Mayrhuber Christine: Ökonomische Gleichheit der Generationen: Tatsächliche und vorgegebene Spannungen im Generationenvertrag

26. Jul 2011

Abstract:

In Österreich ist der Eigenfinanzierungsgrad der beitragsfinanzierten gesetzlichen Alterssicherung im Zuge der geringen Lohnzuwächse (schwache Lohrunden, steigende Anzahl von Teilzeitbeschäftigten) und der Beschäftigungsrückgänge ab 2009 gesunken. Die Bundesmittel in der Pensionsversicherung sind von 22,2% der Aufwendungen im Jahr 2008 auf 26,5% 2011 gestiegen[1]). Die Europäische Kommission hält fest, dass mit der Wirtschaftskrise die Budgetkonsolidierung der letzten 20 Jahre zunichte wurden und dass die kommenden 10 Jahre von budgetären Zwängen geprägt sein werden[2]). Bei geringer wirtschaftlicher Dynamik und einem Budgetkonsolidierungskurs verschärfen sich in Zukunft die Verteilungskonflikte.

Schon bisher wurden Verteilungskonflikte unter dem Blickwinkel der Generationen gestellt rezipiert und verstärkt. Ist das Generationenverhältnis bei Befragungen als „wohlwollende Ambivalenz“ beschrieben[3]), erfolgt im öffentlichen, medialen und auch politischen Diskurs eine Zuspitzung auf einen Generationenkonflikt. Die demografischen Verschiebungen[4]) und die damit für die öffentliche Hand verbundenen Ausgabenverschiebungen[5]) werden als Beleg für ökonomische Ungleichheiten zwischen den Generationenkonflikt herangezogen.

Vor dem Hintergrund der zunehmenden Verteilungskonflikte werden im Beitrag folgende drei Aspekte näher beleuchtet:

  1. Im ersten Schritt werden die ökonomischen Berechnungen über Belastungen mit Steuern und Abgaben zukünftiger Generationen in ihren Annahmen und Wechselwirkungen kritisch beleuchtet. Im Zentrum stehen dabei die Berechnungsmodelle des „generational accountings“ (Generationenbilanz) sowie die maßgeblichen europäischen und österreichischen Simulationen über die Entwicklung zukünftiger Altersausgaben.
  2. Möglichkeiten und Kriterien der Beurteilung von ökonomischer Gleichheit der Generationen werden im zweiten Schritt analysiert. Es geht dabei um eine Gegenüberstellung der geleisteten Steuern und Abgaben sowie der bezogenen Transfers und Sachleistungen unterschiedlicher Generationen.
  3. Abschließend sollen die ökonomischen sowie die politischen Rahmenbedingungen für ein generationengerechtes Wirtschafts- und  Gesellschaftssystem skizziert werden.



[1]) Gutachten der Kommission zur langfristigen Pensionsfinanzierung für das Jahr 2011, Übersicht 27.  http://www.bmask.at/cms/site/attachments/5/8/6/CH0982/CMS1304056885870/gutachten_2011.pdf

[2]) Europäische Kommission: Angemessene, nachhaltige und sichere europäische Pensions- und Rentensysteme, 2010, S. 8; http://www.europarl.europa.eu/meetdocs/2009_2014/documents/com/com_com(2010)0365_/com_com(2010)0365_de.pdf

[3]) Majece, G., Rosenmayr, L., Generationensolidarität in Österreich 2005. Empirisch-soziologische Untersuchung der Alternsforschung in Österreich, Wien, 2005. http://www.bmask.gv.at/cms/site/attachments/4/6/4/CH0184/CMS1240821992988/kurzfassung_generationensolidaritaet_in_oesterreich_2005.pdf

[4]) Heutige Projektionen gehen davon aus, dass in Österreich der Anteil der über 65-Jährigen in der Bevölkerung von derzeit rund 23% auf 34% im Jahr 2050 ansteigen wird, es wird eine Zunahme um 11%-Punkte angenommen. Vgl. Statistik Austria (2010): Bevölkerungsvorausschätzung 2010 – 2050 für Österreich, Wien. http://www.statistik.at/web_de/dynamic/statistiken/bevoelkerung/demographische_prognosen/bevoelkerungsprognosen/publdetail?id=50&listid=50&detail=328

[5]) Die Ausgaben der Bereiche Alterssicherung, Gesundheit und Langzeitpflege werden von 20,6% (2007) auf 24,4% des BIP bis 2050 ansteigen, das entspricht einer Zunahme von 3,8%-Punkten;  vgl. EC (2009): 2009 Ageing Report: Economic and budgetary projections for the EU-27 Member States (2008-2060). http://ec.europa.eu/economy_finance/publications/publication14992_en.pdf

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Mayrhuber_2011_Abstract (application/pdf)
AutorIn Momentum2011 2011-07-26 09:46:35