Niederberger Karl: Einflussfaktoren auf Arbeitszufriedenheit

5. Nov 2009

Abstract Momentum 09 Track 4 „Arbeitsformen und Arbeitszufriedenheit”

„Einflussfaktoren auf Arbeitszufriedenheit”

Ausgangssituation
Das IBE – Institut für Berufs- und Erwachsenenbildungsforschung an der Universität Linz – führt seit dem Jahre 2003 regelmäßig MitarbeiterInnenbefragungen in großen Organisationen, wie der Volkshilfe OÖ, der BBRZ Gruppe und dem AKh Linz durch. Dem Befragungskonzept des IBE liegt die „Zweifaktorentheorie“ von Frederick Herzberg zu Grunde. (vgl. Neuberger, Oswald: Motivation und Zufriedenheit In: Mayer Arthur: Organisationspsychologie, Stuttgart 1978 S. 214ff und Rosenstiel, Lutz von: Grundlagen der Organisationspsychologie, Stuttgart 1992 S. 74ff) Herzberg unterscheidet „Motivato- ren“ und „Hygienefaktoren“. Motivatoren beeinflussen die Motivation zur Leistung selbst und kommen schwerpunktmäßig aus dem Arbeitsinhalt. Sie betreffen die intrinsische Arbeitsmotivation:

–    Arbeit selbst
–    Leistung
–    Anerkennung für die eigene Leistung
–    Verantwortung
–    Aufstieg
–    Möglichkeit zum Wachstum

Motivatoren verändern also die Zufriedenheit, ihr Fehlen führt aber nicht zwangsläufig zur Unzufriedenheit. Das Streben nach Selbstverwirklichung und Selbstzufriedenheit steht hier im Mittelpunkt. Unter Hygienefaktoren hingegen versteht Herzberg Faktoren, welche bei positiver Ausprägung die Entstehung von Unzufriedenheit verhindern, aber nicht zur Zufriedenheit beitragen. Diese Faktoren werden häufig als selbstverständlich betrachtet, sind sie aber nicht vorhanden, werden sie als Mangel empfunden und führen daher zur Arbeitsunzufriedenheit. Die Hygienefaktoren liegen nicht zentral im Arbeitsinhalt, sondern in Rand- und Folgebedingungen der Arbeit, sie betreffen also die extrinsische Arbeitsmotivation:

–    Führungsstil
–    Unternehmenspolitik und -verwaltung
–    Arbeitsbedingungen wie Arbeitszeit
–    Beziehung zu KollegInnen, Unterstellten, Vorgesetzten
–    Arbeitssicherheit
–    Gehalt
–    Persönliche berufsbezogene Lebensbedingungen

Insgesamt liegen dem IBE über 5.000 auswertbare Fragebögen aus diesen MitarbeiterInnenbefragungen vor. Zudem führte das IBE im Jahre 2005 eine Berufskarrierenbefragung unter 31- bis 35-Jährigen ArbeitnehmerInnen durch (n=2.100), wobei auch hier das Thema Arbeitszufriedenheit und deren Einflussfaktoren eine zentrale Rolle spielten. Die Ergebnisse dieser Untersuchungen zeichnen ein äquivalentes Bild und stützen die Theorie Herzbergs.

Wie zufrieden sind ArbeitnehmerInnen mit ihrer beruflichen Situation und von welchen Faktoren hängt diese Zufriedenheit ab?
Das Ausmaß der allgemeinen Arbeitszufriedenheit erscheint hinsichtlich Tätigkeitsfeld, Branchen und Stellung im Beruf ähnlich. In nahezu allen Untergruppen finden sich ca. 10% ArbeitnehmerInnen, die mit ihrer Arbeit alles in allem eher bzw. sehr unzufrieden sind. Der Anteil der sehr Zufriedenen liegt zwischen einem Viertel und einem Drittel. Der große Rest von ca. 60% deklariert sich als eher zufrie- den. Detaillierte Fragen zu anderen Arbeitszufriedenheitsaspekte liefern unterschiedliche Ergebnisse. So wurde auch die Zufriedenheit zu folgenden Aspekten abgefragt:

–    Arbeitsklima/ Verhältnis zu KollegInnen
–    Arbeitsinhalte
–    Arbeitsorganisation
–    Arbeitszeitmodell
–    Direkte Vorgesetzte
–    Information/ Kommunikation
–    Aus- und Weiterbildungsmöglichkeiten
–    Karrierechancen
–    Mitgestaltungsmöglichkeiten
–    Lohn/ Gehalt
–    Arbeitsplatzsicherheit
–    Räumliche Ausstattung
–    Technische Hilfsmittel

Regressions- und Korrelationsanalysen zeigen bei allen Untersuchungen, dass Arbeitsinhalte bzw. die Tätigkeit an sich den stärksten Einfluss auf die Gesamtzufriedenheit ausüben. Doch auch Belastungsfaktoren, wie Zeitdruck, mangelnde Wertschätzung und unklare Arbeitsaufträge stellen wesentliche Faktoren dar.

Karl Niederberger

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AutorIn Momentum 2011-05-16 23:04:03