Heil Fritz: Leitlinien gewerkschaftlicher Entwicklungszusammenarbeit. Wie man Globalisierung mit sozialem Fortschritt verbindet.

28. Sep 2008

Abstract Momentum 08 Track 3 „Globale und ökologische Gerechtigkeit”

„Leitlinien gewerkschaftlicher Entwicklungszusammenarbeit. Wie man Globalisierung mit sozialem Fortschritt verbindet.”

1. Ungerechtigkeit als Herausforderung
Die bestehende ungleiche Verteilung des weltweiten Wohlstandes ist ein nicht zu leugnender Fakt. Es bleibt nach wie vor die größte weltweite Herausforderung allen Menschen dieser Erde ein ihnen würdiges Leben zu ermöglichen. Jede Politik, die das Ziel hat soziale Verbesserungen zu erreichen, muss an dieser Gegebenheit ansetzen.

Gleichzeitig ist zu erkennen, dass es einen erheblichen wirtschaftlichen Aufschwung in einigen Schwellenländern des Südens gegeben hat. Die plumpe Aufteilung der Welt in den armen Süden und reichen Norden verhindert eine differenzierte Betrachtung globaler Ungerechtigkeit. Auch wenn das Problem der absoluten Armut weiterhin ein Phänomen des Südens ist, so gibt es relative Armut sowohl in Industrie- wie auch in Entwicklungsländern. Indien steht als Beispiel für eine Gesellschaft in der Armut und Reichtum neben einander existieren. Auf der Weltbühne rückt Indien als aufstrebendes Schwellenland immer mehr in den Mittelpunkt des Interesses während es noch immer Millionen Inder gibt, die nur mit größter Schwierigkeit ihren Lebensunterhalt bestreiten können. Millionen haben keinen Zugang zu Bildung und Kinderarbeit ist weit verbreitet.
Die Entwicklung zum Beispiel in Deutschland der letzten Jahre hat gezeigt, dass Reallöhne stagnieren, während Unternehmensgewinne steigen. Es gibt weder in Nord noch Süd ein automatisches „Durchsickern“ der Gewinne nach unten.

Es ist nicht zu leugnen, dass von wirtschaftlicher Verflechtung und wirtschaftlichem Wachstum einige Bevölkerungsgruppen mehr profitieren als andere. Die Verflechtung der Weltmärkte über Freihandelsabkommen wirft die Frage auf, in wessen Interesse diese geschehen. Es entstehen Konkurrenzsituationen, in denen wirtschaftliche Subjekte mit sehr unterschiedlichen Voraussetzungen aufeinander treffen. Das Credo der Freihandelsbefürworter lautet, dass von internationalem Handel alle Länder profitierten. Auch wenn diese Annahme zutreffen sollte, wäre noch nicht gesagt, dass alle Bevölkerungsgruppen eines Landes von Freihandel profitieren. Selbst bei allgemeinen Wohlstandssteigerungen gibt es in einem Land Gewinner und Verlierer.

Die Globalisierung, wie wir sie jetzt erleben, ist ein politisch gemachter Prozess. Sie ist keine quasinatürliche Gegebenheit, sondern die Aneinanderreihung einzelner politischer Entscheidungen. Es ist zu einfach dieser unter neoliberalem Vorbild sich vollziehenden Globalisierung die Verantwortung für alle globalen Probleme und weltweite Wohlstandsunterschiede zuzuschreiben. Zumindest hat die Erfahrung der letzten Jahre gezeigt, dass die Verteilung von Nutzen und Kosten – im Norden wie im Süden – unterschiedlich verteilt sind. Die jetzige Globalisierung ist kein Programm zu mehr Entwicklung und sozialem Fortschritt in Nord und Süd.

Gewerkschaften treten mit dem Ziel an, die Arbeitsbedingungen ihrer Mitglieder zu verbessern und sie am wirtschaftlichen Erfolg gerecht zu beteiligen. Sie setzen sich in Verhandlungen für höhere Löhne und bessere Arbeitsbedingungen ein. Durch internationale wirtschaftliche Verflechtung stehen sie vor neuen Herausforderungen. Internationale Arbeitsmigration, Konkurrenz um niedrige Arbeits- und Sozialstandards, international operierende Unternehmen mit erheblichem wirtschaftlichen und in der Folge politischen Einfluss treten in den Vordergrund. Gleichzeitig wächst das Bewusstsein weltweit über die Endlichkeit natürlicher Ressourcen und die begrenzte Belastbarkeit des Weltökosystems, womit sich neue Problemstellungen und Handlungsfelder für internationale Gewerkschaftsarbeit eröffnen.

Die institutionelle Durchschlagskraft von Befürwortern einer auf Liberalisierung und Privatisierung fußenden Globalisierung manifestiert sich in Organisation wie der Welthandelsorganisation, die über umfangreiche Mechanismen verfügt die Mitgliedsstaaten auf die Einhaltung getroffener Vereinbarungen zu drängen.

Die internationale Gewerkschaftsbewegung dagegen wird stark von ihren Mitgliedsorganisationen in Europa getragen, die in den letzten Jahren fast durchgehend Mitglieder verloren haben und deshalb geschwächt sind. Nichts desto trotz verfügt die Bewegung weiterhin über ein weites internationales Netzwerk und ist in vielen Ländern mit nationaler Politik verflochten.

Auf dem Hintergrund der skizzierten Rahmenbedingungen stellt sich die Frage nach Handlungsansätzen für Gewerkschaften mit dem Ziel eine gerechte, nachhaltige Entwicklung weltweit zu erwirken.

Fritz Heil

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AutorIn Momentum 2011-02-17 20:59:56