Inhaltsüberblick: Momentum Quarterly, Vol. 1(3), 2012

16. Okt 2012

Momentum Quarterly ist eine vierteljährlich erscheinende, referierte Zeitschrift, die sich Fragen des sozialen Fortschritts auf interdisziplinärer Basis widmet. Untenstehend finden Sie die aktuelle Ausgabe von Momentum Quarterly. Alle hier vorgestellten Artikel werden Open-Access, d.h. frei zugänglich im Internet, veröffentlicht. Weitere Informationen zu diesem Projekt finden Sie unter www.momentum-quarterly.org. Wir freuen uns stets über neu eingereichte Beiträge und Kommentare zu bestehenden Beiträgen. Sie erreichen uns unter editors@momentum-quarterly.org.

Solidarisch Handeln: Konzeptionen, Ursachen und Implikationen

Georg Hubmann und Jakob Kapeller

Der Begriff der „Solidarität“ bleibt, sowohl in wissenschaftlichen Auseinandersetzungen als auch in der praktisch-politischen Verwendung, zumeist diffus und weitgehend unbestimmt. Insofern stellt sich die Frage, inwiefern ein unscharfes Konzept wie jenes der Solidarität als normativer Bezugspunkt individuellen Handelns oder politischer Entscheidungsfindung taugt. Vor diesem Hintergrund versucht der vorliegende Beitrag zu einer Präzisierung des Solidaritätsbegriffs beizutragen, indem verschiedene Ursachen und Motive solidarischen Handelns gegenübergestellt und verglichen werden. Eine Anwendung der sich hieraus ergebenden Typologie auf drei Bereiche (Frauenpolitik, Gewerkschaften und Entwicklungszusammenarbeit) verdeutlicht, wie sich verschiedene Solidaritätskonzepte in unterschiedlichen politischen Positionen und Strategien manifestieren. Am Ende dieser Analyse steht die Frage nach einer fortschrittlich-emanzipativen („progressiven“) Deutung des Solidaritätsbegriffs und dessen politischen Implikationen.

Schlagworte: Solidarität, Werte, Mitgefühl, Gemeinschaft

 

Jung, weiblich und Journalistin: Endstation Prekariat?

Dimitri Prandner und Martina Lettner

Die Medienbranche ist seit nunmehr vier Jahrzehnten von Wandlungsprozessen gekennzeichnet. Dabei sind die strukturellen Umbrüche im Bereich der Massenmedien bereits Grundlage zahlreicher wissenschaftlicher Arbeiten zum journalistischen Feld; die zunehmende Ungleichheit, die vor allem weibliche Akteure innerhalb des Feldes in Österreich erleben, wurde bisher jedoch nicht eingehend thematisiert. Aufbauend auf den Datensätzen, die 2010 an der Universität Salzburg gewonnen wurden (vgl. Hummel et al. 2010), und der Theorie des französischen Soziologen Pierre Bourdieu werden im folgenden Beitrag Struktur dieser Ungleichheit – derzeit sind junge Frauen im von älteren Männern dominierten journalistischen Feld Österreichs

Schlagwörter: Journalismus, Österreich, Ungleichheit, Bourdieu

 

Netzwerken als Strategie zur beruflichen Gleichstellung von Frauen und Männern

Cäcilia Innreiter-Moser und Claudia A. Schnugg

Netzwerken ist für beruflichen Erfolg von enormer Bedeutung. Männer und Frauen gehen unterschiedlich damit um bzw. haben ungleichen Zugang zu berufsrelevanten Netzwerken. Der Beitrag geht mithilfe von qualitativen Interviews mit Unternehmerinnen der Frage nach, woraus sich diese Unterschiede ergeben und warum sie so beharrlich bleiben, zumal viele berufsrelevante Netzwerke für Frauen offen sind und in den letzten zwei Dekaden auch zunehmend reine Frauennetzwerke gegründet wurden. Unsere Analysen zeigen eine langsame Veränderung in der Wahrnehmung von Netzwerken und dem Umgang mit unterschiedlichen Arten von Netzwerkkontakten (starke und schwache Kontakte) von Frauen. Der Beitrag zeigt aus der Perspektive des Neo- Institutionalismus eine mögliche Erklärung für die Persistenz des unterschiedlichen Nutzens von Netzwerken für beruflichen Erfolg von Frauen und Männern und leitet praktische Implikationen in Form von Handlungsempfehlungen zur Überwindung der bestehenden Situation ab.

Schlagwörter: Soziale Netzwerke, beruflicher Erfolg, Geschlechtergleichstellung, (Neo-)Institutionalismus

 

Ökonomie der Bandbreite: Evolutionär-ökonomische und kulturanthropologische Überlegungen zu Schnittstellen in Mensch-Maschine-Komplexen

Richard Schwarz und Manuel Wäckerle

In diesem Artikel diskutieren wir Bandbreite als kognitive, kulturelle und technische Regel, als eine Regel, die Informationsübertragung pro Zeiteinheit beschränkt. Wir verstehen Wirtschaft, Kultur und Gesellschaft als regelbasiertes evolvierendes System und geben der Bandbreite als generische Regel eine zentrale Rolle. Dabei untersuchen wir theoretisch die wechselwirkenden Prozesse der Ausbeutung und Ausweitung von Bandbreite in Mensch-Maschine-Komplexen. Des Weiteren verweisen wir auf die historische Dimension der digitalisierten Gesellschaft und diskutieren kulturelle Entwicklungen von evolvierten Prothesen. In diesem Zusammenhang formulieren wir eine Genealogie von Gleichheit und Freiheit im Netz. Abschließend betrachten wir zwei Beispiele von evolvierenden Prothesen: Das „Automated Trading“ und die Thematik des „Freundschaftskapitals bei Facebook“. Es zeigt sich, dass sich in beiden Beispielen, so unterschiedlich ihre Implikationen auf ersten Blick auch sind, systemisches Risiko auf ähnliche Art und Weise akkumuliert. Unser Artikel versucht einerseits wesentliche Aspekte der Ökonomie der Bandbreite aufzuzeigen, andererseits erste interdisziplinäre Denkschemata für ebendiese zu entwickeln.

Schlagwörter: regelbasierter Ansatz, Bandbreite als generische Regel, institutionalisierende Prothesen, digitalisierte Gesellschaft, Automated Trading, Freundschaftskapital bei Facebook