Interview mit dem Kabarett-Duo Gebrüder Moped

14. Okt 2016

„Nach unten zu treten ist keine Satire, sondern Hetze“

Sie zählen zu Österreichs erfolgreichsten Social-Media-Satirikern: die Gebrüder Moped. derMoment hat Franz Stanzl und Martin Strecha-Derkics zum Gespräch getroffen.

derMoment: Schwerpunkt des Momentum-Kongresses ist das Zusammenwirken von Wissenschaft und Politik. Was ist eure Verbindung zu Wissenschaft?

Stanzl: Wir sind ganz klassische 90er-Jahre Studienabbrecher. Eine berühmte Abbruchskombination damals war Publizistik und Politikwissenschaften.

Strecha-Derkics: Das war auch mein erfolgreichster Abbruch.

derMoment: Ihr habt also gemeinsam studiert?

Strecha-Derkics: Wir sind viel gemeinsam in der Mensa gesessen. Aber für mich persönlich ist es ein bisschen der Minderwertigkeitskomplex. Ich habe größte Achtung vor WissenschafterInnen. Das sind die Menschen, die unsere Welt vorantreiben müssen.

Stanzl: Aber eine tragende Rolle hat es in unserem Leben nie gespielt. Das Studieren verkörperte die Lust nach Uni. Es war eine schöne Zeit, aber wir haben erfolgreich abgebrochen.

derMoment: Als Gebrüder Moped steht ihr für politische Satire, die zum Mitdenken einlädt. Seht ihr euch als politische Aktivisten?

Stanzl: Ich würde mich nicht als politischen Aktivist sehen. Ich bin lieber in Aufistungen von SatirikerInnen. Wir machen Satire und wir beschäftigen uns viel mit Politik, natürlich gibt es auch Schnittfelder.

Strecha-Derkics: Ich habe das Glück, mich beruflich in einem Feld zu bewegen, das unmittelbar mit dem politischem Leben zu tun hat. Diese Verquickung ist für uns beide genau die richtige Position.

Stanzl: Wir beschäftigen uns mehr mit politischer Sprache. Wir spiegeln ein Wahlplakat und drehen es ein bisschen um. Es ist für uns eine privilegierte Position, dass wir nur ein Häppchen hinschmeißen und schauen was passiert.

derMoment: Was war euer erfolgreichstes Sujet oder der erfolgreichste Spruch?

Stanzl: Lange war es dieser: „Unter den kriminellen Ausländern haben wir einen Ausländeranteil von 100 Prozent und eine Kriminalitätsrate von 100 Prozent. Das macht insgesamt 200 Prozent. Das sind doppelt so viele, als es überhaupt Einheimische gibt.“ Aktuell sind unsere AfD- und FPÖ-Generatoren sehr beliebt.

derMoment: Wie kommt ihr auf neue Ideen? Reicht ein Blick in die aktuellen Ausgaben der Boulevardblätter oder steckt dahinter lange Recherche?

Strecha-Derkics: Wir haben eine tägliche Recherche-, Schreib- und Denkroutine, da wir auch für andere schreiben.

Stanzl: Wir haben keine Redaktionssitzungen und sprechen uns nicht ab. Wenn etwas im Netz funktionieren soll, muss man schnell sein. Wir bereiten uns nur an Wahltagen vor, das geben wir ehrlich zu.

Strecha-Derkics: Es postet oft nur einer. Franz teilt 99 Prozent meiner Ansichten und umgekehrt. Dementsprechend gibt es die Frage an den anderen nur an sich selbst.

Stanzl: Gerade einmal Bilder segnen wir gegenseitig ab, aber vorrangig wegen Tippfehlern. Aber das Gute als Satiriker ist: Man muss im Endeffekt nichts richtig machen. Ganz selten gibt es ein Veto.

Strecha-Derkics: Aber wir nutzen uns schon im Sinne der Qualitätssteigerung. Wir werfen uns oft unfertige Sachen hin, im Wissen um die Stärken des anderen.

Stanzl: Das Gute als Duo: Man muss nichts fertig denken.

derMoment: Habt ihr gewisse Grenzen oder No-Gos?

Strecha-Derkics: Ja. Nach unten zu treten ist keine Satire, sondern Hetze. Damit ist unser Werkzeugkofferl fertig.

Stanzl: Für uns kommt es nicht in Frage, Leute auf der Straße zu interviewen und zu hoffen, dass sie blöde Sachen sagen. Es müssen Mächtige sein. Aber wir sind mit dieser Grenze fast nie konfrontiert – unsere Mächtigen bieten sehr viel Schwachsinn.

derMoment: Ihr seid also Robin Hood-Satiriker.

Strecha-Derkics: Das ist süß. Wir setzen unseren Schwerpunkt mehr auf die Funktion als auf die Person. Mich interessieren nicht die großen Ohren vom Kurz (Sebastian, ÖVP, Anm. d. Red.). Das ist wirklich ein Tabu von uns. Aber wir machen uns lustig über Personen, wenn diese mit denselben Mitteln arbeiten. Wenn die FPÖ fordert, dass die Menschen Deutsch können sollen, dann dürfen wir uns über Schreibfehler lustig machen.

derMoment: Habt ihr schon mal Probleme bekommen?

Stanzl: Nein. Wir werden ganz wenig geschimpft von der breiten Masse. Wir sind stolz darauf, weil wir es als Qualitätskriterium sehen. Wir drehen die Sprache der rechten Populisten um und zeigen, wie dämlich sie ist.

Strecha-Derkics: Aber wir sagen nicht plump: Ihr seid dämlich.

Stanzl: Gestern haben wir gepostet: „Wenn es jetzt rechten Terror gibt, gibt es dann auch Diskussionen über die Kleidung von Klosterfrauen?“ Es geht dabei nicht um Klosterfrauen, sondern um die Burka-Diskussion.

Strecha-Derkics: Es geht um diesen absurden Bezug zwischen Wahnsinnigen und Religion.

Stanzl: Diese skurrilen Zusammenhänge, die von Medien und Politikern gezogen werden, werden intensiver: von Terror zu Burka.

derMoment: Ihr tretet mit eurem Programm „Tellerrandtango“ heute auf dem Momentum-Kongress auf. Was erwartet die Teilnehmerinnen und Teilnehmer?

Stanzl: Wir beschäftigen uns damit, nicht über den eigenen Tellerrand zu schauen – etwas sehr Österreichisches.

Strecha-Derkics: Es geht insgesamt um die Verfasstheit des Landes und seine politische und mediale Kultur.

Stanzl: Die mediale Schrulligkeit, die engen Parteiwettkampfspielchen und dieser ständige Schwanzvergleich von männlichen Politikern in Österreich. Um das geht’s.

Strecha-Derkics: Und dazu gibt’s schöne Bilder und schöne Lieder.

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