Kritik und Menschenrechte
  • Mehrdimensionale Diskriminierung und Menschenrechte
  • Politik der Menschenrechte
  • Feministische Perspektiven auf Demokratie und Menschenrechte
  • Geschlechtsbezogene Perspektiven in der Friedens- und Konfliktforschung
  • Transnationale soziale Bewegungen und Frauenrechte
  • Geschlechtsbezogene Aspekte bei Flucht, Migration und Asyl
  • Justiziabilität der Menschenrechte
  • Feministische Rechtskritik und Analysen zum Völkerrecht
  • Entwicklungen, Umsetzung und Perspektiven der UN-Frauenrechtskonvention (CEDAW)
  • Gewalt gegen Frauen als Menschenrechtsverletzung
  • Antidiskriminierung und Gleichstellungsrecht

Abstracts für Beitragsvorschläge (ca. 500 Wörter) bitten wir bis zum 31. Juli 2013 per Email an die Sprecherinnen des Arbeitskreises Imke Leicht (imke.leicht@fau.de) und Nadja Meisterhans (nadja.meisterhans@sowi.uni-giessen.de) zu schicken. Die Tagung findet vom 14.-15. Februar 2014 an der Universität in Erlangen statt. Weitere Informationen zum Arbeitskreis „Politik und Geschlecht“ in der DVPW sind zu finden unter: http://www.politik-und-geschlecht.de/