Inhaltsverzeichnis: Momentum Quarterly, Vol. 5 (4), 2016

3. Jan 2017

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Momentum Quarterly ist eine vierteljährlich erscheinende, referierte Zeitschrift, die sich Fragen des sozialen Fortschritts auf interdisziplinärer Basis widmet. Untenstehend finden Sie die aktuelle Ausgabe von Momentum Quarterly. Alle hier vorgestellten Artikel werden Open-Access, d.h. frei zugänglich im Internet, veröffentlicht. Weitere Informationen zu diesem Projekt finden Sie unter www.momentum-quarterly.org. Wir freuen uns stets über neu eingereichte Beiträge und Kommentare zu bestehenden Beiträgen. Sie erreichen uns unter editors@momentum-quarterly.org.

Stefan Oppl
Der Einsatz von Arbeitsbeeinflussungssystemen zur Steuerung und Kontrolle von Arbeitsprozessen hat in den letzten Jahrzehnten stetig zugenommen. Dies geht einher mit einer Organisationssicht, die die sozialen und kognitiven Fähigkeiten und Bedürfnisse der Arbeitenden nicht berücksichtigt. Aktuelle Entwicklungen im Bereich der soziotechnischen Arbeitsunterstützung ermöglichen die Einbindung der Arbeitenden in der Gestaltung von Arbeitsprozessen. Eine selbstermächtigende Gestaltung von Arbeitsprozessen unter Einsatz dieser Hilfsmittel ist aber nur möglich, wenn Arbeitende die zugrunde liegenden Repräsentationen verstehen, selbstständig manipulieren und deren Implikationen abschätzen können. Der vorliegende Artikel führt ein Gestaltungsmuster für Methoden zur Bildung dieses Verständnisses ein, die auf der kollaborativen Abstimmung mentaler Modelle mittels konzeptueller Modelle basiert. Anhand einer konkreten Umsetzung dieses Gestaltungsmusters und einer umfassenden praktischen Erprobung im Berufsbildungskontext wird gezeigt, dass die grundlegenden Gestaltungsziele erreicht werden konnten.
 

Schlagworte: Kollaborative Arbeitsmodellierung; Abstimmung mentaler Modelle; Selbstermächtigung von Arbeitenden; Bildung von Fähigkeiten zur Prozessmodellierung
Felix Ekardt
Freunde und Gegner verbinden ökonomische Umweltpolitikinstrumente mit bestimmten Grundansichten der neoklassischen Ökonomik, die die einen dann begrüßen und die anderen kritisieren. Dieser Beitrag möchte zeigen, dass ökonomische Instrumente auch (oder gerade) dann der wirksamste Politikansatz der Transformation zur Nachhaltigkeit sind und bleiben, wenn man jene Grundannahmen für falsch hält. Dies betrifft im Kern sechs Punkte: (1) das Verhältnis zu technischen Strategien und Suffizienzstrategien; (2) das Verhältnis zur Wachstumsgesellschaft; (3) das Verhältnis zur Kosten-Nutzen-Analyse; (4) die Überschätzung der Kosteneffizienz und die Unterschätzung des Lösungspotenzials für zentrale Steuerungsprobleme; (5) die nicht weiterführende Diskussion um den Homo oeconomicus; (6) die Eignung ökonomischer Instrumente zur parallelen Lösung verschiedener Umweltprobleme.

 

Schlagworte: ökonomische Instrumente; ökonomische Bewertung; Kosten-Nutzen-Analyse; Nachhaltigkeit; Klimaschutz
Janosik Herder
In den vergangenen Jahren wurden klassische Theorien über Migration vom Ansatz der Autonomie der Migration grundlegend herausgefordert. In diesem Aufsatz möchte ich zeigen, dass dieser Ansatz der Autonomie der Migration ein uneindeutiges Verständnis von Autonomie nutzt. Diese Uneindeutigkeit führt zu zwei unterschiedlichen Vorstellungen von Autonomie im Bezug auf Migration. Für die erste Version ist Migration eine absolut autonome Kraft, die zwar Gegenstand von Kontrolle ist, aber unabhängig vom politischen und ökonomischen Kontext existiert. Für die zweite Version ist Migration relational und steht in einem vagen Verhältnis zu ihrem Kontext. Ich untersuche diese Uneindeutigkeit, indem ich die Idee der Autonomie mit Bezug auf Gilles Deleuzes Konzepte von Virtualität und Aktualität reflektiere. Deleuzes Vorstellung von Autonomie ist auf den ersten Blick wenig intuitiv – das grundlegende Argument meines Aufsatzes ist allerdings, dass diese Vorstellung ernst genommen werden sollte, um den Ansatz der Autonomie der Migration weiterzudenken. Autonomie nach Deleuze, so möchte ich schließlich zeigen, muss als eine Form der Wiederholung verstanden werden.

 

Schlagworte: Migration; Autonomie; Deleuze; Wiederholung; Virtualität
Aram Ziai
Gayatri Spivak zufolge ist das Problem subalterner Artikulation, dass den Subalternen 1. die Fähigkeit und 2. die Möglichkeit fehlt, ihre Interessen zu vertreten, sowie dass 3. ihre Artikulationen nicht „gehört werden’, d,h, keine politischen Konsequenzen haben. Seit seiner Etablierung 1994 dient das Inspection Panel der Weltbank als Rechenschaftsmechanismus in dieser internationalen Organisation. Von Weltbankprojekten negativ betroffene Menschen haben die Möglichkeit, dort eine Klage im Hinblick auf die Verletzung sozialer und ökologischer Standards einzureichen. Während einige WissenschaftlerInnen argumentieren, dass das Panel so zu einer Demokratisierung der global economic governance geführt hat, untersucht dieser Beitrag anhand einer empirischen Fallstudie, ob und inwiefern es tatsächlich Subalternen eine effektive Stimme verleiht.

 

Schlagworte: Weltbank; Inspection Panel; Rechenschaftspflicht; postkoloniale Studien; Uganda

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