Lingg Jakob: Quotenregelungen als Mittel zur Gleichstellung zwischen Frau und Mann

5. Nov 2009

Abstract Momentum 09 Track 2 „Recht und Geschlecht”

„Quotenregelungen als Mittel zur Gleichstellung zwischen Frau und Mann”

Auch zu Beginn des 21. Jahrhunderts liegt die völlige Gleichstellung zwischen den Geschlechtern in weiter Ferne. Freilich hat sich in den letzen 40 Jahren in punkto Gleichbehandlung einiges getan. Vor allem in rechtlicher Hinsicht wurden doch große Schritte vollbracht die zu einer Annäherung zwischen Frau und Mann zumindest de lege führten (Gleichbehandlungsgesetz; rechtlich gleicher Zugang zu höherer Bildung und Erwerbsmöglichkeiten; Gleichstellung im Sozialversicherungsrecht).

Frauen werden jedoch nach wie vor in beinahe allen gesellschaftlichen Bereichen gegenüber Männern benachteiligt. So finden sich in der österreichischen Arbeitswelt die im europäischen Vergleich größten Einkommensunterschiede zwischen den Geschlechtern für gleiche Arbeit. Ebenfalls unter den Schlusslichtern befinden wird uns, was die Karrierechancen von Frauen in Bezug auf leitende und höhere Stellen betrifft.

Ein weiteres Problemfeld stellen psychische und physische Gewaltanwendungen dar. Frauen wirde in vielerlei Hinsicht das Recht auf Autonomie und sexuelle Selbstbestimmung verwehrt. Sexismus, sexuelle Belästigung und Misshandlungen zeugen von einem großen gesellschaftlichen Problem und mangelndem rechtlichen Schutz.

Hegemoniale Geschlechterstereotypen sehen nach wie vor eine klare Rollenaufteilung zwischen Frau und Mann vor. So sind Kindererziehung, Haushaltsführung oder Pflegeaufgaben stark weiblich konnotiert. Männer gelten oft als das Oberhaupt und der Ernährer der Familie zugleich. Hier ergibt sich eine klare Trennung zwischen dem privaten (weiblichen) und dem öffentlichen (männlichen) Leben. Entscheiden sich Frauen dennoch dafür, aus diesen reaktionären Rollenbildern auszubrechen, sind sie oftmals einer Doppel- bzw. Mehrfachbelastung ausgesetzt. Viel zu langatmig passieren gesellschaftliche Paradigmenwechsel, wie bspw. angestoßen durch die „Halbe/Halbe“-Kampagne der 1990er Jahren durch die damalige Frauenministerin Konrad.

Das Ungleichgewicht zwischen Frau und Mann spiegelt sich auch im politischen System wieder. Frauen sind nicht nur in Parlamenten undRegierungen unterrepräsentiert sondern werden auch im politischen Diskurs marginalisiert. So verwundert es nicht, dass Gleichbehandlungspolitik eher im unteren Bereich der politischen Tagesordnung zu finden ist.

Ein wirklich spannendes Instrument zur Gleichstellung, welches in den letzten Jahren immer mehr Eingang in einschlägige Debatten gefunden hat und auch schon in der Praxis erprobt ist, sind Quotenregelungen. Dabei handelt es sich um Maßnahmen der Frauenförderung, die den Anspruch haben, die geschlechtliche Segregation vor allem am Arbeitsmarkt aufzubrechen. Quotenregelungen, sollen Frauen längerfristig auf eine gleiche Ausgangsposition bringen wie Männer, ihnen bei gleicher Qualifikation bei der Besetzung von Arbeitsplätzen und Positionen im öffentlichen Leben schließlich gar einen Vorrang einräumen.

Ich möchte in meiner Arbeit untersuchen, in wie weit solche Quotenregelungen angesichts der strukturellen Diskriminierung zu lasten von Frauen gerechtfertigt werden kann. Die Philosophin und Feministin Beate Rössler definiert strukturelle Diskriminierung wie folgt: „Wenn in einer Gesellschaft, in der formale Chancengleichheit verwirklich ist, eine auffällige Korrelation besteht zwischen den Inhabern gut und besser dotierter Stellen, Ämter und Funktionen auf der einen Seite und einer für diese Stellen, Ämter und Funktionen irrelevanten Eigenschaft, nämlich der des Geschlechts […], auf der anderen Seite, dann muss man annehmen, dass die Strukturen dieser Gesellschaft die Diskriminierung einer […] gesellschaftliche(n) Gruppen fördern und unterstützen.“ Diese Definition umreißt ein spannendes Untersuchungsfeld, ganz besonders, wenn es anhand der österreichischen Realität diskutiert wird.

Weiters möchte ich in meiner Abhandlung auf die Kontroversen und Streitpunkte eingehen, die dem Konzept der Quotenregelungen immanent sind. Dabei sollen politisch-moralische Argumente, wie bspw. das Kompensationsmodell von J.J. Thomson oder das Modell der Chancengleichheit von R. Fullinwider, um nur einige zu nennen, ebenso besprochen werden, wie rechtswissenschaftliche aber auch rechtspraktische Überlegungen. Ein besonderer Fokus soll hier auf aktuelle juristische Implementierungen solcher Quote und die dazugehörige Rechtssprechung gelegt werden.

Als ein Verfechter der Quotenregelungen möchte ich auf der einen Seite versuchen, Argumentationsmuster für ein solches Instrument zu beleuchten, andererseits möchte ich mich kritisch mit Einwänden von QuotengegnerInnen auseinandersetzen.

Jakob Lingg

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AutorIn Momentum 2011-05-16 22:14:00