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22. – 25. Oktober 2009 fand zum zweiten Mal der Kongress Momentum in
Hallstatt (OÖ) statt. Nach Gerechtigkeit war dieses Jahr Freiheit der
Oberbegriff, zu dem nachgedacht und diskutiert wurde. „Es geht
darum, für einen progressiven Freiheitsbegriff einzustehen, überhaupt
wieder einen zu prägen. Dieser kann nicht beim gut verdienenden
Individuum stehen bleiben, sondern muss danach trachten, mehr Freiheit
für alle zu ermöglichen.“, fasst Kongressleiterin Barbara Blaha den
Auftrag von Momentum09: Freiheit in ihrer Eröffnungsrede zusammen. Das
Ziel von Momentum ist die Verbindung von Wissenschaft und Politik sowie
die Entwicklung von progressiven Konzepten, die zu einem Mehr an
Freiheit in der Gesellschaft beitragen und eine Alternative zum derzeit
vorherrschenden Neoliberalismus darstellen.
Überzeugende Analysen
"Momentum 09 beweist, dass es eine absolute Fehleinschätzung ist, in
Österreich gäbe es keine junge intellektuelle Linke. Ich habe hier
junge kritische WissenschafterInnen getroffen, die nicht nur kompetente
und professionelle Beiträge zur gegenwärtigen wissenschaftlichen
Diskussion über die facettenreichen Beziehungen zwischen Demokratie und
neoliberaler Entwicklung zu geben in der Lage waren, sondern auch alles
andere als einen politischen Defaitismus an den Tag legen“,
schildert Evelyn Schuster, Leiterin des Tracks „Demokratie unter Druck“
ihren Eindruck von der Veranstaltung. Lob für die TeilnehmerInnen
findet auch Markus Marterbauer vom Wirtschaftsforschungsinstitut und
Leiter des Tracks „Freier Handel“: „Ich habe selten eine
Veranstaltung erlebt, in der so viele junge, kritische
WissenschafterInnen nicht nur inhaltlich profunde und überzeugende
Analysen vorgelegt, sondern diese auch eloquent und mit unglaublich
viel Engagement verfochten haben.“ Dem Urteil vorangegangen sind
zwei Tage mit Präsentationen der Papers der KongressbesucherInnen und
deren Diskussion in den einzelnen Tracks. Das Konzept hinter Momentum:
Durch die eingereichten Beiträge bestimmen die TeilnehmerInnen selbst,
worüber diskutiert wird. So wird der Kongress von rund 200 Personen
gestaltet, unter denen sich junge WissenschafterInnen genauso wie
Engagierte aus Politik und Praxis wie dem NGO Bereich sowie renommierte
ForscherInnen finden. Gehört wird, wer etwas zu sagen hat.
Multiple Krisen
Der
Neoliberalismus ist der wesentliche Punkt, auf den auch die Ökonomin
Helene Schuberth, der Politologe Ulrich Brand und der Autor Robert
Misik in ihrer Podiumsdiskussion unter der Moderation von Rosa Lyon
(Ö1) zu sprechen kommen. Die drei DiskutantInnen haben die Gesellschaft
in der wir leben kritisch analysiert und wertvolle Alternativen für
eine gerechtere und freiere Gesellschaft aufgezeigt. Das neoliberale
Wirtschaftssystem sei nicht geschwächt, sondern gestärkt aus der Krise
hervorgegangen. „Wir erleben sicher keine Renaissance des Keynesianismus. Der Staat hat den Karren nur aus dem Dreck gezogen“,
sagt Helene Schuberth. Die Hauptursache sehe sie in der Schwäche der
Linken. Und: Unsere Gesellschaft ist nicht nur mit der einen Krise,
sondern mit multiplen Krisen konfrontiert, wie Ulrich Brand meint: „Der Armut und Hungerkrise, der Energiekrise, dem Klimawandel und der kapitalistischen Weltwirtschaftkrise.“
Hoffnungsschimmer seien dezentrale lokale Initiativen, die im Kleinen
die Welt verbessern können und handlungsfähig sind. Die DiskutantInnen
sehen ein „Window of opportunity“.
Die Diskussion als MP3 Download (10 MB).
Positiver Freiheitsbegriff
Ein Aspekt, unter dem auch die Tracksessions bei Momentum stehen: „Die Tage in Hallstatt schärfen den Blick und geben Energie für politische Aktivitäten“,
sagt Ilia Dib, Jus-Studentin am Juridicum Wien und Teilnehmerin bei
Momentum09. In den vier Tagen wurde in drei Netzwerken in neun
verschiedenen Tracks der Grundbegriff Freiheit unter den Aspekten
„Recht und Gesetz“, „Wirtschaft und soziale Sicherheit“ sowie „Kultur
und Demokratie“ diskutiert. „Es gibt einen negativen Freiheitsbegriff, der immer mit Abbau zu tun hat, wir wollen einen positiven“, sagt Markus Marterbauer. Vorraussetzung dazu sei unter anderem ein gut ausgebauter Sozialstaat – „Ausgangspunkt aller Überlegungen muss der Mensch sein“.
Eigene Wege
Hallstatt ist ein Ort, der schon oft aus gängigen Strukturen
ausgebrochen ist. „Friedhofsverschönerung – Bitte, Werkzeug mitbringen“
steht auf einem Zettel, der auf einer Hütte nahe der Bücherei hängt.
Die Bücherei ist nicht nur Bücherei, sondern beherbergt auch eine
Sauna. Und die Tankstelle im Ort gehört keinem Konzern, sondern der
Gemeinde. In Hallstatt ist es üblich vermeintlich Gottgegebenes zu
hinterfragen, Obrigkeiten herauszufordern und eigene Wege zu suchen.
Während Momentum ist der Ort voll mit Plakaten, die auf den Kongress
hinweisen. „Ich finde es gut, dass sich hier so viele junge Leute engagieren“, sagt eine Nachbarin. „Freiheit, nicht als Freigesetzt-sein, sondern als geschützter Freiraum, in dem sich der Einzelne entfalten kann“,
so hat die Philosophin Isolde Charim in ihrer Rede bei der
Kongresseröffnung den Begriff Freiheit definiert. Ein positiver
Freiheitsbegriff, dem im kommenden Jahr der Diskurs zum Thema
Solidarität folgen soll.
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