Ottendörfer Bettina, Bencic Werner, Kastner Karin: Macht Leiharbeit krank? LeiharbeiterInnen als DienstnehmerInnen zweiter Klasse?

26. Jul 2011

Hintergrund

Arbeitsplatzunsicherheit wie es in Leiharbeitsverhältnissen anzutreffen ist bleibt häufig nicht ohne Folgen für die psychische Gesundheit. Insbesondere LeiharbeiterInnen stellen eine so genannte vulnerable Gruppe dar. Das heißt, es besteht eine höhere Wahrscheinlichkeit der Erkrankungs-, Behinderungs- und Sterbewahrscheinlichkeit. Gesundheit ist zwischen LeiharbeiterInnen und DienstnehmerInnen in Regelarbeitsverhältnissen ungleich verteilt. Menschen, die sich in prekären Arbeitsverhältnissen befinden – dazu zählen LeiharbeiterInnen – haben sehr geringe mittel- bis langfristige berufliche Perspektiven und weisen in weiterer Folge mehr Arbeitsunfähigkeitstage, einen erhöhten Krankenbehandlungsaufwand und eine ebensolche Krankenbelastung auf.

Methode

Es wurde eine Evaluation von Leistungsdaten der OÖ Gebietskrankenkasse von LeiharbeiterInnen aus dem Jahr 2009 durchgeführt. Als Grundgesamtheit dienten ArbeiterInnen mit österreichischer Staatsbürgerschaft, was eine sehr homogene Gruppe mit wenig Interferenzen darstellt. Die Leistungsdaten wurden aus einem EDV-Tool zur Ermittlung der Eigen- und Folgekosten (FOKO) ärztlicher Leistungen und Verordnungen der OÖ Gebietskrankenkasse erhoben. FOKO ermöglicht die individuelle Abbildung der Inanspruchnahme von Leistungen durch Versicherte. In FOKO wurden die Arbeitsunfähigkeitstage (AU-Tage), die Krankenhaustage (KH-Tage) und die Anzahl der Arzneimittelverordnungen der Versicherten abgefragt.

Ergebnisse

Es zeigen sich Mehrkosten für die ärztliche Versorgung und die Arzneimittelversorgung bei den untersuchten LeiharbeiterInnen. Bemerkenswert sind vor allem die hohen Mehrkosten durch das Krankengeld. Es gibt starke Hinweise darauf, dass LeiharbeiterInnen im Krankheitsfall regelmäßig durch ihre Dienstgeber gekündigt werden, um den Entgeltfortzahlungen zu entgehen.

Diskussion

Die bedeutende Frage im Zusammenhang mit LeiharbeiterInnen ist, wie nachhaltig die behandelten Gesundheitsstörungen sind. Insbesondere psychische Erkrankungen als Folge der Leiharbeitssituation können in chronifizierter Form viele Jahre weiter wirken. Dies wirkt sich vielfach auch finanziell auf die Betroffenen und auf die Krankenkasse aus.

Dokumente zum Download

Ottendörfer, Bencic, Kastner_2011_Paper (application/pdf)
AutorIn Momentum2011 2012-01-04 13:57:01

Ottendörfer, Bencic, Kastner_2011_Abstract (application/pdf)
AutorIn Momentum2011 2011-07-26 10:43:08