Inhaltsüberblick: Momentum Quarterly, Vol. 2(1), 2013

28. Mrz 2013

Momentum Quarterly ist eine vierteljährlich erscheinende, referierte Zeitschrift, die sich Fragen des sozialen Fortschritts auf interdisziplinärer Basis widmet. Untenstehend finden Sie die aktuelle Ausgabe von Momentum Quarterly. Alle hier vorgestellten Artikel werden Open-Access, d.h. frei zugänglich im Internet, veröffentlicht. Weitere Informationen zu diesem Projekt finden Sie unter www.momentum-quarterly.org. Die Redaktion freut sich stets über neu eingereichte Beiträge und Kommentare zu bestehenden Beiträgen unter editors@momentum-quarterly.org.


Editorial

Leonhard Dobusch, Jakob Kapeller und Stefanie Wöhl

 

The Rise of Hedge Funds: A Story of Inequality

Jan Fichtner

The rise of hedge funds from the almost unnoticed beginnings in the late 1940s to the pinnacle of global finance seventy years later is one of the most pivotal developments for the international political economy. It is the central thesis of this paper that the rise of hedge funds can only be explained by the notion of inequality: inequality between nearly unregulated hedge funds and the regulated rest of financial market actors; inequal- ity between offshore financial centers that provide minimal regulation and low taxation to hedge funds, and onshore jurisdiction that do not; inequality between very rich private individuals that invest in hedge funds and the „bottom 99 percent“ that do not. Two countries play a central role for the rise of hedge funds, the US and the UK. Both adhere to the paradigm of „indirect regulation“ of hedge funds, and both tolerated a drastically increased income inequality since the 1980s that fueled the rise of hedge funds. It is only in these two countries that the story of inequality that drives the rise of hedge funds could be ended.

Keywords: hedge funds, inequality, regulation, financial crisis

 

Genderspezifische Wirkungen von abgaberechtlichen Begünstigungen innerhalb des österreichischen Sozialversicherungs- und Lohnsteuersystems

Christopher Berka und Philipp Piber

Die Abmilderung der Einkommensunterschiede in den Primäreinkommen durch Steuer- und Abgabenpolitik sowie durch die Verteilung der Staatsausgaben stellt eine wichtige Aufgabe des Wohlfahrtsstaates dar. Neben der vertikalen Verteilung rückt zunehmend die Verteilung der Einkommen zwischen den Geschlechtern in den Mittelpunkt der Debatte. Bei der Betrachtung von geschlechtsspezifischen Aspekten der staatlichen Umvertei- lung müssen sowohl einnahmen- als auch ausgabenseitige Aspekte untersucht werden. Im Unterschied zu vielen anderen Studien steht in diesem Papier die staatliche Einnahmenseite im Mittelpunkt. Es werden einnahmes- eitige Effekte von Begünstigungen im SV- und Lohnsteuersystem auf die Verteilung der Nettoeinkommen zwischen den Geschlechtern diskutiert. Insgesamt hebt die ungünstige Verteilungswirkung der Sechstelbegünstigung progressive Elemente wie Negativsteuer oder die stufenweise Reduzierung der Arbeitslosenversicherung bei niedrigen Einkommen auf, sodass die betrachteten Begünstigungen insgesamt eine regressive Wirkung entfalten. Es zeigt sich ferner, dass die begünstigte Besteuerung des 13. und 14. Gehalts im überwiegenden Maße Männern zugute kommt, während Frauen in erster Linie von der Negativsteuer sowie der Einschleifregelung der Arbeits- losenversicherung profitieren. Durch ein Anheben der Negativsteuer und die Einführung einer Deckelung bei der Sechstelbegünstigung im Rahmen einer aufkommensneutralen Abgabenreform könnte der regressive Effekt der Begünstigungen abgemildert sowie eine moderate Umverteilung von Männern zu Frauen im Vergleich zur Ausgangssituation erreicht werden.

Schlagwörter: Mikrosimulationen, Einkommensverteilung, Steuer- und Abgabenpolitik, Gender Budgeting

 

EU-Krisenpolitik als Verrechtlichung der Demokratie: Autoritärer Europäischer Konstitutionalismus und die Negation der Volkssouveränität

Ralph Guth

In diesem Beitrag möchte ich die vorherrschende EU-Krisenpolitik in einen breiteren Kontext der Verrechtlichung setzen: Denn in erster Linie werden durch die ratifizierten Maßnahmen der letzten zwei Jahre und den zum Teil noch zur Ratifizierung anstehenden EU-Fiskalpakt wirtschaftspolitische Überzeugungen verbindlich kodifiziert und sorgen für eine Verschiebung zentraler Kompetenzen weg von der Legislative hin zur europäischen Exekutive (Kommission und Rat) bzw. Judikative (EuGH). Aufbauend auf den Arbeiten zum „neuen Konstitutionalismus“ (Stephen Gill und Ran Hirschl) und „autoritären Etatismus“ (Nicos Poulantzas) werden diese Maßnahmen im Hinblick auf ihre Auswirkungen auf demokratische Freiheiten und Kompetenzen analysiert. Dadurch kann gezeigt werden, dass bereits im Zeitraum vor der derzeitigen Krise eine extensive sowie intensive Verrechtlichung von Politik stattgefunden hat, und dass diese Politik neoliberal, zunehmend autoritär und im Widerspruch zu bestehenden Rechtsstandards durchgesetzt wird. Durch diese Analyse wird in Anlehnung an Ingeborg Maus eine tiefere demokratietheoretische Kritik dieser Prozesse möglich. Abschließend werden mögliche Handlungsoptionen diskutiert.

Schlagwörter: EU-Krisenpolitik, Fiskalpakt, Neuer Konstitutionalismus, Autoritärer Etatismus, Volkssouveränität

 

Konsum 3.0: Ein netzbasierter Vorschlag zur Berücksichtigung sozial-ökologischer Nachhaltigkeit bei privaten Konsumentscheidungen

Alexander Petring

Angesichts der zunehmender ökologischer Herausforderungen und sich verschärfender sozialer Problemlagen in vielen Ländern der Welt wurde zuletzt intensiv über Chancen und Risiken der Einbeziehung privater Konsumhandlungen bei der Lösung der Nachhaltigkeitsproblematik diskutiert. Dieser Beitrag knüpft an diese Debatte an und macht einen konkreten Vorschlag, wie das Internet stärker als bisher dazu genutzt werden könnte, sozial-ökologische Kriterien bei Konsumentscheidungen zu stärken.

Schlagwörter: Nachhaltigkeit, Privatisierung der Nachhaltigkeit, nachhaltiger Konsum, Konsumgenossenschaft, Internet und Konsum