Notz Gisela: Radikaldemokratische Wirtschaftsmodelle

25. Okt 2010

Abstract Momentum 10 Track4&6 „Demokratische Antworten auf die Krise? Neue Arbeitswelt(en), Gewerkschaften und Wirtschaftsdemokratie”

„Radikaldemokratische Wirtschaftsmodelle Theorien, Geschichte und aktuelle Diskussion”

Konzepte der alternativen Ökonomie sind keine neue Erfindung. Solange die kapitalistische Wirtschaft besteht und auch schon früher, gab es Menschen, die andere Wünsche und Vorstellungen haben und alternative Konzepte entwickelten. Man denke zum Beispiel an die Utopien des englischen Philosophen Thomas Morus, (1478 – 1535), des italienischen Philosophen, Dichters und Politikers Tommaso Campanella (1568 – 1639), des englischen Frühsozialisten, Unternehmers und Gewerkschafters Robert Owen (1771 – 1858) oder des französischen Gesellschaftstheoretikers und Kritikers des frühen Kapitalismus Charles Fourier (1772 – 1837) u.a., und an die seit etwa 1820 bestehenden Produktions- und Konsumgenossenschaften und deren Kritik und Würdigung durch Karl Marx, Friedrich Engels und Rosa Luxemburg.

Vorläufer der Alternativen Ökonomie fanden sich auch in Selbsthilfeprojekten der gewerkschaftlich und parteipolitisch organisierten Arbeiterbewegung. Dazu gehören nicht nur die Produktions- und Konsumgenossenschaften, sondern auch Nachbarschaftshilfen, Projekte der Arbeiterkultur bis hin zu wirtschaftlichen Organisationen wie Lebensmittelläden oder Wohnungsbau-Gesellschaften. Die PionierInnen der Gemeinschaftsbewegung kämpften gegen abstrakten Individualismus, gegen Atomisierung und Fetischierung und gegen den Verlust des sozialen Kontextes in der Betrachtung der Individuen. Damit forderten sie auch eine Abkehr von der Waren- und Konsumgesellschaft hin zu fürsorgender und am Anderen interessierter Gemeinschaft zwischen Frauen und Männern und Kindern. Um einen Einblick in Diskussionen während verschiedener historischer Epochen zu geben, sollen exemplarisch einige theoretische Gemeinschaftsansätze kurz dargestellt und kritisch beleuchtet werden. Ich beginne mit den Auseinandersetzungen um die Produktions- und Konsumgenossenschaften und deren kritischer Würdigung durch „Klassiker der Arbeiterbewegung,“ stelle den anarchistischen Ansatz von Gustav Landauer vor, springe zur Zeit der (neuen) Aufbruchstimmung nach dem Zweiten Weltkrieg, dann zur StudentInnenbewegung der end- 1960er-Jahre und zum praktisch umgesetzten theoretischen Entwurf einer seit 24 Jahren existierenden Großkommune, wie er von weiteren Kommunen übernommen worden ist. Abschließend frage ich nach der aktuellen Bedeutung der Modelle. Im Wesentlichen stütze ich mich auf Literaturanalysen, in der beschriebenen Kommune Niederkaufungen habe ich Interviews durchgeführt und sowohl Sekundärliteratur über die Kommunebewegung als auch Selbstdarstellungen der Kommune ausgewertet. Im Mittelpunkt meines Interesses steht die Frage, ob es möglich und sinnvoll ist, innerhalb der bestehenden Gesellschaft alternative Wirtschaftsmodelle zu initiieren und wie ihre Chancen aber auch die Risiken einzuschätzen sind. Ich beziehe mich dabei auf den deutschsprachigen Raum.

Gisela Notz

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AutorIn Momentum 2011-03-15 18:33:35