Hubmann Georg, Kapeller Jakob: Solidarisch Handeln: Konzeptionen, Ursachen und Implikationen

25. Okt 2010

Abstract Momentum 10 Track 9 „Was ist Solidarität?”

„Solidarisch Handeln: Konzeptionen, Ursachen und Implikationen

1. Einleitung
Solidarität ist ein vielschichtiger Begriff und eine bestenfalls diffuse Konzeption. Solidarität schwankt in seiner sozialen Bedeutung; und zwar zwischen emanzipatorischer Ausrichtung und loyaler Unterordnung, zwischen Alltagsfloskel und normativem Orientierungspunkt, aber auch zwischen phraseologischer Erwähnung und konkretem Handeln. Nicht zuletzt schwankt Solidarität auch immer zwischen „Solidarität mit mir“, Solidarität mit dir“ und „Solidarität mit ihr“ – im Sinne von, wer hat sie verdient und wem soll sie zukommen? Auch wenn zu anderen Grundwerten humanistischer Gesellschaften, wie Freiheit, Fortschritt, Gerechtigkeit, Menschenwürde oder Gleichheit, beinahe ebenso treffliche Debatten um deren Bedeutung und rechte Interpretation geführt werden mögen, ist der Begriff der „Solidarität“, so eines unserer zentralen Argumente, in besonders hohem Maße diffus und unklar. Aus normativer Sicht scheint diese Diffusität problematisch, da es zur moralischen Beliebigkeit verleitet, wenn sich grundlegende Werte und normative Orientierungspunkte frei deuten lassen.

Das vorliegende Papier versucht dieses Defizit zuerst zu bestimmen, um in weiterer Folge einen konstruktiven Lösungsvorschlag zu erarbeiten. Dieser fußt auf der These, dass Solidarität auf einer allgemeinen Ebene so konkretisiert werden kann, dass ihr progressiver Charakter herausgearbeitet und von „abweichenden“ Konzeptionen von Solidarität erfolgreich abgegrenzt werden kann. Ein in diesem Sinne geschärftes Verständnis von Solidarität taugt in Folge auch wieder eher als normativer Orientierungspunkt.

Um diesem ambitionierten Ziel nachzukommen, soll im Folgenden zuerst der Begriff der Solidarität überblicksartig diskutiert werden (Kapitel 2). Als Versuch der näheren Bestimmung der sozialphilosophischen Charakteristika unterschiedlicher Solidaritätskonzeptionen sollen spezifische soziale Begründungs- und Entstehungskontexte von Solidarität eingeführt und diskutiert werden (Kapitel 3). Aus diesen unterschiedlichen Entstehungszusammenhängen von Solidarität, wird abschließend versucht einen tragfähigen Aufbau für ein wiederzugewinnendes, progressives Solidaritätsverständnis, das auch unter den Bedingungen der modernen Gesellschaft bestand hält, zu schaffen (Kapitel 4). Dabei verstehen wir unter „progressiv“ eine normative Bewertung, die Freiheit, Gerechtigkeit, Gleichheit und gesellschaftlichen Fortschritt, d.h. „Veränderung,“ zu vereinen versucht. Ein solches Verständnis von progressiv fügt sich dabei in die normativen Grundlagen der europäischen Sozialdemokratie mehr oder weniger harmonisch ein.

Georg Hubmann, Jakob Kapeller

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AutorIn Momentum 2011-03-08 22:50:43