Leitner Miriam K.: Gender Medicine- Gleichheit fordern?

26. Jul 2011


Biologische Geschlechtszugehörigkeit nimmt im Diskurs um Gleichheit eine zentrale Rolle ein. In der medizinischen Wissenschaft erfährt dieser Diskurs eine Renaissance. Rezente Forschungsergebnisse zu unterschiedlichen Erkrankungsmustern, Medikamenten(un)verträglichkeit, Einschluss in Studien, Zugang zum Gesundheitssystem zwischen den Geschlechtern, rütteln an den Grundfesten von Wahrheitsannahmen der medizinischen Wissenschaft. So sieht sich letztere vor der Aufgabe, geschlechtsspezifische Unterschiede sichtbar zu machen und steht damit am Beginn des (Un)Gleichheitsdiskurses. Jene Disziplin, die sich aus dieser Erkenntnis entwickelt hat ist die Gender Medicine. Diese junge Wissenschaft hat zum Ziel alle Wahrheiten der Medizinforschung auf ihre Richtigkeit für Geschlechter zu überprüfen und ihre Auswirkungen auf vorhandene Geschlechtsunterschiede darzustellen.

Das Wissen um sozioökonomische Einflüsse auf Gesundheit und Krankheit und deren geschlechtsspezifische Auswirkungen sind der Grund, warum  Medizin die Handlungsableitung ihrer Thesen nur im biopsychosozialen Kontext treffen kann. Geschlechtsspezifische Medizin stellt daher das soziale Geschlecht- “Gender” – in den Mittelpunkt.

Dieser Prämisse soll im Track anhand von drei Beispielen Rechnung getragen werden.

Im ersten wird anhand der HPV Impfung ein Exempel von Gender Budgeting bei Gesundheitsausgaben vorgestellt („Christophorus hat noch nie wegen einer Frau abgehoben“).

Dass Gleichheit zwischen Männern und Frauen im medizinischen Kontext eine lebensgefährliche Annahme sein kann, soll im zweiten Beispiel erläutert werden („Aspirinstory“).

Der Einfluss von Gender auf den Konsum des Gesundheitssystems i.S. einer Analyse der Beteiligten (ÄrztInnnen, PatientInnen) auf Zugänglichkeit, Kommunikation und  Compliance bildet das dritte Beispiel.

Da wissenschaftliche Prozesse immer auch gesellschaftspolitische Realitäten schaffen, birgt  die verstärkte Fokusierung auf Geschlechtsunterschiede im medizinischen Bereich, bei allen gesundheitspolitisch positiven Effekten, durchaus ein Gefahrenpotential für eine fortschrittliche Politik. Im Rahmen des Tracks soll es gelingen den TeilnehmerInnen einen Einblick in die Wissenschaft  „Gender Medicine“ zu geben und damit den Gleichheitsdiskurs um eine naturwissenschaftliche Disziplin die sich ausschließlich diesem widmet zu erweitern.

Dokumente zum Download

Leitner_2011_Abstract (application/pdf)
AutorIn Momentum2011 2011-07-26 13:04:56