Track #2: Vielfalt organisieren: Solidarische Strategien und Perspektiven

Trackmoderation: Ilker Ataç und Laura Dobusch

Vielfalt in Organisationen wurde lange als zu bewältigendes Problem behandelt und gleichzeitig war die zunehmende Erosion des traditionellen politischen Establishments und der herkömmlichen Interessensvertretung zu beobachten, ob in Italien, Island oder den USA. In den letzten Jahren haben sich die Perspektiven jedoch gewandelt und neue Bewegungen sind im Aufstieg begriffen. Worin ist die Ursache wachsender Distanz zwischen dem Souverän und seiner bisherigen politischen und ökonomischen Repräsentanz zu sehen? Was macht neue Bewegungen so attraktiv, abseits des Anti-Establishment-Gestus?

In Unternehmen, öffentlichen Verwaltungen und Medien wird  versucht mit „Diversity Management“ Vielfalt als Chance oder gar als Ressource zu begreifen und so auf geänderte Rahmenbedingungen zu reagieren. All diesen Bereichen ist gemein, dass sie versuchen auf die Herausforderungen von Vielfalt zu reagieren und gangbare Lösungen zu entwickeln.

Kritiker_innen wiederum warnen, dass durch einen Fokus auf vor allem verwertbare Vielfalt nur bestimmte Gruppen (z.B. Frauen des mittleren Managements, migrantische Mitarbeiter_innen mit besonderen Fremdsprachkompetenzen) gefördert würden oder es gar zu verstärkten Ausgrenzungen gegenüber „unprofitablen“ Personengruppen kommen könnte.

Im politischen Kontext zeigt sich die Relevanz des Umgangs bzw. der Herstellung von Vielfalt zum einen innerhalb von Parteistrukturen, die sich mit einem massiven Rückgang an aktiven Mitgliedern konfrontiert sehen und zum anderen an den Rufen nach Mehrheitswahlrecht und direktdemokratischen Instrumenten. Außerdem wirft das Thema Vielfalt viele inhaltliche und organisatorische Fragen auf, wenn es um das Schmieden breiter Bündnisse geht, die oftmals eine Voraussetzung für progressiven Wandel darstellen. Dieses Spannungsfeld von Vielfalt als Herausforderung und Chance für Organisationen und politische Bewegungen gemeinsam zu ergründen ist das Anliegen dieses Tracks.

Folgende Fragen stehen beispielhaft für Themenstellungen die in diesem Track behandelt werden sollen:

  • Welche Verständnisse von Vielfalt/Diversität gibt es und wie verhalten sich zu verwandten Konzepten wie Heterogenität, Offenheit und Intersektionalität?
  • Warum bzw. wann und wie ist Vielfalt in und für Organisationen ein bzw. kein Vorteil?
  • Wie wirkt Vielfalt in Organisationen in verschiedenen Kontexten wie Parteien, Gewerkschaften, öffentlichen Verwaltungen, NGOs oder Unternehmen?
  • Wie beeinflusst die Vielfalt bzw. Homogenität der Organisationsmitglieder politische und organisationale Entscheidungs- und/oder Mobilisierungsprozesse?
  • Worin ist die Ursache wachsender Distanz zwischen dem Souverän und seiner bisherigen politischen und ökonomischen Repräsentanz zu sehen?

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