Heidorn Nina: Frauen die Geschichte schrieben… Die Geschichte der Literatur von Frauen und über Frauen.

26. Jul 2011

Die Geschichte ist männlich. Männer als Herrscher, Männer als Wissenschaftler, Männer als Schriftsteller, Männer als Philosophen, Männer als Propheten. Aristoteles, Goethe, Freud, das sind Männer die unsere Geschichte und somit auch unsere Geschichte geprägt haben.

Maria Magdalena, Kleopatra, Christine de Pizan oder Simone de Beauvoir, um nur einige Namen von Frauen zu nennen, die unsere Geschichte entscheidend mitgestaltet haben. Namen, die jede_r schon mal gehört hat aber die nie die angemessene Aufmerksamkeit bekommen haben.

Vor allem in der Literaturgeschichte sind Frauen unterrepräsentiert, dabei gibt es auch hier unzählige Frauen über die geschrieben wurde bzw. selber als Autorinnen fungierten.

Besonders mit Mittelalter wurde das Bild der Frau entscheiden geprägt. Die Frau als jungfräuliche Heilige oder als aufopfernde Mutter. Das waren die Rollen, die Frauen in den Werken von damals innehatten. Vor allem die Kirche prägte ein Bild, das Frauen als die Dienerin des Mannes unter der kosmologischen Ordnung stigmatisierte.

Aber auch die weltliche Literatur determinierte Frauenrollen, die sich bis in die heutige Zeit ziehen. Zum Beispiel zeichnet sich im Minnesang das Bild der Schönen Frau ab. Die begehrte Frau wird zum Objekt, genauso kennen wir das aus den heutigen Kinofilmen.

Frauen als Schriftstellerinnen wurden damals kaum akzeptiert, denn dazu brauchte es einen gewissen Grad an Gelehrsamkeit. Doch Gelehrsamkeit war mit dem Weiblichen nicht zu vereinbaren. Und wenn Frauen in der Literatur gelehrt waren, dann wurden sie hässlich dargestellt.

Dennoch gelang es einigen Frauen sich als Autorinnen zu etablieren und gelangten auch an ein bisschen Berühmtheit.

Hildegard von Bingen, Mathilda von Magdeburg, Marie Ebner von Eschenbach oder Marie de France waren solche Frauen.

Doch haben diese Frauen weibliche Literatur geschrieben? Haben sie versucht das damalige Bild der Frauen umzukehren? Oder haben sie die patriarchalen Geschlechterklischees reproduziert? Mussten sie männlicher Schreibkunst folgen um Gehör zu finden? Oder folgten sie der kosmischen Ordnung aus persönlicher Überzeugung?

Auf den ersten Blick scheint es so als hätten Frauen, die literarische Werke verfassten einen männlichen Habitus entwickelt. Doch unter genderspezifischen Aspekten zeigen sich in ihren Werken Andeutungen einer neuen Frauenrolle (so auch in manchen Werken männlicher Autoren). So schrieb schon Christine de Pizan im 15. Jahrhundert, dass Geschlechter nicht naturgegeben seien, sondern von der Gesellschaft kreiert.

Um zu erfahren wie weibliches Schreiben zu dieser Zeit möglich war müssen sich Literaturwissenschafler_innen sich folgende Fragen stellen:

Unter welchen Bedingungen haben Frauen damals gelebt? Wie war ihre Lebenssituation? Wie ist das Bild der Frauen zu dieser Zeit? Gab es einen weiblichen literarischen Kanon?

Nach dieser Analyse weiblicher und männlicher Literatur und die Rolle der Frau ist die spannende Frage wie prägend die damalige Geschlechterhierarchie für die heutige Welt gewesen ist und ob es möglich ist so stark einzementierte Rollenklischees wieder aufzuheben.

Dokumente zum Download

Heidorn_2011_Abstract (application/pdf)
AutorIn Momentum2011 2011-07-26 12:19:31