Inhaltsüberblick: Momentum Quarterly, Vol. 5 (3), 2016

28. Sep 2016

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Momentum Quarterly ist eine vierteljährlich erscheinende, referierte Zeitschrift, die sich Fragen des sozialen Fortschritts auf interdisziplinärer Basis widmet. Untenstehend finden Sie die aktuelle Ausgabe von Momentum Quarterly. Alle hier vorgestellten Artikel werden Open-Access, d.h. frei zugänglich im Internet, veröffentlicht. Weitere Informationen zu diesem Projekt finden Sie unter www.momentum-quarterly.org. Wir freuen uns stets über neu eingereichte Beiträge und Kommentare zu bestehenden Beiträgen. Sie erreichen uns unter editors@momentum-quarterly.org.

 

Das Ende der Mittelschicht? Die Entwicklung der Einkommensverteilung in Österreich und Europa

Stefan Kranzinger, Judith Derndorfer

 

In letzter Zeit rückte die Entwicklung der Mittelschicht vermehrt in den Fokus der öffentlichen Debatte. Um Fragen bezüglich der Einkommensverteilung in Europa und Österreich zu beantworten, untersucht dieser Beitrag die Entwicklung von drei Einkommensschichten in 20 europäischen Ländern. Dafür wird mithilfe des EU-SILC-Datensatzes die Verteilung der verfügbaren Äquivalenzeinkommen zwischen 2004 und 2012 analysiert. Auf europäischer Ebene wird versucht zu klären, ob Länder desselben Wohlfahrtsstaatsregimes ähnliche Veränderungen in ihrer Einkommensverteilung aufweisen. Auf Länderebene wird die Lage Österreichs vertieft behandelt. Hierbei wird auf die Haushaltszusammensetzung nach Einkommensschichten und die Auswirkungen der Wirtschafts- und Finanzkrise eingegangen. Die Ergebnisse zeigen, dass sich wohlfahrtsstaatliche Gemeinsamkeiten innerhalb von konservativen, liberalen und postsozialistischen Typen erkennen lassen. In Bezug auf die Mittelschicht kann gezeigt werden, dass sich diese in knapp mehr als der Hälfte der untersuchten Länder vergrößert. Nicht so in Österreich, wo es zu einem Rückgang der Mittelschicht von -4,2 % gekommen ist.

 

Schlagworte: Mittelschicht; Einkommensverteilung; Österreich; EU-SILC
Rainer Land

 

Die Diskussion um Auswege aus der ökologischen Krise lässt sich drei Grundrichtungen zuordnen: a) Umbau unter Dominanz wirtschaftlicher Ziele, b) Postwachstum: Reduzierung bzw. Beendigung des Wachstums und c) Green New Deal: Umbau durch einen Innovations- und Investitionsschub unter Dominanz gesellschaftlicher Zielsetzungen. Im Unterschied zum New Deal der Roosevelt-Regierung in den 1930er Jahren fehlt dem Green New Deal noch eine makroökonomische Theorie und Strategie. Fokus heute müsste der Aufbau einer grundsätzlich neuartigen metabolisch naturintegrierten Industriellen Ökologie sein, orientiert am Prinzip der Umweltkonsistenz. Zum sozialen Umbau sollte die Rückkehr zu einer teilhabeorientierten Einkommensentwicklung aller Arbeitnehmer bei gleichzeitigem umweltkompatiblen Wandel der Konsumpräferenzen und der Einkommensverwendung gehören. Zwei spezifische umweltökonomische Strategien wären wissenschaftlich auszuarbeiten: a) eine durchgängige Bewirtschaftung aller ökologischen Ressourcen (Energie, Rohstoffe, Ökosysteme, Boden, Senken). Und b) die wirtschaftliche Entwicklung der Industriellen Ökologie durch kreditfinanzierte Innovationszyklen nach Schumpeter.

 

Schlagworte: Umweltökonomie; Green New Deal; Ressourcenbewirtschaftung; Makroökonomie; Innovationszyklen

 

Susanne Reither

 

Diese Arbeit beschäftigt sich mit Finanzialisierungstendenzen in Brasilien und deren Auswirkungen auf die Stabilität des Finanzsektors. Trotz der relativ stabilen makroökonomischen Rahmenbedingungen traf die globale Wirtschafts- und Finanzkrise Brasilien maßgeblich. Das ist zurückzuführen auf die vorangeschrittene Finanzialisierung, die Schwankungen am internationalen Finanzmarkt und insbesondere der Wechselkurse verstärkten. Zwar wurden vonseiten der brasilianischen Regierung eine Reihe von nachfragestimulierenden und anti-zyklischen Krisenmaßnahmen umgesetzt, den Finanzialisierungsprozessen konnte damit jedoch nicht entgegengewirkt werden. Die finanzielle Expansion und die Integration des brasilianischen Finanzmarktes in den internationalen Finanzmarkt führten zu einer starken Anfälligkeit der brasilianischen Wirtschaft für die Entwicklungen des internationalen Finanzmarktes und das Investitionsverhalten der internationalen InvestorInnen. Das unterstreicht die Schwierigkeit der Wahl von effektiven finanzmarktstabilisierenden Maßnahmen angesichts der zunehmenden Finanzialisierung.

 

Schlagworte: Finanzialisierung; Finanzmarktstabilität; Peripherie; Dependenz
Christian Fuchs

 

Bei der österreichischen Bundespräsidentschaftswahl 2016 kam es zu einer Stichwahl zwischen dem grünen Kandidaten Alexander Van der Bellen und dem FPÖ-Kandidaten Norbert Hofer. Dieser Artikel fragt: Wie haben die Wähler/innen Hofers ihre Unterstützung auf Facebook ausgedrückt? Der Aufsatz präsentiert die Ergebnisse einer qualitativen Ideologieanalyse von 6755 Kommentaren, die auf den Facebookseiten von FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache und FPÖ-Kandidat Hofer gepostet wurden. Die Forschungsergebnisse verdeutlichen, welche politische Rolle die Führerideologie, Nationalismus, neuer Rassismus, das Freund/Feind-Schema und Militanz im Onlinebereich spielen. Rechtsextremismus 2.0 ist ein komplexes Problem, das im Kontext von heutigen Krisen und Demagogie zu betrachten ist.

 

Schlagworte: Facebook; soziale Medien; Neuer Rassismus Online; Online-Nationalismus; Rechtsextremismus Online; Österreichische Bundespräsidentschaftswahl 2016; Freiheitliche Partei Österreichs; FPÖ; Alexander Van der Bellen; Norbert Hofer; Heinz-Christian Strache; Ideologie

 

Rezension

Mareike Gebhardt

 

„Formwandel der Verfassung. Die postdemokratische Verfasstheit des Transnationalen“ von Kolja Möller im Verlag Transcript, 2015, Bielefeld.

 

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