Lang-Lepschy Doris, Gebeshuber Ille: „Gleichheit fordern!“

26. Jul 2011

Unter dem Titel „A world of difference“ wurden im ehemaligen Konzentrationslager Mauthausen Antirassismustrainings für PolizistInnen durchgeführt. Basierend auf den u.a. dort erarbeiteten Erkenntnissen der „Anti-Defamation League“ und dem „Blue eyed Projekt“ wurde speziell für den Studiengang „Sozialarbeit“ an der FH Joanneum eine Methode entwickelt, die angehenden SozialarbeiterInnen bereits zu einem sehr frühen Zeitpunkt im Studium ermöglicht eine intensive Sensibilisierung für die mögliche Diskriminierung ihrer zukünftigen Klientel zu erfahren. Als Grundlage dienen das von der Österreichischen Gesellschaft für politische Bildung angebotene Argumentationstraining gegen Stammtischparolen nach Klaus Peter-Hufer und die Erarbeitung von fünf Dimensionen der Sozialarbeit nach Doris Lepschy (unmittelbare Ebene, statistische/quantitative Dimension, Umfeldorganisationen, politisch/ökonomische Dimension, kontinuierliche berufliche Selbstreflexion) im Umgang mit diffizilen Problemstellungen. Die StudentInnen ziehen zu Beginn der Lehrveranstaltung „Lebenskarten“.

Die Karten weisen Lebensbeschreibungen von möglichen Krisen ihrer zukünftigen Klientel auf. Beispiele dazu sind: Arbeitslosigkeit, HIV positiv, an Demenz erkrankter Elternteil, sexuelle Orientierung, Obdachlosigkeit, SchwarzafrikanerIn, gläubiger Moslem/Muslima. In den folgenden Wochen haben die StudentInnen die Aufgabe, in allen möglichen Lebenssituationen die Unterschiede zwischen ihrem eigenen und dem „Lebenskartenleben“ herauszufinden, wobei der Fokus auf Benachteiligungen und eventuellen Unterstützungsmöglichkeiten sowie den Reaktionen des persönlichen Umfeldes gelegt wird. Auch die persönlichen Vorannahmen und Vorurteile kommen zum Vorschein und werden reflektiert. In schriftlicher Einzelarbeit werden die persönlichen Erfahrungen festgehalten, allgemeine Informationen zu den einzelnen Problemstellungen werden in Teamarbeit erarbeitet und auch präsentiert. Die StudentInnen bearbeiten die angegebenen Fragestellungen parallel zum Präsenzunterricht unter Einbeziehung aktueller Medienberichte völlig selbständig.

Wesentlich dabei ist die durchgängige Betreuung der Studierenden. Jede Woche werden Feedback-Möglichkeiten installiert, sowohl persönlich als auch auf der eLearning-Plattform der FH Joanneum. SudentInnen lernen nicht nur praktische Lösungsstrategien für die berufliche Zukunft kennen sondern auch Aufbereitungsmöglichkeiten für Öffentlichkeitsarbeit im Sinne von „Gleichheit fordern!“. Soziale Arbeit arbeitet im Sinne der Menschenrechte und fordert diese z.B.im April 2011 durch die International Federation of Social Workers (IFS) aktiv ein. Als Lobby für benachteiligte Gruppen steht diese Berufsgruppe explizit für die Thematik dieses Tracks. Am Beispiel „Arbeitslosigkeit“ werden die fünf Dimensionen der Sozialarbeit nach Lang-Lepschy explizit aufgearbeitet und in Verbindung mit den Erfahrungen aus dem Argumentationstraining gegen Stammtischparolen nach Klaus-Peter Hufer verbunden. Kritik: Mediale Berichterstattungen wie auch politische Programme beschreiben Benachteiligungen und Problemstellungen oftmals eindimensional und ermöglichen Menschen somit nicht die gesamte Dimension der Benachteiligungen zu erfassen. Dadurch werden Vorbehalte bestätigt und Gleichstellung oftmals unmöglich gemacht. Empfehlung: Die klare Bekenntnis zur umfassenden Aufarbeitung von Benachteiligungen und Problemstellungen im öffentlichen Bereich wie z.B. im Sinne des österreichischen Presserates nach Vorbild der Sozialen Arbeit könnte ein praktischer Beitrag zu „Gleichheit fordern!“ sein.

Dokumente zum Download

Lang-Lepschy_gebeshuber-2011_Paper (application/pdf)
AutorIn Momentum2011 2011-10-11 18:21:48