Inhaltsverzeichnis: Momentum Quarterly, Vol. 6 (4), 2017

4. Jan 2018

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Momentum Quarterly ist eine vierteljährlich erscheinende, referierte Zeitschrift, die sich Fragen des sozialen Fortschritts auf interdisziplinärer Basis widmet. Untenstehend finden Sie die aktuelle Ausgabe von Momentum Quarterly. Alle hier vorgestellten Artikel werden Open-Access, d.h. frei zugänglich im Internet, veröffentlicht. Weitere Informationen zu diesem Projekt finden Sie unter www.momentum-quarterly.org. Wir freuen uns stets über neu eingereichte Beiträge und Kommentare zu bestehenden Beiträgen. Sie erreichen uns unter editors@momentum-quarterly.org.

 

Lukas Lehner

Abstract:

Der dominierende Trend der Liberalisierung, Deregulierung und Privatisierung wurde seit der Wirtschaftskrise 2008 verschärft. Unter dem Paradigma der Wettbewerbsfähigkeit bestand ein grundsätzliches Paradigma in der Implementierung von „Strukturreformen“, um neo-korporatistische Praktiken mit Marktkoordination zu ersetzen. Dennoch erfuhren Österreichs Institutionen für strategische Koordination seit 2008 eine Stärkung, was den EU-weiten Trend der Liberalisierung kontrastiert. Um dieses Puzzle zu erklären wurden die Erwerbsbiographien von Regierungsmitgliedern seit 1983 analysiert, sieben Eliteinterviews durchgeführt und offizielle Regierungsdokumente ausgewertet. Unter der Verbändelogik machten Sozialpartner aktiven Gebrauch des Drehtüreffekts und platzierten Mitarbeiter zur Verflechtung in Regierungspositionen um politischen Einfluss auszuweiten. Für diesen „power-policy exchange“ haben Sozialpartner politische Kompromisse der Regierung verteidigt und die geschwächte Parteiführung von Sozialdemokraten (SPÖ) und Konservativen (ÖVP) unterstützt. Solch eine taktische Allianz ist fragil, da sie von den Interessenskonstellationen der involvierten Akteure abhängt, zeigt aber den verbleibenden Handlungsspielraum nationaler Politik in einem Zeitalter von erhöhten Liberalisierungsdruck durch Globalisierung und EU-Integration.

Schlagworte: Korporatismus; Sozialpartnerschaft; akteurzentriert, Varieties of Capitalism; Laufbahnen der Liberalisierung; power-policy exchange; Verbändelogik; Verflechtung; Drehtüreffekt; Österreich

Stefan Oppl

Abstract:

Die Entwicklung von Fähigkeiten im Bereich wissenschaftlicher Arbeitstechniken ist ein wesentlicher Bestandteil akademischer Bildung. Offene, arbeits-orientiere Lernansätze können die Entwicklung von Autonomie und Kreativität der Studierenden in der Durchführung von Forschungsaufgaben fördern. Diese Arbeit führt ein Kursdesign ein, das auf dem Konzept der Arbeitspädagogik aufbaut und Techniken der Freinet-Pädagogik einsetzt. Der Artikel legt den Stand der Forschung zum Einsatz von Freinet-Pädagogik in der akademischen Lehre dar und stellt ein Kurs-Design zur Einführung wissenschaftlicher Arbeitstechniken vor. Die Umsetzung wurde über 3 Action-Research-Zyklen in einem Curriculum der Wirtschaftsinformatik begleitet. Der Artikel fasst die gewonnenen Erfahrungen und die Evolution des Konzepts zusammen. Die Resultate zeigen, dass der Einsatz von Freinet-Prinzipien in der akademischen Lehre möglich ist, die Eigenschaften aktueller Curricula hinsichtlich hoher Arbeitslast und geringer Flexibilität aber berücksichtigt werden müssen. Diese Ergebnisse bilden die Grundlage für eine Diskussion der Implikationen für die Konzeption von Curricula und hochschulpolitischer Maßnahmen im Allgemeinen.

Schlagworte: Autonomie von Studierenden; Entwicklung von Fähigkeiten in wissenschaftlichen Arbeitstechniken; Reformpädagogik
Lukas Bäuerle

Abstract:

Die Feststellung eines umfassenden Einflusses der modernen Volkswirtschaftslehre auf andere Wissenschaften, auf Gesellschaft und Politik ist mittlerweile zu einem Allgemeinplatz geworden. Im folgenden Aufsatz möchte ich zu einer weitreichenden Kenntnis dieses Einflusses beitragen, indem ich das disziplinäre Selbstverständnis von Ökonominnen und Ökonomen herausarbeite, wie es den wichtigsten Lehrbüchern des Faches inhärent ist. Damit möchte ich gleichsam den öffentlichen Diskurs um ihre wirkmächtige Wissenschaft bestärken. Anhand von Thomas S. Kuhns Konzept der Lehrbuchwissenschaft soll zunächst die zentrale Bedeutung des Lehrbuches für die moderne Volkswirtschaftslehre aufgezeigt werden. Sodann wird im Rückgriff auf einschlägige Lehrbuchliteratur des Faches untersucht, welche wissenschaftshistorischen, methodologischen und didaktischen Grundpositionen darin festgehalten sind und im Rahmen akademischer ökonomischer Bildung vermittelt werden.
Schlagworte: Ökonomische Lehrbuchwissenschaft; ökonomische Bildung; Volkswirtschaftslehre; Philosophie der Wirtschaftswissenschaft; ökonomischer Imperialismus
Anne Engelhardt, Madelaine Moore

Abstract:

Es gibt viele Ansätze in der kritischen politischen Ökonomie, die versuchen die (Post-) Krisenphase zu erklären, indem sie auf Top-Down Analysen der kapitalistischen Hegemonie rekurrieren. Sie ignorieren dabei oft soziale Bewegungen, die durch diese Periode entstanden. Im Gegensatz dazu analysieren Studien der Sozialen Bewegungsforschung Proteste tendenziell ohne auf Theorien, die sich mit kritischer Ökonomie und Kapital beschäftigen, zurückzugreifen, wodurch sie den Staat, Machtbeziehungen und die Bedeutung sozialer Bewegungen für die aktuelle kapitalistische Konjunktur unzureichend darstellen. Um eine Analyse zu ermöglichen, die von beiden Traditionen profitiert, wollen wir Methoden, die von zentralen Autoren der Bewegungsforschung wie Charles Tilly, Doug McAdam und Sidney Tarrow angewandt werden, mithilfe einer non-dogmatischen dialektischen Herangehensweise in eine kritische soziale Theorie fokussierend auf Klassenkämpfe, einbetten. Dadurch werden kognitive, relationale und umweltbedingte Mechanismen als kognitive, organisierende, umweltbedingte und institutionelle Dynamiken reformuliert. Mit dieser Umformulierung kann eine Fokussierung auf Prozesse und Beziehungen, anstatt von Input und Output (Erfolge/Niederlagen) erfolgen.

Schlagworte: Dialektik; Methodologie; Soziale Bewegungen; Historischer Materialismus; Kritische Politische Ökonomie

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