Reisinger Sabine, Vlasakova Lea, Winklehner Anna: „Die Sozialphilosophie der Subalternen: Zum Verhältnis von Diskriminierung und Gleichheit

26. Jul 2011

1. Ausgangspunkt: Gleichheit und Diskriminierung konstituieren sich wechselseitig

In der Literatur existieren zahlreiche Definitionsansätze zum Begriff der „Diskriminierung.“ Aus juristischer Sicht besteht das Wesensmerkmal der Diskriminierung in der Herabwürdigung eines wesentlichen, jedoch „nicht oder nur schwer aufgebbaren Identitätsmerkmals der betreffenden Person“ und äußert sich als ungleiche Behandlung von Menschen ohne sachlichen Grund. Die Soziologie geht in Bezug auf die Definition von Diskriminierung davon aus, dass Menschen mit ungleichen sozialen oder ethnischen Merkmalen im Gegensatz zu den Angehörigen des eigenen Kollektivs abwertend behandelt werden. Eine Gemeinsamkeit dieser Ansätze bzw. Definition ist, dass Diskriminierung zu einer Schlechterbehandlung von bestimmten Menschen oder Gruppen, welche als ungleich angesehen werden, führt. Gleichheit und Diskriminierung sind in diesem Verständnis als eng aneinander gekoppelt, da die Absenz ersterer die Präsenz letzterer bedingt. Für die betroffenen Personen und Gruppen resultieren aus dieser Ungleichbehandlung durch Individuen, Institutionen und Strukturen wesentliche Nachteile und Einschränkungen.1

2. Die Artikulation der Gleichheit und die Sozialphilosophie der Subalternen

Diskriminierung trifft Menschen bzw. (Bevölkerungs)Gruppen auf verschiedensten Gesellschaftsebenen. Formen der Unterdrückung haben sehr vielfältige Ausprägungen. Manche Menschen werden aufgrund mehrerer Merkmale diskriminiert. Die betroffenen Personen reagieren mit unterschiedlichen Strategien um diesen Ungleichheiten zu begegnen. Ziel dieses Beitrags ist anhand einer sozialphilosophischen Analyse dreier konkreter Fallbeispiele ein tieferes Verständnis der Rolle des jeweiligen gesellschaftlichen Kontexts und der teleologischen Ausrichtungen bzw. Zieldimensionen derartiger Strategien zu erarbeiten. Dabei soll insbesondere die Frage gestellt werden, welche Rolle die Gleichheit im Rahmen dieser „Strategien gegen Ungleichheit“ spielt und ob bzw. inwiefern diese durch komplementäre oder auch konkurrierende Ziele und Werthaltungen ergänzt bzw. ersetzt wird. So unterschiedlich die sozialen Umfelder der jeweiligen Personen/Gruppen sind, so verschieden sind auch ihre Bestrebungen. Das sich hieraus ergebende Bild von Gleichheit ist ebenso divers, wie die Formen des Widerstands gegen die unterdrückenden Gruppen. Als 1 Wenn die Diskriminierung nicht nur an einer Dimension, wie z.B. Geschlecht, Rasse oder Behinderung, festgemacht wird, sondern aufgrund von zwei oder mehreren Dimensionen erfolgt, dann spricht man von Mehrfach-, oder intersektioneller Diskriminierung. Sie geht von mehreren Diskriminierungsmotiven aus, die gleichzeitig in Erscheinung treten, so dass sie nicht voneinander zu trennen sind. Ziel wird somit oftmals Gleichberechtigung – politisch, rechtlich und sozial – aber ebenso Differenzierung und Autonomie verstanden. Die eigene Kultur, die Traditionen sollen bewahrt werden, um so die eigene Identität zu erhalten.

3. Drei Fallbeispiele: Martin Luther King, Bob Marley und „black feminism“

Anhand von drei Beispielen, nämlich Martin Luther King, Bob Marley und Black Feminism, werden die wesentlichen Unterschiede der erlebten Unterdrückungs- und Widerstandsformen sowie die darin inkorporierten politischen Ziele und Werthaltungen in Bezug auf den Aspekt der (Un-)Gleichheit analysiert. Martin Luther King strebte beispielsweise nach Gleichheit und Integration von Afro-Amerikanern auf der ganzen Welt, Bob Marley hingegen kämpfte für ein Ende der Unterdrückung durch die Weißen in Jamaika und der US-amerikanische Black Feminism zielte sowohl auf individuelles self-empowerment als auch auf politische Reformen ab. Rassentrennung, Diskriminierung, Unterdrückung von Schwächeren und soziale Ungerechtigkeit ist ein wesentlicher Bestandteil des tagespolitischen Diskurses der heutigen Zeit und begleitet Menschen bestimmter Hautfarben, Ethnien, Religionsbekenntnisse, Geschlechter und sozialer Schichten ihr Leben lang. Martin Luther King, Bob Marley und die schwarzen Feministinnen haben eines gemeinsam: sie hatten eine Vision einer veränderten Welt für die sie sich einsetzen.

Dokumente zum Download

Reisinger_Winklehner_2011_Paper (application/pdf)
AutorIn Momentum2011 2011-10-11 18:09:37

Reisinger_Winklehner_Vlasakova_2011_Abstract (application/pdf)
AutorIn Momentum2011 2011-07-26 12:54:29