Inhaltsüberblick: Momentum Quarterly, Vol. 5 (2), 2016

1. Jul 2016

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Momentum Quarterly ist eine vierteljährlich erscheinende, referierte Zeitschrift, die sich Fragen des sozialen Fortschritts auf interdisziplinärer Basis widmet. Untenstehend finden Sie die aktuelle Ausgabe von Momentum Quarterly. Alle hier vorgestellten Artikel werden Open-Access, d.h. frei zugänglich im Internet, veröffentlicht. Weitere Informationen zu diesem Projekt finden Sie unter www.momentum-quarterly.org. Wir freuen uns stets über neu eingereichte Beiträge und Kommentare zu bestehenden Beiträgen. Sie erreichen uns unter editors@momentum-quarterly.org.

 

Emanzipatorische Aspekte der Arbeitszeitregulierung

Martin Risak

Anhand der Geschichte der Reglementierung der Arbeitszeit in Österreich, wie sie sich in den Gesetzesmaterialien und parlamentarischen Debatten widerspiegelt, wird der Frage nachgegangen, ob emanzipatorische Argumente bei der Erlassung einschlägiger Gesetze eine Rolle gespielt haben und welchem Wandel die Zielsetzung der Arbeitszeitgesetzgebung unterlegen ist.

Schlagworte: Arbeitszeit; Recht; Arbeitstag; Arbeitswoche; Flexibilisierung; Deregulierung

Arbeitsmigration in Israel. Wie der Ethnonationalismus Repräsentationsstrukturen verhindert

Lidia Averbukh

Das Vorgehen des Staates Israel in Bezug auf legale und illegale Arbeitsmigration zeichnet sich durch einen Mangel an Repräsentation und durch Nichteinmischung aus. Diese Einstellung entspringt dem grundsätzlich restriktiven Einwanderungsregime, das einer nennenswerten Ansammlung von nicht-jüdischen Bürgern im Staat vorbeugen möchte. Eine permanente Ansiedlung von Arbeitsmigranten und die Anerkennung ihres Mitbürgerstatus als Folge soll dabei vermieden werden. Gleichzeitig befindet sich der israelische Arbeitsmarkt seit der Liberalisierung der 90er Jahre in wachsender Abhängigkeit von Arbeitsmigration, was zu einer Diskrepanz zwischen den Interessen der ethnisch-nationalen Einwanderungspolitik und privaten ökonomischen Akteuren führt. Allerdings haben sich in letzter Zeit in der Rekrutierung von Arbeitskräften Dynamiken entwickelt, die die Arbeitsmigranten zunehmend zu einer Gesellschaftsgruppe innerhalb des gesamtgesellschaftlichen Ethno-Nationalismus formen, so dass dieser anstatt mit dem migrantischen Arbeitsmarkt ideologisch zu konkurrieren, durch diesen selbst zusehends konsolidiert wird.

Schlagworte: Arbeitsmigration; Ethnischer Nationalismus; Repräsentation

Arbeiten oder leben? Bemerkungen zur Ökonomie der Zeit im Neoliberalismus

Christian Berger und Maria Ziolkowski

In der Ökonomie der Zeit löst sich nach Marx alle Ökonomie auf. Dieser vagen Prämisse folgend, setzen wir uns in folgendem Beitrag mit den Ambivalenzen im Verhältnis von Arbeit und Zeit auseinander. Das neoliberale Spiel mit Freiheit und Zwang, Emanzipation und Unterwerfung steht, neben der sozialkritischen Diagnose einer Entgrenzung, Subjektivierung und Flexibilisierung von Arbeit, im Zentrum unserer Auseinandersetzung. Auf die rezenten rechtlichen, ökonomischen und politischen Implikationen der Genealogie und Transformation der Arbeitszeit – und nicht zuletzt deren Auswirkungen auf die Geschlechterverhältnisse – wollen wir theoretische und empirische Schlaglichter werfen, um aufzuzeigen, dass diese Transformation eine Form der Autonomie ins Werk setzt, die realiter Einschränkung und eine Zurichtung und Disziplinierung von Subjekten entsprechend neoliberalen Postulaten bedeutet.

Schlagworte: Arbeit; Foucault; Neoliberalismus; Zeit; (De-)Regulierung

Zur Komplizenschaft der Kritik. Eine bildungstheoretische Analyse des widersprüchlichen Involviertseins von Kritik

Katharina Herrmann

Kritik will bestehende Macht- und Herrschaftsverhältnisse offenlegen und hinterfragen, kann sich dabei aber ihrer Verstrickung in deren Stabilisierung und Reproduktion nicht entziehen. Die Kritische Bildungstheorie hat diese widersprüchliche Verfasstheit von Kritik zum Gegenstand und bestimmt sie als ein konstitutives Element von Bildung. Über Argumentationsfiguren der Kritischen Bildungstheorie möchte der vorliegende Beitrag der ‚Komplizenschaft‘ von vermeintlich subversiver Kritik mit integrativen Kräften nachspüren. Die Wider- sprüchlichkeit von Kritik bezieht sich hierbei nicht nur auf den Gegenstand der Kritik, sondern auch auf die subjektiven Bedingungen des Widersprechens. Hieraus erwächst die Frage, wie eine pädagogische Praxis aussehen könnte, welche das funktionale Moment von Kritik als Ansatzpunkt für selbstkritische Hinterfragungen eigener Positionierungen und Privilegien versteht.

Schlagworte: Widersprüchlichkeit von Kritik; Kritische Bildungstheorie; Subjektkritik

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