Klaffenböck Paul: Die Asymmetrie im globalen Reservewährungssystem

25. Sep 2008

Abstract Momentum 08 Track 3 „Globale und ökologische Gerechtigkeit”

„Die Asymmetrie im globalen Reservewährungssystem”

Das globale Reservewährungssystem ist im eigentlich kein System sondern basiert auf frei floatenden Wechselkurse. Die meisten Länder sind dabei auf so genannte Währungsreserven angewiesen die sie benötigen um ihren Kurs im Falle einer spekulativen Attacke auf ihre Währung zu verteidigen. Auf der anderen Seite können sie dadurch ihre Währung bewusst
unterbewertet halten wie es die Volksrepublik China mit ihrem Yuan oder Renminbi macht und dadurch ein exportorientierte Wirtschaftswachstum zu erreichen. Eigentlich sollte man meinen dass so ein System Geld aus den reichen Ländern – wo es im Überfluss vorhanden ist – an ärmere Länder verleiht um diesen die nötigen Investitionen zu ermöglich ein entwickeltes
Land zu werden. Tatsächlich ist es aber umgekehrt. Die Vereinigten Staaten von Amerika sind die größte Schuldnernation der Welt und borgen überwiegend von ärmeren Ländern. Der Grund dafür liegt im Globalen Währungssystem, das eher die Abwesenheit eines System repräsentiert als ein geordnetes System wie es etwa das Bretton Woods oder der Goldstandart
war. Dabei möchte ich bemerken, dass das Bretton Woods System nur durch massive Intervention und Zusammenarbeit der Federal Reserve Bank mit den Europäischen Nationalbanken zu halten war und die immensen Zahlungsbilanz Schwierigkeiten der Vereinigten Staaten damals häufi g auf der Tagesordnung stand und neben dem Kalten Krieg eines der Hauptprobleme für die Amerikaner darstellte. Anders als die asiatischen Länder heute, standen die Europäer in der Schuld der Amerikaner und wagten es daher nur zögerlich aus dem System auszubrechen.

Das Bretton Woods System wurde von Harry Dexter White und John Maynard Keynes entworfen wobei überwiegend Whites Vorstellungen gewannen, was auf die politische Bedeutung der Vereinigten Staaten im Gegensatz zur politischen Bedeutung des Vereinigten Königreiches zurückzuführen ist. Die Verhandlungsmacht der Engländer war stark geschwächt und Keynes sah, dass das Englische Pfund stark an Bedeutung verloren hatte und weiter verlieren werde. Deshalb suchte er nach einem alternativen System und wollte ein Reservewährungssystem das unabhängig von den Interessen eines einzelnen Staates ist sondern durch eine unabhängige Internationale Clearing Stelle alle Zahlungbilanzen in einem Kontensystem ausgleich.
Im bestehen System kommt die Asymmetrie zwischen den Reservewährungsländer und Ländern deren Währung nicht als Reserve dient zu tragen. Reservewährungsländer wie Großbritannien vor dem ZweitenWelt Krieg, die Vereinigten Staaten danach und mit zunehmender Bedeutung der EURO Raum seit seiner Gründung haben die Möglichkeit Schulden in ihrer eigenen Währung aufnehmen zu können und diese sogleich mittels Notenpresse zu bedienen. Länder die dies nicht können und deren Glaubwürdigkeit sogar im eigenen Land gering ist werden ökonomisch als Länder mit „Original Sin” bezeichnet, dass die Unfähigkeit Kredite in der eigenen Währung aufzunehmen bezeichnen soll. Solche Länder müssen ihre Schulden mit erwirtschafteten Devisen bezahlen an die sie nur durch Export von Gütern – zumeist billigen Rohsto en oder Güter mit viel billiger Handarbeit – herankommen. Reservewährungsländer im Gegensatz sind in der Lage jeden in ihrer Währung notierten Kredit zu tilgen da sie ja selber den Hebel für die Druckerpressen in der Hand halten. Dabei müssen sie lediglich die Inflation im Auge behalten die ihnen aber wiederum hilft. Durch erhöhte Inflation gewinnen diese Länder sogar, da Reserven andere Länder z.B. Chinesische Dollar Reserven an Wert verlieren wo hingegen ausländische Aktiva z.B. ein Amerikanisches Unternehmen in Europa für die Amerikanischen Eigentümer an Wert gewinnt.

Dies führt dazu dass die Reservewährungsländer die auch die reicheren Ökonomien zusätzlich durch dieses System einen Gewinn erzielen der bestimmt nicht zu einer globalen Gerechtigkeit beiträgt!

Zusätzlich stellen Währungsreserven ein sehr unproduktives Kapital dar. Obwohl teilweise Reserven auch wieder veranlagt werden, wie zum Beispiel China die in Amerikanischen Staatsanleihen investieren, bekommen sie dafür nur eine sehr geringe Rendite die durch die inflationäre Wechselkursentwicklung sogar negativ sein kann. Daher haben solche Währungsreserven
soziale Kosten die sich ohnehin schon arme Länder kaum Leisten können aber müssen, um gegen Unsicherheiten am globalen Finanzmarkt abgesichert zu sein.

Was könnte die Politik machen?
Joseph E. Stiglitz hat in seinem letzten Buch einen Vorschlag gebracht der auf der oben erwähnten Idee von John M. Keynes basiert. Die Einführung einer globalen Reservewährungseinheit den Global Greenbacks die ähnlich den schon bestehenden und vom Internationalen Währungsfond ausgegebenen Sonderziehungsrechten SZR (Special Drawing Rights SDR) sind. Diese wurden bereits zweimal vergeben und waren ursprünglich an den Dollarkurs gebunden. Mittlerweile werden sie aus einem Währungsbündel berechnet und nden im internationalen Postverkehr Verwendung. Auch der Mann der die Bank von England knackte, George Soros, schlägt diese SZR vor um die Internationalen Finanzmärkte zu stabilisieren. Es gibt noch weitere Ökonomen wie der Post Keynesianer Paul Davidson der eine Lösung die der von John M. Keynes stark ähnelt vorschlagen und etwas weiter als die SZR gehen. Als ersten Schritt könnte man die Sonderziehungsrechte ausdehnen und die Verteilung der Sonderziehungsrechte und vor allem die Stimmrechte an die Notwendigkeiten und die ökonomische Bedeutung der Länder anpassen. Dadurch würde die Situation zwar entschärft aber nicht gelöst. Auch wenn mehr Reserven vorhanden wären würden sich globale Ungleichgewichte weiter ansammeln und dann später zu noch eventuell noch größeren Problemen führen. Hier geht das System das Keynes oder Davidson beschreiben die Ursache des Problems an. Da das Zahlungsbilanzde zit eines Landes den Überschuss eines anderes Landes bedeutet muss ein neues System Zahlungsbilanzungleichgewichte sowohl bei Ländern mit De fziten als auch bei Länder mit Überschüssen entgegenwirken. Dies könnte durch Besteuerung von Zahlungsbilanzüberschüssen erreicht werden die bei hartnäckigen Länder bis zu hundert Prozent betragen könnten, natürlich würden auch Schuldnerländer „bestraft“ um nicht hohe Verschuldungen zu provozieren. Keynes und Davidson schlagen Systeme vor die Reserven unnötig machen und durch Konten bei einer übergeordneten Clearing Stelle ersetzen, dadurch fallen auch die sozialen Kosten von Währungsreserven weg. Weiters würde die verlorene Nachfrage durch Währungsreserven abgescha t werden was weltweit positive Auswirkungen haben sollte und dadurch auch Arbeitslosigkeit reduzieren sollte.

Eine Welt – Eine Währung
Ein weiterer aber gerade zu utopischer Schritt wäre die Einführung einer GlobalenWeltwährung die eine weltweite Vergleichbarkeit von Armut, Preisen und dergleichen sicherstellen wurde und zugleich die Industrieunternehmen und Haushalte gegen Wechselkursschwankungen an denen meist nur Spekulanten, die nichts zur eigentlichen Produktion beitragen, gewinnen. Die Idee dabei wäre eine Währung mehr als einen globalen Standart einzuführen wie Meter oder Liter und damit ein universelles Wertmaß zu haben in dem Güter gemessen werden können statt ihrem relativen Preis der je nach Wechselkurs variiert. Dabei würden Länder einen Teil ihrer Souveränität aufgeben müssen da die Ausgabe von Banknoten einer unabhängigen Weltbank zustehen müsste. Die Seigniorage Gewinn aus der Herstellung von Geldscheinen könnte für internationale Hilfsorganisationen und Entwicklungshilfe eingesetzt werden. Dabei würden vor allem kleinere Länder mit unstabilen Währungen gewinnen da sie ohnehin nur einen geringen Nutzen aus einer eigenen Währung ziehen können. Eine stabilere Weltwirtschaft die unabhängig von Wechselkursschwankungen agieren kann, kann sich auf die eigentliche Produktion und Verteilung von Gütern konzentrieren und hätte daher weniger Risiko zu tragen. Auch internationale Kredite wären leichter zu erreichen da nur mehr die Bonität des Kreditnehmers von Bedeutung ist und nicht etwaige Wechselkursschwankungen
mit berücksichtigt werden müssen! Einige Arbeitsplätze würden verloren gehen doch würde die globale Stabilität in vielen Bereichen zusätzlich neu Stellen scha en und den Handel vom Wert der Waren und nicht von Spekulanten an den Börsen abhängig machen. Etwas bedauerlich finde ich das die Vielfalt an verschieden Münzen und das Gehirntraining im Urlaub
durch die verschieden Devisenkurse verloren gehen wird, aber das ist eine andere Geschichte.

Mein Kongressbeitrag
In meinem Kongressbeitrag möchte ich kurz die IST- Situation schildern: Eine kurze Analyse der gegenwärtigen Situation der US – Amerikanischen Leistungsbilanzde zite und den Sozialen Kosten des Reservewährungssystems. Dabei soll vor allem die Belastung die auf den Entwicklungsländer liegt ins Rampenlicht gerückt werden. Auch die Konsequenzen für die Amerikanische Wirtschaft und mit ihr der Weltwirtschaft soll kurz beleuchtet werden. Danach folgt der eigentliche Reformbeitrag für das Reservesystem das mit Stiglitz Global Greenback und ihre vermeintlichen Auswirkungen befassen wird gefolgt von einer genaueren Analyse der Ansätze von John M. Keynes und Paul Davidson die beide ähnliche Vorstellungen vertreten. Zum Abschluss möchte ich noch die Idee einer gemeinsamen und einheitlichen Weltwährung etwas näher erläutern und ihre Vorteile und die Kosten einer Einführung näher bringen.

Im Sinne einer gerechterenWelt muss auch die Asymmetrie zwischen Reservewährungsländern und Länder ohne Reservewährung beseitigt werden um damit gleiche Voraussetzungen für einen fairen Welthandel zu gewährleisten.

Paul Klaffenböck

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Beitrag_Klaffenböck (application/pdf)
AutorIn Momentum 2011-02-17 21:30:01