Track #3: Vielfalt zwischen Identitätsstiftung, Diskriminierung und Empowerment

Trackmoderation: Faika El-Nagashi & Johanna Hofbauer

Wie Gesellschaften mit Differenzen umgehen ist ein Indikator für ihre Offenheit/Geschlossenheit und lässt Rückschlüsse darauf zu, auf welche Art und Weise versucht wird, gesellschaftlichen Zusammenhalt zu erzeugen und aufrecht zu erhalten. Während rechtspopulistische und -extreme Bewegungen das reaktionäre Versprechen einer homogen-nationalen Identität eint, gibt es im weiteren politischen Spektrum verschiedene Ansätze zum Umgang mit (neuer) gesellschaftlicher Vielfalt. Während für Konservative der_die erfolgreiche Unternehmer_in mit Migrationshintergrund möglicherweise eine Form erwünschter Vielfalt darstellt, werden Frauen und Männer, die für ihre gleichgeschlechtlichen Partner_innenschaften dieselbe gesellschaftliche und rechtliche Anerkennung wie für die heterosexuelle Ehe einfordern, als ein „Zuviel der Vielfalt“ betrachtet. Aber auch gängigen Begriffen der Alltagssprache wie etwa „Toleranz“ oder „Integration“, liegt die Vorstellung einer homogenen Ausgangsgesellschaft („Wir“) zugrunde, in die sich „die Anderen“ mehr oder weniger einzupassen haben. Dabei sind individuelle wie kollektive Identitäten permanent im Wandel begriffen und so ist das Verhältnis von Vielfalt und Zusammenhalt, von Ein- und Ausschluss stets Gegenstand von Aushandlungsprozessen.

Folgende Fragen illustrieren, welche Themenfelder im Rahmen dieses Tracks diskutiert werden könnten:

  • Wie werden individuelle und kollektive Identitäten sozial hergestellt? In welchem Verhältnis stehen sie zur Selbst- und Fremdzuschreibung? Wann tragen Identitäten zum Empowerment, wann zur Stigmatisierung bei?
  • Wie verhalten sich Identität und Vielfalt zueinander? Wie lässt sich angesichts einer zunehmend als heterogen wahrgenommenen Gesellschaft und einem Voranschreiten der Individualisierung gesellschaftliche Solidarität und Zusammenhalt herstellen?
  • Wie kommt es zur Herausbildung von Mehrfachdiskriminierungen bestimmter Identitätsentwürfe (Stichwort: Intersektionalität) und wie kann diesen entgegen gewirkt werden?
  • Wann und wie werden Ansätze die „Toleranz“ oder „Integration“ einfordern, zum Problem? Welche Alternativkonzepte gibt es und welcher Umgang mit Differenzen liegt diesen zugrunde?
  • Welche Rolle spielt die Abgrenzung vom bzw. von Anderen für die Konstitution der eigenen Identität?
  • Wie kann auf Versuche der Vereinnahmung von Instrumenten des Empowerment reagiert werden?

Tags: #diversität #intersektionalität #empowerment #identität #friedenspolitik #zukunfteuropas