Ötsch Walter: Die Tiefenbedeutung von „Markt“

25. Okt 2010

Abstract Momentum 10 Track 8 „Hegemonie in der Mediengesellschaft”

„Die Tiefenbedeutung von „Markt“. Ein Schlüssel zum Verständnis der neoliberal – marktradikalen Gesellschaft

Der Ausdruck Neoliberalismus besitzt mehrere Bedeutungen. Er kann ökonomische Theorien, Formen von Wirtschaftspolitik, eine historische Epoche, in dem diese Theorien Staatsmacht geworden sind (und die vielen Formen ihrer konkreten und widersprüchlichen Umsetzung) oder eine Gesellschaft meinen, die sich in vielen Bereichen rein ökonomischen Normen unterworfen hat. Zentral ist eine Denkform, sie kann in allen Facetten von Neoliberalismus nachgewiesen werden. Ihr wichtigster Begriff ist der „des Marktes“: die Vorstellung einer „höheren“ Instanz, eines autonomen Prozesses, – unterworfen eigenen „Gesetzen“ oder „Mechanismen“ -, einer globalen Institution oder eines Netzwerkes… . Dieses Etwas würde – wenn man es ungehindert werken lasse – positive Wirkungen für alle bewirken, – nicht nur im Bereich der Wirtschaft, sondern auch in dem der Gesellschaft. Letztlich könne man ihm die Lösung aller gesellschaftlichen Probleme überlassen. Vorstellungen dieser Art können marktradikal genannt werden.

Die Denkform „des Marktes“ besitzt eine Tiefenbedeutung, die sich in der Zeit von Mises und Hayek ausgeprägt hat. Sie findet sich in vielen ökonomischen Modellen, – trotz ihrer unterschiedlicher theoretischer Bezüge bzw. Paradigmen, in vielen Konzepten einer marktradikalen Wirtschaftspolitik, in Rhetoriken ihrer Anwendung und in den unzähligen Alltagsdiskursen, die eine neoliberale Gesellschaft zu ihrem Bestehen benötigt.

Walter Ötsch

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AutorIn Momentum 2011-03-08 21:09:08