Track #10: Vielfalt – ein Wert für sich?

Trackmoderation: Katja Kullmann & Glaucia Peres da Silva

Auf normativer Ebene ist der Begriff „Vielfalt“ der Versuch, offenkundige Unterschiede in unserer Gesellschaft positiv zu fassen. Inwieweit liegt dem das Bestreben zugrunde,  den liberalen Individualismus zu einem gesamtgesellschaftlichen Ideal zu machen? Sind Differenz und Abgrenzung, die ein solcher Partikularismus notwendig bedingt, tatsächlich wünschenswerte Charakteristika einer Gesellschaft?  Auf praktischer Ebene ist Vielfalt ein Faktum. Menschen unterscheiden sich voneinander in Erfahrungen, Anschauungen, Charakter, Talenten und Interessen. Das Gleiche gilt für Gruppen, die sich etwa entlang von Sprache, Geschlecht, gemeinsamen Sitten und Normen oder Religionen voneinander unterscheiden. Der Track widmet sich genau diesem Spannungsfeld zwischen Norm und Fakt. Erwünscht ist, das häufig strapazierte Bekenntnis zur Vielfalt nicht automatisch zu Ausgangspunkt und Ziel der eigenen Überlegungen zu machen, sondern sich ihm durchaus kritisch zu nähern.

Dies kann in unterschiedlichster Weise geschehen, von Interesse wäre etwa:

  • Was bedeutet Vielfalt in einer Konsumgesellschaft, die Individualismus anpreist und in Wirklichkeit Gruppenidentität verkauft?
  • Wie ist das Bekenntnis zur Vielfalt von Religionen zu verstehen, die für sich selbst eine universelle Wahrheit beanspruchen?
  • Was bedeutet der Begriff schließlich dafür, wie wir uns die Welt aneignen und welche ethischen Normen wir daraus ableiten? Stehen hier alle Ansätze gleichberechtigt nebeneinander, oder fungiert etwa Kulturperspektivität als Ersatz für Wahrheit und unverbrüchliche, universelle Rechte?
  • Wie sehr dient Vielfalt als Argument für Ungleichheit, etwa wenn unter Verweis auf vielfältige Talente dieselben mit unterschiedlichen Wertigkeiten verbunden werden?
  • Kurz: wie viel Vielfalt ist gesellschaftlich wünschenswert, ab wann kann sie aber auch zum Hemmschuh der gesellschaftlichen Entwicklung werden?

Tags: #individualismus #kollektivismus #partikularismus #gesellschaft #gruppenidentität #kritikanvielfalt