CfP: Uneven Development. Geographien der Krise(n)

4. Apr 2013

AkG-Tagung vom 27. bis 29. Juni 2013 in Frankfurt a.M. zum Thema „Räume des  Widerstands“:

In der aktuellen „multiplen“ bzw. „Vielfach-Krise“ sind Formen räumlich ungleicher Entwicklung von zentraler Bedeutung. Dies betrifft die Ursachen der verschiedenen Krisenprozesse, ihre herrschaftliche Bearbeitung und die daraus erwachsenden Folgen ebenso wie die Konjunkturen und Perspektiven emanzipatorischer Gegenstrategien und sozialer Kämpfe. Daher möchten wir die komplexen Geographien der Krise(n) und die verschiedenen Räume des Widerstands in den Mittelpunkt der kommenden AkG-Tagung stellen. Als Ausgangspunkt erscheint uns dabei das Konzept des Uneven Development besonders geeignet. Unter diesem, aus der marxistischen Tradition stammenden theoretischen Begriff wurde ab den 1970ern Jahren vor allem innerhalb der so genannten Radical Geography die räumlich ungleiche Entwicklung innerhalb und zwischen verschiedenen Territorien, Orten und Maßstabsebenen als konstitutives Merkmal des Kapitalismus analytisch zugänglich gemacht.

Im Anschluss an – und in kritischer Auseinandersetzung mit – den Pionierarbeiten von beispielsweise David Harvey, Neil Smith und Doreen Massey wurde diese Perspektive in der Folge schrittweise über das Kapitalverhältnis hinaus erweitert und für die Analyse von Natur-, Geschlechter- oder rassifizierten Verhältnissen in Anschlag gebracht. Dabei konnte gezeigt werden, dass sich gesellschaftliche Macht- und Herrschaftsverhältnisse einerseits räumlich ungleich manifestieren und dass andererseits räumliche Ungleichheiten maßgeblich in die Reproduktion und Transformation sozialer Verhältnisse eingehen. „Raum“ ist aus dieser Perspektive somit kein Abstraktum, existiert nicht an und für sich als außergesellschaftliches Substrat, Container oder Ebene von Auseinandersetzungen. Vielmehr wird räumliche Praxis bzw. die Produktion von Raum ebenso als Mittel und Strategie in gesellschaftlichen Kämpfen eingesetzt, wie räumliche Konfigurationen das Produkt und in der Folge die strukturierenden Bedingungen dieser Prozesse bilden.

Im Sinne eines solchermaßen breiten Verständnisses des Uneven Development-Konzepts erhoffen wir uns Diskussionsbeiträge, welche die verschiedenen Dimensionen der „multiplen“ bzw. „Vielfach-Krise“ sowie der damit verbundenen Kämpfe aus einer „raum-sensiblen“ Perspektive (neu) beleuchten. Von besonderem Interesse erscheint uns dabei, in welchem konkreten Zusammenhang die ungleichen Entwicklungen innerhalb und zwischen verschiedenen Territorien, Orten und Maßstabsebenen stehen. Konkret lassen sich u.a. folgende Fragen formulieren: Wie werden im Kontext der verschiedenen Krisenprozesse räumliche Praxen, Strategien und Strukturen genutzt, um – z.B. mittels der räumlichen Neuordnung von Produktion und Reproduktion, der Reskalierung von Staatlichkeit, einem sozial-räumlichen Abwälzen und Verschieben von Krisenfolgen, aber auch in Gestalt lokaler oder transnationaler Widerstandsbewegungen – bestimmte gesellschaftliche Interessen oder Projekte durchzusetzen? Welche sozialen Räume gewinnen im Zuge dessen – auch und besonders als Terrain sozialer Auseinandersetzungen – an Bedeutung, welche werden (diskursiv und/oder praktisch) ganz neu geschaffen, welche abgewertet oder vollständig marginalisiert? Inwieweit führen bestimmte Politiken zur (De-)Stabilisierung des räumlichen Status quo bzw. zu neuen Formen räumlicher Ungleichheit – in und zwischen Städten, Regionen, Nationen oder im Weltmaßstab? Erscheinen die entstehenden Muster ungleicher Entwicklung geeignet, vorhandene Widersprüche zu bearbeiten und das Ausbrechen neuer Krisenprozesse temporär zu verhindern, oder ändern diese bloß ihre Verlaufsformen? Und schließlich: In welchen Räumen und auf welchen Ebenen können gesellschaftliche Alternativen zu den bestehenden Macht- und Herrschaftsverhältnissen entstehen und welche Möglichkeiten, aber auch Risiken bergen Formen der räumlich ungleichen Entwicklung für die Strategien und Taktiken emanzipatorischer Bewegungen?

Das hiermit aufgespannte Themenfeld wollen wir im Rahmen der Tagung gemeinsam diskutieren. Wir laden Alle ein, sich mit eigenen Beiträgen zu beteiligen, und werden versuchen, die eingereichten Vorschläge vollständig zu berücksichtigen. Im Programm ist für die Diskussion der Beiträge in erster Linie Samstag, der 29. Juni, vorgesehen.

Anmeldung bis zum 15.4. mit einer kurzen Skizze bzw. Abstract unter: akg@kritischegeographie.de