Maltschnig Maria: Das
 Ostasiatische
 Wunder
 – Freihandel und der Mythos „Tigerstaaten“

5. Nov 2009

Abstract Momentum 09 Track 5 „Freier Handel auf dem Prüfstand”

„Das
 Ostasiatische
 Wunder
 – Freihandel und der Mythos „Tigerstaaten“”

Der Freihandel ist in den letzten Jahrzehnten zum absoluten internationalen politischen Dogma aufgestiegen. Mit der Gründung der Welthandelsorganisation wurde den diesem Dogma zu Grunde liegenden liberalen Außenhandelstheorien ein institutionalisiertes Gerüst gegeben. Der Gedanke der hinter dem Konzept des internationalen Freihandels steht lässt sich folgendermaßen umschreiben: Der Abbau von Handelsbarrieren führt zu einem effizienteren Wettbewerb und maximiert somit die Wohlfahrt aller Länder. Jahrzehnte lang wurde von Weltbank, IWF und WTO streng nach dieser theoretischen Grundlage gearbeitet und der Abbau von Zöllen und nichttarifären Handelshemmnissen sowie der Rückzug staatlicher Strukturen aus der Wirtschaft forciert.

Diese Außenhandelspolitik geriet vor allem im Zuge der Antiglobalisierungsbewegung ins Kreuzfeuer der Kritik. Die unterentwickelten Länder konnten von der Einführung des Freihandels nicht profitieren, stellenweise wurden sogar durch die Überschwemmung mit Billiggütern aufstrebende Industrien und Landwirtschaft in der so genannten „dritten Welt“ zerstört. Sämtliche Entwicklungsindikatoren zeigen, dass die Diskrepanz zwischen entwickelten und unterentwickelten Ländern immer größer wird. Die Erreichung der Millenniumsziele liegt in weiter Ferne. Auch die Geschichte gibt den KritikerInnen Recht. Die dominierenden Volkswirtschaften gelangten nicht zuletzt mittels Einführung von Schutzzöllen zu ihrer heutigen Stärke. Schon Friedrich List beschrieb in „Das Nationale System der Politischen Ökonomie“ (1841) wie hoch entwickelte Länder versuchten den weniger entwickelten den Freihandel aufzuzwingen, wogegen diese sich wehrten und ihre Volkswirtschaften mit Zöllen schützten. Deutschland, Frankreich, die Niederlande und die Vereinigten Staaten von Amerika sind wohl die bekanntesten Beispiele dafür.

VerfechterInnen der Freihandelstheorie stützen ihre Argumente wiederum mit dem Beispiel des ostasiatischen Entwicklungsstaates. Südkorea, Taiwan, Singapur und Hongkong konnten durch den Abbau von Handelshemmnissen bestimmte Industriesparten dazu bewegen ihre Produktion in diese Länder zu verlagern. Niedrige Löhne, fehlende Gewerkschaften und ein nicht vorhandenes Arbeitsrecht trugen das ihrige dazu bei ökonomisch attraktive Produktionsbedingungen herzustellen. Die Folge davon war die Entwicklung dieser Länder von Agrar- zu Industrienationen. Indonesien, Thailand, die Philippinen und Malaysia folgten bald diesem Beispiel. Trotz diverser Krisen konnten diese Volkswirtschaften ein enormes Wirtschaftswachstum vorweisen.

Wie ist es dazu gekommen, dass die ostasiatischen Staaten diesen wirtschaftspolitischen Weg eingeschlagen haben? Welche Rolle spielten dabei internationale Organisationen? Was waren die politischen und gesellschaftlichen Rahmenbedingungen die diese wirtschaftliche Entwicklung ermöglichten? Ist der ostasiatische Entwicklungsstaat ein Mustermodell für andere unterentwickelte Länder? Diese und andere Fragen möchte ich im Rahmen meines Beitrages bearbeiten.

Maria Maltschnig

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AutorIn Momentum 2011-05-17 10:12:45