Inhaltsüberblick: Momentum Quarterly, Vol. 5 (1), 2016

18. Apr 2016

Momentum Quarterly ist eine vierteljährlich erscheinende, referierte Zeitschrift, die sich Fragen des sozialen Fortschritts auf interdisziplinärer Basis widmet. Untenstehend finden Sie die aktuelle Ausgabe von Momentum Quarterly. Alle hier vorgestellten Artikel werden Open-Access, d.h. frei zugänglich im Internet, veröffentlicht. Weitere Informationen zu diesem Projekt finden Sie unter www.momentum-quarterly.org. Wir freuen uns stets über neu eingereichte Beiträge und Kommentare zu bestehenden Beiträgen. Sie erreichen uns unter editors@momentum-quarterly.org.

Editorial

Leonhard Dobusch, Astrid Mager, Dennis Tamesberger und Stefanie Wöhl

 

Globale Produktionsverhältnisse ohne Gegenmacht? Möglichkeiten und Begrenzungen globaler politischer Ökonomie und Gegenmachtbildung – am Beispiel der Bekleidungsindustrie

Nepomuk Hurch

Der vorliegende Artikel handelt von globalgesellschaftlichen Strukturen, Machtkonstellationen und Wandlungsphänomenen hinter der Persistenz von Ausbeutung in der Bekleidungsindustrie. Es wird der Frage nachgegangen, welche Handlungsstrategien sich in diesem Kontext für die politische Ökonomie ergeben – und vor welchen Herausforderungen die Konsolidierung globalisierter Gegenmacht steht. Die Bekleidungsindustrie eignet sich für diese Analyse in besonderer Weise, die Entwicklung ihrer Produktionsweisen und deren Folgen sind ein Spiegel weltgesellschaftlicher Veränderungsprozesse. Gleichzeitig ist sie ein Sektor, in dem sich die Auswirkungen neoliberaler Politik anschaulich nachzeichnen lassen – und in dem lokale wie internationale Gewerkschaften und soziale Bewegungen an vorderster Front um mehr Gerechtigkeit in der globalen Gesellschaft ringen.

Schlagworte: Bekleidungsindustrie; Globalisierung; Neoliberalismus; Politische Ökonomie; Gegenmacht; Gewerkschaften

Der Unternehmer ist tot – es lebe das Gärtnernde? Leitbilder und Wirtschaftskonzepte der Postwachstumsgesellschaft

Silke Ötsch

Analysen gesellschaftlicher Umbrüche verdichten sich in idealtypischen Subjekten (Arbeiter, Kapitalist, Ingenieur, Bürokrat, Politiker, Unternehmer), verbunden mit Problemdiagnosen und Vorstellungen über eine optimierte Gestaltung von Wirtschaft und Gesellschaft. Konfrontiert mit Umweltszenarien, die von einer Gefährdung der Menschheit ausgehen, ist zu erwarten, dass neue Leitbilder entstehen. Joseph Schumpeters Idealtyp des Unternehmers ist wenig hinterfragt in der heutigen Diskussion präsent; Strategien der Green Economy werden damit begründet. Wenig im Blickfeld ist der von Schumpeter negativ belegte Gegenpol des Unternehmers: der „statisch-hedonische“ Idealtyp bzw. das „statisch-hedonische“ Wirtschaften. Diese Formen scheinen in der wachstumskritischen Bewegung und in Publikationen zum Urban Gardening nun positiv besetzt zu werden. Aufbauend auf qualitative problemzentrierte Interviews mit Personen aus dem Umfeld der wachstumskritischen Transition-Bewegung untersuche ich die Vorstellungen zu Leben und Wirtschaften der InterviewpartnerInnen. Verkörpert der Gärtner/die Gärtnerin ein neues Leitbild mit verbundenen Konzepten des Wirtschaftens, das den Unternehmer ablöst?

Schlagworte: UnternehmerIn; GärtnerIn: Postwachstumsgesellschaft; Transition; Green Economy

Eine Analyse des Prozesses der Vermögensakkumulation anhand des Konzeptes der Pfadtheorie

Stefan Kranzinger

Dieses Paper beschäftigt sich mit einer Analyse des Prozesses der Vermögensakkumulation anhand des Konzeptes der Pfadabhängigkeit. Basierend auf den theoretischen Fundamenten von Robert King Merton, Vilfredo Pareto und Pierre Bourdieu werden verschiedene Mechanismen der Vermögensakkumulation identifiziert. Hierbei werden diese Mechanismen als direkte und indirekte Netzwerkeffekte verstanden, um als Analyseinstrument eines pfadabhängigen Verlaufes verwendet werden zu können. Zur Untermauerung der herausgearbeiteten direkten und indirekten Netzwerkeffekte werden diese im Verlauf dieses Papers mithilfe der Statistik-Software R formalisiert und grafisch veranschaulicht. Hierbei wird zuerst ein Basismodell entworfen, welches im Verlauf der Arbeit durch direkte und indirekte Netzwerkeffekte erweitert wird. Durch die Simulation direkter und indirekter Netzwerkeffekte soll der Einfluss von Netzwerkeffekten auf den Prozess der Vermögensakkumulation besser verstanden werden. Zudem wird noch auf Erkenntnisse aus Pikettys Werk Capital in the 21th century eingegangen, im Speziellen auf die Relation zwischen Kapitalrendite und Wirtschaftswachstum, welche in das entwickelte Modell eingebaut werden.

Schlagworte: Soziale Ungleichheit; Vermögensakkumulation; Vermögenstransmission; Pfadabhängigkeit

 

Genderspezifische Verteilungswirkungen der Reformen des österreichischen Lohnsteuer- und Sozialversicherungsbeitragssystems

Patrick Pechmann

Dieser Artikel beschäftigt sich mit den Verteilungswirkungen der Reformen des österreichischen Lohnsteuer- und Sozialversicherungsbeitragssystems. Untersucht werden dazu Maßnahmen der Reformen 2004/05, 2009 und 2015/16. Im Mittelpunkt der Analyse stehen dabei die Auswirkungen von Veränderungen der staatlichen Einnahmenseite auf die Verteilung der Sekundäreinkommen. Während bei den meisten Untersuchungen Aspekte der vertikalen Verteilung im Vordergrund stehen, wird in dieser Arbeit ein spezieller Fokus auf den Einfluss der Reformen auf die Verteilung zwischen den Geschlechtern gelegt. Generell lässt sich feststellen, dass die betrachteten Reformen durchaus die größten relativen Einkommenszuwächse in den unteren Einkommensbereichen und somit bei Frauen mit sich bringen, durch aber gleichzeitig ständige Entlastung der oberen Einkommen und der besonderen Konzentration der Männereinkommen im oberen Einkommensbereich, Männer in wesentlich größerem Umfang von den Maßnahmen der einzelnen Reformen profitieren. Eine Analyse des Einflusses der Begünstigungen zeigt zudem, dass die Maßnahmen der untersuchten Reformen zu einer Umverteilung der Einkommen von Frauen zu Männern beitragen sowie von den verschiedenen Reformen eher Beschäftigte in Wirtschaftsklassen profitieren, die einen höheren Männeranteil aufweisen.

Schlagworte: Einkommensverteilung; Steuer- und Abgabenpolitik; Gender Budgeting; Steuerreform

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