Tracks

Momentum17: Vielfalt

Das Generalthema Momentum-Kongress in diesem Jahr ist „Vielfalt“. Im Zentrum des Austausches stehen die zehn Tracks.

Track #1: Vielfalt und Migration: Handlungsfelder für Stadt, Land und Europa

Trackmoderation: Martina Fürpass & Ivana Pilic

Die Debatte um Flucht und Migration wird vor allem durch die geschürten Ängste am Leben erhalten. Neben einer Versachlichung der Debatte geht es vor allem darum Mut zu machen, neue Ideen zu entwickeln und Potenziale von Migration aufzuzeigen. Dazu ist es notwendig, sich über die Ziele progressiver Migrationspolitik klar zu werden. Wie ist diese sinnvoll zu organisieren, rechtlich und administrativ? Kann – und soll – aus einer progressiven Perspektive kulturelle Vielfalt eine Rolle spielen? Worin besteht das Ziel von „Integration“? Welche Auswirkungen hat der Zuzug vieler Menschen in vergleichsweise kurzer Zeit auf kommunaler Ebene? Welche Good-Practice-Beispiele erfolgreicher Migrationspolitik gibt es? Von besonderem Interesse sind dabei auch diskursive Strategien und Erfahrungen, wie menschenfeindlicher Agitation erfolgreich begegnet werden kann.

Tags: #flucht #migration #kulturellevielfalt #migrationspolitiken #integration #willkommenskultur #kommunalpolitik

Track #2: Vielfalt organisieren: Solidarische Strategien und Perspektiven

Trackmoderation: Ilker Ataç & Laura Dobusch

Vielfalt in Organisationen wurde lange als zu bewältigendes Problem behandelt. In den letzten Jahren ist jedoch ein Perspektivenwechsel zu beobachten. In Unternehmen und öffentlichen Verwaltungen wird mit „Diversity Management“ versucht, Vielfalt als Chance oder gar als Ressource zu begreifen. Gleichzeitig besteht die Gefahr, dass durch einen Fokus auf verwertbare Vielfalt nur bestimmte Gruppen (z.B. Frauen des mittleren Managements) gefördert oder „unprofitable“ Personengruppen sogar verstärkt ausgegrenzt werden könnten. Im politischen Kontext ist der Umgang mit Vielfalt innerhalb von Parteien sowie rund um das Schmieden breiter Bündnisse relevant, die oftmals eine Voraussetzung für progressiven Wandel darstellen. Dieses Spannungsfeld von Vielfalt als Herausforderung und Chance für Organisationen und politische Bewegungen gemeinsam zu ergründen ist das Anliegen dieses Tracks.

Tags: #direktedemokratie #sozialebewegungen #parteien #organisationen #diversität #medien #gewerkschaften #organizing

Track #3: Vielfalt zwischen Identitätsstiftung, Diskriminierung und Empowerment

Trackmoderation: Faika El-Nagashi & Johanna Hofbauer

Wie Gesellschaften mit Differenzen umgehen ist ein Indikator für ihre Offenheit/Geschlossenheit und lässt Rückschlüsse darauf zu, wie versucht wird, gesellschaftlichen Zusammenhalt zu erzeugen und aufrecht zu erhalten. Während rechtspopulistische und -extreme Bewegungen das reaktionäre Versprechen einer homogen-nationalen Identität eint, gibt es im weiteren politischen Spektrum verschiedene Ansätze zum Umgang mit (neuer) gesellschaftlicher Vielfalt. Aber auch gängigen Begriffen der Alltagssprache wie etwa „Toleranz“ oder „Integration“ liegt die Vorstellung einer homogenen Ausgangsgesellschaft („Wir“) zugrunde, in die sich „die Anderen“ mehr oder weniger einzupassen haben, egal ob diese „Anderen“ über Körpernormen, sexuelle Orientierung, Alter oder Geschlecht definiert werden. Dabei sind individuelle wie kollektive Identitäten permanentem Wandel und Aushandlungsprozessen unterworfen.

Tags: #diversität #intersektionalität #empowerment #identität #friedenspolitik #zukunfteuropas

Track #4: Europa: in Vielfalt vereint?

Trackmoderation: Ilia Dib & Sara Hassan

In der Wirtschaftskrise stoßen die – schon bisher kritikwürdigen – traditionellen Methoden der Angleichung vielfältiger politischer, sozialer, ökonomischer und sicherheitspolitischer Traditionen der EU-Mitgliedsstaaten zunehmend an ihre Grenzen. Die autoritäre Durchsetzung einer europaweiten Sparpolitik vertieft ökonomische und politische Gräben, welche durch nationalistische Stimmungsmache der bürgerlichen und extremen Rechten weiter verstärkt werden. Dieser Track beschäftigt sich mit der Frage, wie eine fortschrittliche Vision eines vielfältigen Europas jenseits neoliberaler und autoritärer Uniformität in allen Politikfeldern und Facetten aussehen und realisiert werden könnte. Der Ausgestaltung der Vertragsgrundlagen und Institutionen sowie der Definition von Zielen und der tatsächlichen Umsetzung von Politik kommt dabei besondere Bedeutung zu.

Tags: #europa #austerity #sparpolitik #währungsunion #solidarität #sozialunion #friedenspolitik #zukunfteuropas

Track #5: Rechtliche Strategien im Umgang mit Vielfalt

Trackmoderation: Katharina Beclin & Marianne Schulze

Vielfalt wird im Bereich des Rechts vorwiegend als Gleichbehandlungsrecht verstanden, welches die Formen des Zusammenlebens in einer diversen Gesellschaft regeln soll. Im Zentrum steht dabei häufig der individuelle Anti-Diskriminierungsaspekt. Während viele Maßnahmen strukturelle Diskriminierungsfaktoren (z.B. Geschlecht, Alter, sexuelle Orientierung, Behinderungen) adressieren, wird in anderen Bereichen wie sozialer Herkunft und politischer oder religiöser Überzeugung oft nur mit dem verfassungsrechtlichen Gleichheitssatz argumentiert. Gleichzeitig haben sich Institutionen gebildet, die niederschwellig bei der Durchsetzung rechtlicher Ansprüche in einer vielfältigen Gesellschaft helfen sollen, etwa Gleichbehandlungskommissionen. Wie Rechtswissenschaft und –praxis, deren Institutionen selbst nur selten die Realität einer vielfältigen Gesellschaft widerspiegeln, sich diesen Herausforderungen stellen könnten – diese Fragen behandelt dieser Track.

Tags: #gleichheit #rechtswissenschaft #antidiskriminierung #arbeitsrecht #kollektivverträge #gleichbehandlung

Track #6: Ökonomische Pluralität in Forschung, Lehre und Praxis

Trackmoderation: Markus Marterbauer & Jana Schultheiss

Die akademische Ökonomie braucht eine konzeptionelle und methodische Öffnung. Der Ruf nach mehr Vielfalt ist spätestens seit der Wirtschaftskrise auch im öffentlichen Diskurs angekommen. Die Umsetzung dieser Forderung kämpft jedoch mit einer Reihe von Herausforderungen. Vor allem die hermetische Organisation akademischer Disziplinen und deren geschlossene Selbstreproduktion steht grundlegenden Veränderungen entgegen. Vor diesem Hintergrund widmet sich der Track u.a. folgenden zentralen Fragen: Wie kann eine vielfältige Wirtschaftswissenschaft entstehen und wie kann plurales ökonomisches Denken in Forschung, Lehre und Politikberatung konkret zum Einsatz gebracht werden?

Tags: #pluraleökonomie #lehre #wissenschaftsbetrieb #finanzkrise #ökonomischemethoden #theorienvielfalt #methodenvielfalt #politikberatung

Track #7: Liebe, Wohnen, Arbeiten: Vielfalt der Lebensformen

Trackmoderation: Andrea Schmidt & Karin Schönpflug

Die Möglichkeiten des Zusammenlebens gestalten sich vielfältiger. Waren das Ein-Ernährermodell, die heteronormative Ehe oder das Leben im Haus im Grünen ein Lebensziel, so werden diese klassischen Muster beständig aufgeweicht. Gleichzeitig sind es vor allem bildungshungrige, kulturell privilegierte Gruppen, die diese Vielfalt für sich entdecken, in Anspruch nehmen und durchsetzen. Auf der anderen Seite stehen viele Menschen, die sich in traditionellen Lebensformen gut zurechtfanden, dieser Vielzahl an neuen Lebensentwürfen skeptisch gegenüber. Der Track soll den Rahmen bieten, um Status Quo und Zukunft eines vielfältiger werdenden Zusammenlebens zu diskutieren und mögliche Visionen für Arbeitsmarktpolitik, Stadtentwicklung sowie Gesellschafts- und Familienrecht auf den Prüfstand zu stellen und weiterzuentwickeln.

Tags: #zusammenleben #stadtentwicklung #lebensentwürfe #arbeitsmarktpolitik #arbeitswelten #wohnraum #lieben #leben

Track #8: Ökonomie und Regulierung: Standortwettbewerb im globalen Kapitalismus

Trackmoderation: Nikolaus Kowall & Klara Zwickl

Regionale und nationale Unterschiede und Eigenheiten – insbesondere im Bereich der jeweiligen wirtschaftlichen, sozialen und ökologischen Regulierung bilden den zentralen Ausgangspunkt für den im Rahmen der ökonomischen Globalisierung entstandenen Standortwettbewerb. In diesem globalen Standortwettbewerb konkurrieren einzelne Länder erfolgreich um Exportanteile und Unternehmensstandorte, während andere Gebiete und Regionen, die in diesem Wettbewerb nicht mithalten können, sukzessive zurückfallen. Ziel dieses Tracks ist es nach der Rolle regulatorischer Vielfalt im globalen Kapitalismus zu fragen und ihre Implikationen – etwa für Fragen nach Wettbewerbsverhältnissen und Machtverteilung, sektoraler Spezialisierung und den Grundlagen nationaler demokratischer Systeme – zu analysieren.

Tags: #globalisierung #demokratie #standort #wettbewerbsfähigkeit #europa #race-to-the-bottom #race-to-the-top

Track #9: Bildung: (aus) Vielfalt lernen

Trackmoderation: Azra Bajrica & Daniela Martinek

Die UNESCO-Erklärung zur kulturellen Vielfalt unterstreicht das Menschenrecht auf eine qualitativ hochwertige Bildung und Ausbildung unter voller Achtung der jeweiligen kulturellen Identität. Die Erfahrungen der letzten Jahre mit Wirtschaftskrise, digitalem Wandel und starken Migrationsbewegungen zeigen jedoch enormen Handlungsbedarf im Bildungs- und Ausbildungsbereich auf. Diesem wird oft mit kleinem Budget und sehr viel zivilgesellschaftlichen Engagement begegnet, um doch noch dem Anspruch der UNESCO-Erklärung gerecht zu werden. Gleichzeitig mahlen die Mühlen des formalen Bildungssystems etwa in Bereichen von Inklusion und sozialer Durchlässigkeit noch immer viel zu langsam. Im Track wird der Rahmen geboten, unterschiedliche Zugänge zu Vielfalt in der Bildung zu diskutieren sowie mögliche Handlungsoptionen und Strategien für ein vielfältiges und für Vielfalt offenes Bildungssystem zu entwickeln.

Tags: #inklusion #sozialedurchlässigkeit #bildung #hochschule #digitalerwandel #migration #spracherwerb

Track #10: Vielfalt – Ein Wert für sich?

Trackmoderation: Georg Hubmann & Glaucia Peres da Silva

In seiner normativen Anwendung ist der Begriff „Vielfalt“ der Versuch, Unterschiede positiv zu fassen. Auf praktischer Ebene ist Vielfalt hingegen ein Faktum: Individuen und Gruppen unterscheiden sich ganz offensichtlich in zahlreichen Aspekten voneinander. Der Track hat zum Ziel, sich kritisch mit Vielfalt im Spannungsfeld von Fakt und Norm auseinander zu setzen. Was bedeutet etwa Vielfalt in einer Konsumgesellschaft, die Individualismus anpreist und in Wirklichkeit Gruppenidentität verkauft? Wie ist das Bekenntnis zur Vielfalt von Religionen zu verstehen, die jeweils für sich eine universelle Wahrheit beanspruchen? Was bedeutet der Begriff für Welt- und Menschenbilder, stehen hier alle Ansätze gleichberechtigt nebeneinander? Wie sehr dient Vielfalt als Argument für Ungleichheit? Kurz: wie viel Vielfalt ist gesellschaftlich wünschenswert, ab wann kann sie aber auch zum Hemmschuh der gesellschaftlichen Entwicklung werden?

Tags: #individualismus #kollektivismus #partikularismus #gesellschaft #gruppenidentität #kritikanvielfalt