Hirte Katrin: Gleichheit und Vielfalt als normative Konzeptionen? – zu den philosophischen Implikationen bei Simone de Beauvoir

26. Jul 2011

Simone de Beauvoir wird mit ihrer „Bibel der Frauenbewegung“ („Das andere Gschlecht“) als Klassikerin der feministischen Soziologie gesehen. Die Forderung nach Gleichheit von Mann und Frau, um letzterer gleiche Teilhabe an der Gesellschaft zu gewähren, wird aus ihren Ausführungen abgeleitet, da es nach ihr weder biologische noch ökonomische als auch psychologische Gründe gibt, die gegen diese Gleichberechtigung sprechen. Besieht man aber die philosophische Grundlegung von Simone de Beauvoir, ist zu erkennen, dass hier nicht Gleichheit, sondern Differenziertheit, das „Andere“, die zentrale Wesenskategorie ist. Erst über das „Andere“ vermag das Subjekt sich selbst zu setzen. Das „Andere“ ist daher eine grundlegende Kategorie des menschlichen Denkens. Vielfalt bzw. konkreter Differenziertheit erscheint hier nicht nur als normative Konzeption, sondern als Grundbedingung menschlicher Subjektwerdung.

Ausgehend von diesem Befund soll im geplanten Beitrag den Fragen nachgegangen werde, die sich im Spannungsfeld von Gleichheit und Vielfalt daraus ergeben. Kann der Differenziertheit als unabdingbare Kategorie der Subjektwerdung die Gleichheit als ebensolch unabdingbare Kategorie der Subjektwerdung zur Seite gestellt werden? Können Gleichheit und Vielfalt überhaupt als „normative“ Konzeptionen angesehen werden oder sind sie nicht eher beide „Seins“-Kategorien? Beziehungsweise, wenn Differenziertheit als Voraussetzung von Subjektentwicklung gesehen werden muss, ist dann Gleichheit überhaupt erstrebenswert? Oder ist Gleichheit nur als „vorgeschalteter“ Modus für angestrebte Vielfalt zu begreifen? Was ist dann aber gewonnen – hier vor allem in Hinblick auf die Perspektive, dass mit solch Gleichheitsforderungen wie denen zu Chancen, Zugängen usw. das gesellschaftliche Prinzip der Konkurrenz nicht ausgeschaltet wird, sondern nur „Startpositionen“ modifiziert werden? Sind also mit der Forderung nach Gleicheit Übergänge zu anderen normativen Konzeptionen wie Glück und Zufriedenheit bzw. anderen gesellschaftlichen Entwürfen überhaupt realisierbar?

Mit Rückgriff auf die Transzendenzphilosophie von Simone de Beauvoir soll im geplanten Beitrag nicht nur auf die vorstehenden Fragen und dabei das Verhältnis der Konzeptionen Gleichheit und Vielfalt eingegangen werden, sondern gleichzeitig soll an ihre eigene Konzeptionierung der transzendalen Selbstrealisierung im Sinne von Sinnfindung erinnert werden, um von dieser aus zu fragen, ob sich so andere perspektivi – sche Implikationen jenseits des Dualismus Gleichheit/Vielfalt ergeben.

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Hirte_2011_Paper (application/pdf)
AutorIn Momentum2011 2011-10-11 18:06:04

Hirte_2011_Abstract (application/pdf)
AutorIn Momentum2011 2011-07-26 12:46:33